Studie Automatisiertes Fahren: Deutsche Autofahrer sind skeptisch

Autor: Sven Prawitz

Automatisierte Fahrfunktionen bringen Komfort und können mit ihrer ausgeklügelten Technik begeistern. In Deutschland und weiteren Ländern überwiegt jedoch die Skepsis – ganz anders als in China und Japan.

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Der Abbiegeassistent ist ein Beispiel für ein Assistenzsystem, das Fahrer entlasten soll.
Der Abbiegeassistent ist ein Beispiel für ein Assistenzsystem, das Fahrer entlasten soll.
(Bild: Continental)

Autofahrer aus Deutschland, Frankreich und den USA hegen Zweifel gegenüber dem automatisierten Fahren und wollen lieber selbst die Kontrolle über das Fahrzeug behalten. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Mobilitätsstudie von Continental. Der Zulieferer hat dafür in den genannten Ländern sowie China und Japan je 1.000 Menschen befragt. Chinesen und Japaner hingegen sind regelrecht begeistert von der Aussicht auf Robotaxis – 91 Prozent bzw. 82 Prozent halten das automatisierte Fahren für nützlich. 79 Prozent (China) und 67 Prozent (Japan) gehen zudem davon aus, dass die Technik in den kommenden fünf bis zehn Jahren zum festen Bestandteil des alltäglichen Straßenverkehrs wird, teilt Conti mit.

Anders sieht es hierzulande sowie in Frankreich und den Vereinigten Staaten aus: Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten sehen zwar den Nutzen der Technik, finden diese jedoch „ein wenig erschreckend“. In den USA sind es sogar 75 Prozent der Studienteilnehmer, die mit Sorge auf das Thema blicken – laut Continental habe sicher dieser Wert seit 2018 nicht verändert.

Rechtlicher Rahmen schafft Vertrauen

Ähnliche Ergebnisse liefert das Unternehmen Guardknox für den US-amerikanischen Markt. Demnach zweifeln 26 Prozent der Befragten, dass autonome Fahrzeuge jemals Realität werden. Außerdem würden die Nutzer auf Datenhoheit bestehen und hätten Angst vor Cyberangriffen. Zwei wichtige Aspekte, da automatisierte Fahrzeuge – zumindest im ersten Schritt – nur in einer vernetzten Umgebung und mittels Datenaustausch funktionieren werden.

In allen fünf Ländern sind sich laut Studie die Menschen einig (>80 %), dass die Politik einen Rahmen für die technische Entwicklung schaffen müsse. In Deutschland ist vor wenigen Wochen ein ebensolches Gesetz in Kraft getreten. Es erlaubt ab dem Jahr 2022 fahrerlose Fahrzeuge im öffentlichen Raum. Die Umfrage für die Studie fand allerdings vor in Kraft treten des Gesetzes statt.

Freude über Assistenzsysteme

Ganz anders sieht es bei technischen Hilfsmitteln für das Autofahren aus – den sogenannten Fahrerassistenzsystemen. Laut Continental sind die Befragten in allen fünf Ländern sehr offen für technische Hilfsmittel. Von den befragten Chinesen erhalte vor allem der Rechtsabbiegeassistent große Zustimmung (>90 %).

Beliebt ist in China zudem der vollautomatische Einparkassistent (>90 %). In den anderen vier Ländern sind sind die beiden Systeme weniger beliebt, erhalten mit über 70 bzw. über 60 Prozent gute Werte. Besonders preissensibel sind dabei die Japaner, heißt es in der Studie. Auch in Deutschland, Frankreich und den USA werde der Preis als Gegenargument genannt – in China dagegen nicht.

Die Continental-Mobilitätsstudie

Seit 2011 gibt Continental beim Markt- und Sozialforschungsinstitut infas eine Mobilitätsstudie in Auftrag – aktuell die sechste Auflage der Studie. Befragt werden jeweils Menschen in Deutschland, Frankreich, den USA, China und Japan zu ihren Einstellungen hinsichtlich verschiedener Aspekte der Mobilität. Die erste Befragungswelle im September 2020 konzentrierte sich vor allem auf die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Mobilitätsverhalten sowie die Einstellungen zur Elektromobilität. In einer zweiten Befragungswelle im Oktober 2020 wurde das Kernthema „technologische Entwicklungen im Auto“ gewählt. Dafür wurde eine jeweils bevölkerungsrepräsentative Stichprobe in den fünf Vergleichsländern befragt.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility