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Brennstoffzellen können doch Erfolg haben

| Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Die Marktforscher von Roland Berger behaupteten jüngst in einer Studie, dass Platin die Brennstoffzellen noch auf Jahre hinaus zu teuer für den Massenmarkt machen würde. Dem widerspricht der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband entschieden.

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Die Brennstoffzelle ist laut DWV nicht zu teuer für den Autoantrieb.
Die Brennstoffzelle ist laut DWV nicht zu teuer für den Autoantrieb.
(Foto: Toyota)

Wenn die Markteinführung von Brennstoffzellenautos erfolgreich verlaufen soll, müssen die Preise dieser Wagen mit denen herkömmlich angetriebener Autos vergleichbar sein. In einer aktuellen Studie bezweifelt das Marktforschungsunternehmen Roland Berger jedoch, dass dies auf Grund des hohen Platinpreises möglich ist.

Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) sieht das ganz anders. Er leugnet dabei nicht, dass Platin wegen seiner elektrochemischen Eigenschaften eine zentrale Rolle als Katalysator in Brennstoffzellen spielt und dass es bisher keinen adäquaten Ersatz gibt. Doch er bezweifelt die von Roland Berger aufgemachte Rechnung zu den Kosten des Edelmetalls.

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Nach Aussage des Verbands konnten die Entwickler den Platinbedarf für eine Brennstoffzelle in den letzten Jahren stark reduzieren. So brauchten sie im Jahr 2007 für den Antrieb des Hydrogen4 von General Motors mit einer Leistung von 100 kW bis zu 80 Gramm Platin. Laut DWV kommen heutige Systeme bei gleicher Leistung bereits mit der Hälfte aus. Somit steckten heute zwischen 1.000 und 1.500 EUR für das Katalysatormaterial in einem Brennstoffzellenauto – das Edelmetall kostet aktuell 34 Euro pro Gramm.

In den kommenden Jahren wollen die Entwickler den Platinbedarf noch weiter reduzieren. Bis 2020 sollen nur noch 15 Gramm notwendig sein und bis 2025 weniger als 10 Gramm.

Auch Benziner und Diesel brauchen Platin

Nach Angaben des DVW brauchen auch Autos mit Verbrennungsmotor durch strenger werdende Vorschriften zur Luftreinhaltung künftig in ihren Abgaskatalysatoren einen höheren Platinanteil. Ein heutiges Benzinauto mit Vierzylindermotor, das 100 kW leiste und die Euro-VI-Norm erfülle, benötige etwa 2,5 g eines Palladium/Rhodium-Katalysators. Das aktive Material habe einen Preis von knapp 50 Euro. Bei strengeren Vorschriften in Europa könnte auch hier der Einsatz von Platin erforderlich werden.

Ein Dieselauto mit entsprechendem Motor benötige dagegen heute schon etwa acht Gramm eines Platin/Palladium-Katalysators, wobei der Platinanteil bei knapp sieben Gramm liege. Dieses Material schlage deshalb mit etwa 240 Euro zu Buche. Auch diese Menge könnte je nach Abgasgesetzgebung steigen.

Daraus folgt nach Ansicht des DVW, dass zumindest in zehn Jahren der Platinbedarf für Autos mit Verbrennungsmotor dem für solche mit Brennstoffzelle ähnlich werden wird. Und auch Palladium und Rhodium seien keineswegs billig. Ohne Zweifel müsse der Preis für die Brennstoffzellen noch sinken, um sie erfolgreich am Markt etablieren zu können. Das werde kein einfacher Prozess sein, doch er werde gewiss nicht am Platin scheitern.

(ID:42500281)