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Brummender Diesel lässt Schwaben hoffen

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Trotz Fahrverboten sind die Stuttgarter guter Hoffnung, dass die Dieseldebatte bald ein Ende hat. Denn in der Landeshaupt brummt der Diesel wieder.

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Diesel-Fahrzeuge sind in Stuttgart wieder gefragter.
Diesel-Fahrzeuge sind in Stuttgart wieder gefragter.
(Foto: Porsche)

Der Countdown für die Vertreibung der Euro-4-Diesel aus Stuttgart läuft. Trotzdem ist das Ende der Diesel- und Fahrverbotsdebatte abzusehen: „Euro-6d-temp zieht, der Diesel brummt wieder“, sagte Obermeister Torsten Treiber auf der Regionaltagung der Kfz-Innung Region Stuttgart. Das dürfte die Emissionen drücken.

Aus der positiven Entwicklung der Diesel-Zulassungszahlen zieht Treiber den Schluss: „Wer es sich leisten konnte, ist auf ein Auto mit einer höheren Schadstoffklasse umgestiegen.“ Aber 20.000 Euro-4-Diesel sind noch immer im Bestand, für sie gilt ab Ende März ein Fahrverbot. Fahrten zu einer Werkstatt in dieser Zone werden nur durch eine Sondergenehmigung möglich, wenn der Betrieb anderenfalls in wirtschaftliche Not geraten würde. Ein Kompromiss, der in der Region nicht unumstritten ist.

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Verband und Kfz-Innung fordern bereits seit Jahren die Umrüstung älterer Diesel. „Als Kfz-Betriebe würden wir lieber heute als morgen mit der Umrüstung beginnen“, so Treiber. Aber Einbausätze stehen noch immer nicht zur Verfügung. Bei Testfahrten haben umgebaute Fahrzeuge mehr Kraftstoff verbraucht als die vom Gesetzgeber erlaubten zusätzlichen sechs Prozent.

Die Rolle des Diesels kann das Elektroauto in nächster Zeit nicht einnehmen. „Ein E-Auto muss erstmal 80.000 Kilometer fahren, bevor es mit einem Verbrenner bei CO2 eben ist“, bestätigte Peter Siegert, Manager E-Mobility der EnBW Energie Baden-Württemberg. Der Unterschied ist, dass die Schadstoffe nicht in Stuttgart am Neckartor entstehen, sondern anderswo.

Klar ist, dass E-Mobilität den Trend zu weniger Kfz-Betrieben befeuert und die Notwendigkeit, sich den neuen Marktgegebenheiten anzupassen verstärkt: „Aber auch in neuen Wertschöpfungsstrukturen wird das Autohaus eine Rolle spielen“, betont Prof. Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft Geislingen.

Diese müssen viele Kfz-Betriebe erst noch suchen. „Die Gesellschaft entwickelt sich, und diesen Trends müssen wir Rechnung tragen“, betont Reindl. Das oft genannte Carsharing werde völlig überschätzt. Der Autoexperte ist nicht von hohen prognostizierten Nutzerzahlen überzeugt. Durch die neuen Entwicklungen kommen auf den Service deutliche Änderungen zu. Reindl geht von weniger beschäftigungsintensiven Wartungs- und Reparaturarbeiten aus. Trotzdem werde immer stärker in Neubauten investiert – ein Widerspruch.

Bei all diesen Veränderungen blickt die Nürnberger Versicherung optimistisch in die Zukunft. „Um die Versicherung rund ums Auto ist uns nicht bange“, erklärte Peter Meier, Sprecher des Vorstands der Nürnberger Allgemeine Versicherung. Schäden und Unfallhäufigkeit hätten durch die Fahrerassistenzsysteme nicht abgenommen. Die Bauteile seien eher teurer geworden. Ein Problem für die Branche sei aber nach wie vor der Kapitalmarkt mit den fehlenden Zinseinnahmen. Die Versicherer haben nur die Einnahmen aus den Policen.

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