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BGHM gibt Tipps zum Schutz gegen arbeitsbedingte Schwerhörigkeit

| Autor: Ottmar Holz

Die Erkrankung „Lärmschwerhörigkeit“ hält einen traurigen Rekord: Seit vielen Jahren gehört sie zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten Deutschlands. Doch man kann sich mit einfachen Mitteln schützen.

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Die BGHM besitzt einige mit Gehörtestkabinen ausgestattete Präventionsmobile. So kann der Arbeitgeber die Belegschaft direkt vor Ort testen lassen.
Die BGHM besitzt einige mit Gehörtestkabinen ausgestattete Präventionsmobile. So kann der Arbeitgeber die Belegschaft direkt vor Ort testen lassen.
(Bild: BGHM)

Schwerhörig wegen Lärm am Arbeitsplatz? Das muss nicht sein, denn es gibt schon seit Jahrzehnten geeignete und wirkungsvolle Maßnahmen, um das Gehör am Arbeitsplatz zu schützen. Richtig und konsequent umgesetzt, würde es nahezu keine Fälle berufsbedingter Lärmschwerhörigkeit geben – diese These vertritt Peter Hammelbacher, Akustikfachmann der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM). Anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen Lärm am 24. April 2019 erläuterte er, warum und wie man sich gegen Lärm schützen muss.

Schleichender Beginn

Niemand wird von heute auf morgen schwerhörig. Die einzige Ausnahme sind sehr seltene Knallereignisse mit einem Spitzenwert ab 150 dB(C). Sie können ein sogenanntes Knalltrauma verursachen. In nahezu allen anderen Fällen wird das Hörvermögen meist über Jahre oder Jahrzehnte allmählich beeinträchtigt. Die betroffenen Personen nehmen die Veränderung zuerst kaum wahr. Das ist fatal, denn viele beginnen erst spät, sich Sorgen zu machen – beispielsweise dann, wenn sie Gespräche am Arbeitsplatz oder in Gesellschaft nicht mehr gut verstehen. Selbst dann lassen sie oft noch etwas Zeit verstreichen, bevor sie zum Betriebsarzt gehen. Leider ist es da häufig schon zu spät – und das Gehör bereits irreversibel geschädigt. Abgestorbene Haarsinneszellen im Innenohr regenerieren sich nie mehr, ein verlorenenes Hörvermögen bleibt daher lebenslang verloren.

Prävention ist wichtig

Die BGHM klärt über die Gefahrenlage in Informationsmaterialien, in Seminaren, bei Betriebsbesichtigungen sowie im direkten Gespräch mit Versicherten und Unternehmensverantwortlichen auf und informiert über entsprechende Präventionsmaßnahmen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei, das individuelle Bewusstsein für das Gefahrenpotenzial einer zu hohen Lärmbelastung zu schärfen. So hört sich zum Beispiel ein Pegelunterschied von 10 dB(A) nur doppelt so laut an, birgt aber eine zehnfach höhere Gefährdung.

Lärm ermitteln – aber wie?

Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung müssen die Unternehmensverantwortlichen ermitteln, wie hoch die Gefährdung durch Lärm ist. Danach legen sie entsprechende Schutzmaßnahmen fest. Die BGHM hilft ihren Mitgliedsbetrieben gerne fachkundig dabei, die Lärmbelastung am Arbeitsplatz festzustellen. Der Arbeitgeber muss anschließend die betroffenen Beschäftigten in regelmäßigen Unterweisungen über die Konsequenzen der Gefährdungsbeurteilung informieren. Das kann beispielsweise arbeitsmedizinische Vorsorge oder das Tragen eines Gehörschutzes sein. Der Arbeitgeber ist außerdem verpflichtet zu überprüfen, ob die Beschäftigten sich an die Schutzmaßnahmen halten und beispielsweise den Gehörschutz auch tatsächlich richtig tragen. Primäres Ziel muss es aber sein, dass schädlicher Lärm gar nicht erst entsteht, beispielsweise durch verbesserte Maschinen oder geänderte Arbeitsabläufe.

Gehörschutz richtig verwenden

Drei Punkte gilt es hauptsächlich zu beachten:

  • Der Gehörschutz muss richtig getragen werden, sonst hat man keine Schutzwirkung.
  • Der Gehörschutz muss immer getragen werden, wenn man sich in einem entsprechenden Lärmbereich befindet.
  • Besteht bereits ein Gehörschaden, addiert sich dieser mit der Dämmwirkung eines Gehörschutzes oft so ungünstig, dass der Mitarbeiter Gespräche schlecht verfolgen kann. Das kann ihn dazu verleiten, keinen Gehörschutz zu tragen – eine Abwärtsspirale setzt ein. In solchen Fällen sollte immer ein Akustikfachmann um Rat gefragt werden, der mögliche Alternativen vorschlagen kann. Das kann beispielsweise eine vom Hörgeräteakustiker speziell angepasste Otoplastik sein.

Die Schädigung des Gehörs ist im Wesentlichen vom Energieinhalt des Lärms abhängig. Dieser ist in der Nähe der Schallquelle am höchsten. Kolleginnen oder Kollegen im gleichen Raum können aber ebenso einen Gehörschaden davontragen. Daher sollte ein Mitarbeiter auch die Kollegen im Raum warnen, wenn er mit einer lärmbehafteten Tätigkeit beginnt.

Lärm senkt Arbeitsqualität

Lärm ist ab 85 dB(A) bei langjähriger Einwirkung eine Gefahr für das Hörvermögen. Grundsätzlich ist er auch ein Stressfaktor – und dies bereits bei viel geringeren Schallpegeln (beispielsweise in einem Großraumbüro). Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Lärmeinwirkung die Fehlerhäufigkeit zunimmt, denn Lärm hat Auswirkungen auf die Psyche und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Weitere Informationen zum Thema stellt die BGHM auf ihrer Website unter www.bghm.de, Webcode: 599 und 3327 bereit.

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Über den Autor

 Ottmar Holz

Ottmar Holz

Redakteur Service und Technik