Berater erwarten radikale Konsolidierung des Lkw-Flottenmarktes

Studie untersucht Auswirkungen auf Handel und Hersteller

| Autor: Dominik Faust

(Foto: MAN)

Der Trend zu größeren Lkw-Flotten mit mehr als 100 Fahrzeugen wird sich bis 2026 weiter verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Deloitte in einer aktuellen Studie. Sie sieht den europäischen Markt als gesättigt an und erwartet „eine radikale Konsolidierung“ unter den Flottenbetreibern.

In Deutschland, dem größten Logistikmarkt in Europa, verfügen heute 25 Prozent der Flottenbetreiber über mehr als 100 Fahrzeuge. Dieser Anteil werde sich bis 2026 auf 35 Prozent erhöhen. In der Folge würden Klein- und Kleinstunternehmen deutlich Marktanteile verlieren. OEMs sollten daher, so der Rat der Fachleute, ihre Vertriebsstrukturen auf die direkte Betreuung der Großkunden umstellen. Das wiederum werde sich auf die Händler auswirken, die bei Großkunden im Wesentlichen nur den Service übernehmen. Dementsprechend sollten die OEMs die Incentivierungssysteme für die Händler anpassen, etwa in Form von neuen Servicemodellen.

Truck-Sharing-Angebote ausbauen

Eine weitere Maßnahme der Hersteller könnte sein, die Truck-Sharing-Angebote zum Abfedern von Auslastungsspitzen auszubauen. Damit würde zwar die Zahl der verkauften Lkws reduziert. Doch nach Ansicht der Berater könnten die Hersteller vom neu entstehenden Sharing-Markt profitieren. Denn neue Technologien würden die Abrechnungsprozesse vereinfachen und die Transaktionskosten für den Mietvorgang minimieren. In solche Angebote könnten die Hersteller auch die im Überschuss vorhandenen gebrauchten Nutzfahrzeuge einbeziehen.

Flexible Mietmodelle, mit denen sie ihre Dienstleistungen erweitern könnten, wären etwa das minutengenaue Angebot von Lkw-Kapazitäten („pay-per-minute“) oder das Anbieten von Frachtkapazitäten („book guaranteed capacity“).

Die prognostizierte Konsolidierung des Flottenmarktes ist laut Deloitte eine Folge der Entwicklungen in den globalen Nutzfahrzeugmärkten. So werde in Europa die Nachfrage nach Lkws in den kommenden Jahren jährlich um 0,2 Prozent sinken. Allerdings werde in diesem Zeitraum der Anteil hybrider oder vollelektrischer Antriebe auf ungefähr ein Fünftel des Gesamtbestands ansteigen. Bereits zu Jahresbeginn 2016 waren hierzulande rund 32.500 Lkws mit solchen Motoren zugelassen. Das entspricht einem Anteil von einem Prozent am deutschen Gesamtmarkt.

Während der Lkw-Markt in Deutschland und Europa stagniert, rechnen die Experten von Deloitte mit vergleichsweise hohen Wachstumsraten in Russland (11 Prozent jährlich) und Brasilien (6,1 Prozent). In beiden Teilmärkten werde bis 2026 vor allem das Segment der schweren Lkw Marktanteile hinzugewinnen.

Auch in Indien würden vor allem robuste Nutzfahrzeuge für den Fernverkehr nachgefragt, da eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der Flottenbetreiber gegenüber der Schiene erwartet wird. Anders der Trend in China: Hier rechnet Deloitte mit einem Rückgang des Absatzes schwerer Lkws, während für mittelschwere Fahrzeuge ein leichtes Wachstum möglich sei.

„Das Marktumfeld in Deutschland und Europa wird schwieriger. Wer als Anbieter nicht nur auf den Export in Schwellenländer setzt, für den ist innovatives, flexibles und übergreifendes Denken überlebenswichtig. Die Hersteller müssen Kompetenzen im Bereich Software auf- und ausbauen, dichte Aftersales-Netzwerke entwickeln, auf die richtigen Antriebsarten für die einzelnen Fahrzeugkategorien setzen und ihre Geschäftsmodelle insgesamt einer kritischen Betrachtung unterziehen“, resümiert Michael Maier, Director Strategy & Operations Automotive bei Deloitte.

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