Caravaning-Spezialist Hymer feiert 60. Geburtstag

Vom Ur-Troll zum Hymer-Mobil

| Autor: sp-x

Die Hymer B-Klasse (1981) entwickelt sich zu einem der beliebtesten Reisemobile Europas.
Die Hymer B-Klasse (1981) entwickelt sich zu einem der beliebtesten Reisemobile Europas. (Bild: Hymer)

Als Erfinder des Caravanings kann man Erwin Hymer nicht bezeichnen. Der legte erst 25 Jahre später den Grundstein für sein Imperium, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern kann. Zurück geht das Caravaning vielmehr auf Arist Dethleffs, den Namensgeber des in Isny ansässigen Unternehmens Dethleffs. Dieser absolvierte mit dem „Wohnauto“ 1932 so etwas wie die Jungfernfahrt der heutigen Boombranche. Doch Dethleffs ist inzwischen Teil des Hymer-Imperiums, womit sich der Kreis letztlich schließt.

Als gelernter Werkzeugmacher arbeitete der in Bad Waldsee geborene Erwin Hymer zunächst beim Flugzeugbauer Dornier am Kleinwagen-Projekt Delta, ehe er in den väterlichen Betrieb einstieg, der gummibereifte Anhänger für Traktoren herstellte. Doch der junge Oberschwabe wollte Neues wagen. Gemeinsam mit dem Flugzeugkonstrukteur Erich Bachem (Eriba), der schon in den 30er Jahren den Sperrholz-Wohnwagen Aero-Sport entworfen hatte, gründete er 1957 eine neue Firma, die mit der Entwicklung des Ur-Trolls eine neue Epoche einläuten sollte: Der erste bescheidene Wohnanhänger, der einen Urlaub auf Rädern möglich machte und die Grundlage für den Eriba-Touring, einen bis heute gebauten Klassiker, bilden sollte.

Nur vier Jahre später entstand bereits handgefertigt das erste Reisemobil, der Caravano auf Basis eines Borgward-Transporters B 611. Dem rollenden Eigenheim war allerdings kein langes Leben vergönnt. Nach nur drei gebauten Exemplaren musste die Produktion eingestellt werden, weil Borgward insolvent war. Ein neuer Versuch mit Reisemobilen folgte erst zehn Jahre später, diesmal allerdings mit durchschlagendem Erfolg: 1971 begann die Serienfertigung des Hymer-Mobils, eine Modellbezeichnung, die später oft als Synonym für integrierte Wohnmobile verwendet wurde.

Technologisch machte die Marke Hymer in der Folgezeit immer wieder durch Innovationen auf sich aufmerksam wie das absenkbare Doppelbett im Fahrerhaus (1976), die Entwicklung des sogenannten PUAL-Aufbaus, eine sehr stabile Verbindung aus einer Polyurethan-Schaum-Isolierung und Aluminiumblech (1978) oder zuletzt die Leichtbau-Maßnahmen, die im Modell ML-I ein integriertes Premium-Fahrzeug unter 3,5-Tonnen auf einem Mercedes-Chasis ermöglichten.

Die Einführung der B-Klasse (1981), die zu einem der beliebtesten Reisemobile Europas avancierte, und der höherklassigen S-Klasse (1995) waren ebenso markante Highlights in der Hymer-Geschichte wie die Jubiläen. Während bis zum 100.000sten Fahrzeug, das 2004 gefertigt wurde, allerdings noch 47 Jahre vergingen, wurde Wohnmobil Nummer 150.000 nur acht Jahre später im Jahr 2012 bejubelt. Und angesichts des gegenwärtigen Zulassungsbooms dürfte die 200.000er-Marke noch wesentlich schneller fallen.

Europas Nummer Eins

Wirtschaftlich baute Erwin Hymer sein Imperium durch zahlreiche Zukäufe zu Europas Nummer Eins aus, die in Zeiten der Finanzkrise zwar auch vor roten Zahlen nicht gefeit war, nach einer Neuausrichtung aber längst wieder in der Erfolgsspur zurück ist. Zur Hymer-Gruppe zählen heute die Reisemobil- und Wohnwagen-Hersteller Hymer, Dethleffs, Bürstner, Niesmann+Bischoff, Laika, LMC, Carado, Sunlight, TEC, Etrusco, Eriba, Hymercar, Road-trek und die Zubehörmarke Movera.

Die Hymer GmbH wird das 60-jährige Bestehen im Laufe dieses Jahres mit diversen Veranstaltungen feiern, bietet ihren Kunden mit zwei Sondermodellen aber auch handfeste Preisvorteile. So sparen Käufer eines teilintegrierten ML-T 570 „60 Edition“ bei einem Endpreis von 84.990 Euro immerhin 9.200 Euro gegenüber dem regulären Tarif. Beim 94.990 Euro teuren, integrierten Schwestermodell ML-I 570 sind es exakt 8.975 Euro Ersparnis.

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