Bleker wandelt sich zum Mobilitätsdienstleister

Autor: Ottmar Holz

Das Multimarken-Autohaus Autoforum Ahaus hat in den drei Jahren nach dem großen Umbau die damals neu aufgesetzten Serviceprozesse genau nachjustiert. Damit schafft es den Spagat zwischen analog und digital und erreicht den dritten Platz beim Service Award 2019.

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Der luftige Mehrmarkenbau ist gerade nachts ein Blickfang.
Der luftige Mehrmarkenbau ist gerade nachts ein Blickfang.
(Bild: John E.Smith/ millermedia)

Wer einen Besuch in der Peripherie des Städtchens Ahaus machen muss, sollte nicht mit der Bahn anreisen. Ein paar Busse steuern mit vielen Schülern an Bord ohne Zwischenhalt umliegende Gemeinden an, ein Taxi hätte man per Telefon vorbestellen müssen. Kurz und gut – ohne eigenes Auto ist man in Ahaus ziemlich aufgeschmissen. Ein gutes Pflaster für Autohändler also, aber das ist beileibe nicht der einzige Grund für den geradezu kometenhaften Aufstieg des Autoforums Ahaus, einem Mehrmarkenbetrieb der Bleker-Gruppe. Einen großen Anteil daran hat sicher das schmucke, 2000 Quadratmeter große Firmengebäude.

Knapp fünf Millionen Euro hat Bleker in den Umbau des seit 1983 hier ansässigen Betriebs investiert. Entstanden ist ein einladendes und transparentes Gebäude, das den mittlerweile sechs Fahrzeugmarken ein gemeinsames Dach über den in der jeweils aktuellen Corporate Identity gehaltenen Einzelabteilungen gibt. Auch hat Bleker eine Fläche an eine örtliche Bäckerei vermietet; die betreibt hier eine Filiale. Das schicke zweistöckige Café zieht permanent Kunden aufs Firmengelände – und natürlich drücken sich auch viele potenzielle Autokäufer nach dem „Sonntagskäffchen“ die Nasen an der Glasfront des Showrooms platt. Ein breites Vordach sorgt dabei auch bei Regenwetter für ein angenehm trockenes Informationserlebnis.

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Ein ganz ungeplanter, extrem positiver Nebeneffekt der Entscheidung für eine Bäckerei zeigt sich gerade aktuell: Um die Backöfen entsprechend mit Strom zu versorgen, hat man schon lange vor der jetzt zunehmenden Elektromobilität das Gebäude mit damals eigentlich völlig überdimensionierten Kabeln angeschlossen. Vorgesehen sind vorerst sechs Ladestationen für E-Fahrzeuge auf dem Werkstatthof. Sie zu installieren, wird das lokale Stromnetz locker verkraften. Ab Januar erfolgt die Versorgung übrigens zu 100 Prozent mit Ökostrom.

Standortleiter Stefan Swoboda und seine 72 Mitarbeiter aus sieben Nationen bilden das Team in der Von-Braun-Straße. Allein zwölf Automobilverkäufer generieren für die nötigen Sales. Und 61 Mitarbeiter im Aftersales geben jeden Tag ihr Bestes, um die Kunden nach dem Kauf glücklich zu machen. Das gelingt ihnen offensichtlich sehr gut, denn nach 768 und 913 Neuwagen in den Jahren 2017 und 2018 will (und vermutlich wird) Stefan Swoboda diesmal über 1.000 Fahrzeuge absetzen. „Ziele, die ich mir setze, werde ich auch erreichen“, bekräftigt er dazu selbstbewusst die hochgesteckten Ambitionen. Bisher hat das geklappt; bezogen auf das Jahr 2015 (vor dem Umbau) bedeutet das eine steile Steigerung um immerhin 254 Prozent!

Service ganz nach Wunsch

Zwei Direktannahmen unter der Ägide von Tatjana Neuhäusel bilden das Eintrittstor in das Serviceparadies. Sie koordiniert die Serviceterminvereinbarung und steuert die Kunden auf Wunsch auch auf den Annahmestand mit dem API-Vermessungsroboter. Doch das will nicht jeder Kunde, und es ist bei Leasingfahrzeugen auch wenig sinnvoll. Daher ist dies nur ein zusätzliches Angebot, es gibt bei Bleker für die Kunden keinen Zwang, an einer oft als Verkaufsveranstaltung empfundenen Maßnahme teilzunehmen. Serviceleiter Axel Schulze-Höckelmann hat rein gar nichts gegen „Schlüsselwerfer“ – immerhin sind das auch die Kunden mit dem größten Vertrauen in ihr Autohaus.

Bei seinen Kunden punktet das Autohaus mit etwa 40 kostenlosen Leihwagen, darunter ein E-Fahrzeug. Nach dem Werkstattdurchlauf findet der Fahrer sein Kfz selbstverständlich gewaschen auf dem Parkplatz vor. Bei Bleker sind Sales und Aftersales stark verzahnt, was dem hohen Leasing- und Firmenkundenanteil geschuldet ist. Gerade bei Geschäftskunden muss man deren Mobilität im Auge haben; daher gibt es bei den Leihwagen keine Kilometerbegrenzung. Fünf Personen sind alleine mit dem kostenlosen Hol- und Bringservice beschäftigt, zur Not auch direkt auf die Baustelle morgens um halb sieben.

Bleker übernimmt die gesamte Unfallschadenabwicklung, denn kein Kunde möchte sich damit heutzutage noch belasten. Der hohe Leasingkundenanteil mit Serviceverträgen hat für das Autohaus gerade im Unfallschadenfall noch einen enormen Vorteil: Die Schäden bleiben im Haus. „Wir müssen da nicht wie mancher Markenkollege, der sich dem Thema Leasing verschließt, zusehen, wie uns die lukrativen Unfallschäden vom Hof gesteuert werden“, fasst Schulze-Höckelmann zusammen.

Service Award 2019: Veränderung bringt Vorsprung
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Mit einem eigenen Sonderfahrzeugbau kann Bleker ausgefallene Wünsche erfüllen. Beispielsweise auch Umbauten zum Schienenkontrollfahrzeug für ein Eisenbahnbauunternehmen hat Bleker im Portfolio.

Kompetenzerweiterung

Bleker hat sich vor zwei Jahren dem Carservicesystem „Euro Repar“ angeschlossen. Serviceleiter Axel Schulze-Höckelmann sieht vor allem zwei Vorteile darin: „Wir stärken darin unsere technische Kompetenz im Bereich Fremdmarken. So können wir auch die Käufer von Gebrauchtwagen weiter bei uns im Service halten. Darüber hinaus haben unsere Serviceberater eine zusätzliche Möglichkeit, im Kampf um den Kunden neben den Originalersatzteilen eine qualitativ hochwertige Teileschiene einzusetzen und dabei als Profitcenter auch die Marge nicht aus den Augen zu verlieren.

Aufs Betriebsgelände – nämlich in die alte Direktannahme – hat man sich den TÜV Nord geholt. Die großen Investitionssummen für Bremsenprüfstand und Abgasmessung schrecken viele Wettbewerber ab. Schulze-Höckelmann will sich hier besser positionieren und die Chance nutzen, auch markenfremde Neukunden zu gewinnen. Dazu bietet Bleker demnächst eine verbindliche Onlineterminvereinbarung an.

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Redakteur Service und Technik