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Carsharing by PSA: Zweiter Versuch

| Autor: Jens Rehberg

Kein Hersteller verdient mit Carsharing Geld. Das hat PSA in Berlin mit „Multicity“ eigentlich schon gelernt, trotzdem versuchen es die Franzosen jetzt mit „Free to move“ erneut. Kurioserweise mit Frankfurt in einer Stadt, die nach Expertenansicht eigentlich zu klein ist, um Carsharing profitabel betreiben zu können.

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Eine kleine Adam-Flotte teilt Rüsselsheim seit kurzem mit autolosen Kunden.
Eine kleine Adam-Flotte teilt Rüsselsheim seit kurzem mit autolosen Kunden.
(Bild: carsharing.free2move.com)

Heimlich, still und leise hat PSA in Frankfurt einen Carsharing-Service aufgemacht. Bislang ist die PSA-Mobilitätsmarke „Free to move“ in Deutschland über die gleichnamige App lediglich als Vermittler für andere Mobilitätsdienste aufgetreten. Jetzt bringt der Dienst ein eigenes Angebot in Frankfurt am Main an den Start. 20 Opel Adams sind seit Dezember über die Free-to-move-App in Frankfurt buchbar. Das Konzept ist eine Mischung aus „Free-Floating“ und stationsbasiertem Ansatz: In einem vergleichsweise überschaubaren Frankfurter Innenstadtbereich können die Fahrzeuge übernommen und abgestellt werden. Darüber hinaus gibt es feste Stellplätze in Rüsselsheim und am Frankfurter Flughafen.

Darüber sprechen will man in Rüsselsheim aber noch nicht. Details und Hintergründe zu der Initiative gibt es vorerst von Herstellerseite keine.

Warum es PSA nach einem ersten fehlgeschlagenen Versuch in Berlin jetzt in einer kleineren Stadt erneut mit Carsharing versucht, ist schwer nachvollziehbar. Denn kein Hersteller verdient bisher mit Carsharing Geld.

Zudem ist das entsprechende Marktsegment in der 750.000-Einwohner-Stadt schon gut besetzt. Platzhirsch ist „Book-n-drive“ mit über 1.000 Autos im Rhein-Main-Gebiet. Neben einem weiteren lokalen Player („Stadtmobil“) sind auch Daimler und BMW schon da: „Share Now“ unterhält eine 300-Einheiten-Flotte in der Mainmetropole. Nach Angaben der Stadt Frankfurt steht außerdem Volkswagen mit seinem für Kampfpreise bekannten Dienst „We share“ in den Startlöchern. Und auch Sixt wird mit seinem bereits vorhandenen Stationsnetz wohl irgendwann in Frankfurt zu kaum schlagbaren Preisen ab 9 Cent loslegen.

Die Free-to-move-Adams kosten derzeit 33 Cent pro Minute – 65 Euro am Tag. Dem Vernehmen nach sollen nach und nach weitere Konzernmodelle die neue Sharing-Flotte ergänzen.

2012 hatte PSA sich schon einmal auf dem Feld der neuen Mobilität versucht. Mit „Multicity“ verfolgte das Unternehmen in der Bundeshauptstadt ehrgeizige Pläne. Trotz positiver Zwischenfazits hatte der Dienst jedoch schon früh Schwierigkeiten, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Ursprünglich wollte das PSA-Fabrikat Citroën rund 500 Elektroautos zum Einsatz bringen – mehr als 350 C-Zero fuhren allerdings nie durch Berlin. Auch die 2016 erfolgte Verwässerung des ursprünglichen Konzepts, nur E-Autos einzusetzen, brachte den Service nicht auf Erfolgskurs. Die eingesetzten konventionell angetriebenen C1-Modelle führten nicht zum Durchbruch. Ende Oktober 2017 brach der Hersteller das Experiment ab.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«