Autokauf: Digitale Kriterien stechen PS-Protzerei aus

Umfrage des Digitalverbands Bitkom

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: Citroën)

Der tiefgreifende Wandel der Kundenbeziehungen in der Autobranche bekommt eine weitere Facette: Laut einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom rücken immer stärker die digitalen Dienste und Fahrerassistenzsysteme in der Werteskala der potenziellen Käufer nach oben. Technische Kriterien wie die Motorleistung verlieren dagegen an Stellenwert. Die vermehrte Verbreitung von Elektroautos könnte den Wandel noch verstärken, heißt es in der Mobilitätsstudie zur IAA.

Wie aus der repräsentativen Umfrage mit 1.004 Teilnehmern hervorgeht, ist das wichtigste Kriterium beim Autokauf für die Bundesbürger inzwischen ein integrierter Navigationsdienst. Dieses Feature wollen 93 Prozent der Befragten. Damit liegt es in der Wertigkeit noch vor dem Anschaffungspreis (91 %), dem Verbrauch (91 %), dem allgemeinen Komfort (88 %) und der Art des Antriebs (84 %). Die Motorleistung ist nur noch für 70 Prozent ein wichtiges Kriterium – noch hinter Fahrerassistenzsystemen, Serviceempfehlungen und Design. Die Marke ist gar nur für 62 Prozent relevant.

Digitale Kriterien gewinnen für den Autokauf zunehmend an Bedeutung. Das klassische PS-Thema Motorleistung hinkt hinterher (zum Vergrößern bitte Bild klicken).
Digitale Kriterien gewinnen für den Autokauf zunehmend an Bedeutung. Das klassische PS-Thema Motorleistung hinkt hinterher (zum Vergrößern bitte Bild klicken). (Bild: Bitkom)

„Ein Auto ist immer noch eine hervorragende Ingenieursleistung, auch wenn die Software bereits eine zentrale Stellung einnimmt“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Und deren Bedeutung wird noch wachsen. Aus seiner Sicht wollen die Nutzer im Auto zunehmend dieselben Dienste wie zu Hause nutzen. Mit dem vermehrten Aufkommen von Elektroautos würden zudem die Markteintrittsschranken für branchenfremde Dienste immer weiter sinken – auch weil das Auto zwar digitaler, aber letztlich technisch weniger komplex werde.

Übrigens sehen die Befragten die klassische Autoindustrie in Sachen Elektroauto schlecht aufgestellt. Jeder zweite glaubt, dass die deutsche Autoindustrie die Wende hin zu Elektroautos und anderen erneuerbaren Antriebsformen verpasst (52 %). Fast ebenso viele erwarten, dass deshalb bis 2030 heute noch erfolgreiche Autohersteller vom Markt verschwunden sein werden (46 %). Neue Hersteller aus China würden zunehmend zur Herausforderung für die deutschen Autobauer. Immerhin die Hälfte der Deutschen kann sich laut der Studie vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen.

Erwachendes Interesse am autonomen Fahren

Auch das zweite große Zukunftsthema, das autonome Fahren, rückt zunehmend ins Bewusstsein. 60 Prozent der Bundesbürger erwarten, dass spätestens in 20 Jahren in Deutschland mehr selbstfahrende als herkömmliche Autos zugelassen werden. „Die Frage ist nicht, ob das autonome Fahren kommt, sondern wann es kommt“, so Berg. „Damit Deutschland in dieser autonomen Welt seine Position als Autonation Nummer eins halten kann, muss jetzt eine optimale digitale Infrastruktur aufgebaut werden.“

Gleichwohl sind Vorbehalte gegenüber der Technik noch weit verbreitet. Nur jeder Zweite –ähnlich wie beim E-Auto – kann sich grundsätzlich vorstellen, ein autonomes Fahrzeug zu nutzen. Vor allem die Sicherheit und der Datenschutz bereiten vielen aber Sorgen. 61 Prozent der Befragten geben an, dass sie Angst vor technischen Problemen haben oder Hackern (59 %). Weitere 29 Prozent geben an, dass sie der Technik in Gefahrensituationen weniger trauen als einem Menschen, und 18 Prozent haben generell wenig Vertrauen in Technik.

Angesichts der vielfältigen Veränderungen rund ums Auto, kommt auch die Bitkom-Studie zu dem Schluss, dass Autos immer weniger als Prestigeobjekt taugen. Für 62 Prozent ist der Besitz eines eigenen Autos kein Statussymbol (mehr). Dabei gibt es deutliche – und bekannte – Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während nur 58 Prozent der über 65-Jährigen dieser Aussage zustimmen, sind es 70 Prozent der 16- bis 29-Jährigen. Die Entwicklung dürfte weitergehen: 40 Prozent der Befragten erwarten, dass für sie persönlich das Auto im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln deutlich an Bedeutung verlieren wird.

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