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Chery: Wiederholen die Fehler anderer Hersteller nicht

Redakteur: Christoph Baeuchle

Unter den chinesischen Herstellern exportiert Chery Automobile die meisten Fahrzeuge. Nun macht sich der Hersteller auf in Richtung Europa. Vertriebschef Lorenz Glaab gibt Einblick in die Pläne.

Lorenz Glaab, Vertriebs- und Marketingchef Chery Automobile.
Lorenz Glaab, Vertriebs- und Marketingchef Chery Automobile.
(Bild: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

Redaktion: Herr Glaab, Chery Automobile sondiert den europäischen Markt, wie weit sind Sie?

Lorenz Glaab: Wir sind mit einigen Mitarbeitern bereits in Europa vertreten. Dazu gehören Design- und Technikexperten. Sie analysieren für uns den Markt, greifen Themen auf und tragen sie weiter. Wir sind noch nicht so weit, dass wir bereits morgen den Markteintritt wagen, aber wir sprechen auch nicht über die weit entfernte Zukunft.

Wann geht es also in Europa los?

In wenigen Jahren.

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In welchen Märkten haben Sie Vertriebschancen ausgemacht?

Das ergibt sich aus unseren Fahrzeugen: Wir sind in attraktiven Segmenten vertreten, richten den Fokus auf Connectivity und Telematik und haben einen Schwerpunkt bei neuen Energien. Unser Ziel sind die europäischen Kernmärkte.

Also Deutschland, Frankreich, Italien.

Ja, Benelux und Skandinavien sind auch noch interessant.

Warum gerade mit einem Kompakt-SUV?

Für den Markteintritt in Europa ist dies das perfekte Segment, nicht zuletzt weil es eines der größten Segmente ist.

Mit dem größten Wettbewerb.

Und den größten Chancen.

In welchen Marken sehen Sie die größten Wettbewerber für das Chery-Kompakt-SUV?

Dazu gehören natürlich in erster Linie die asiatischen Anbieter, nicht unbedingt Hyundai und Kia, eher Mazda und Subaru. Wir schauen uns aber auch Skoda und Seat genau an. Bei den beiden Themen New Energy und Konnektivität sehen wir eigentlich keine direkten Wettbewerber. Das ist für uns eine Chance.

Wo produzieren Sie die Fahrzeuge?

In China.

Spielt dann der Preis eine entscheidende Rolle beim Markteintritt?

Der Preis spielt natürlich eine Rolle, aber keine entscheidende. Wir wollen nicht die Fehler anderer chinesischer Hersteller wiederholen. Das haben wir aus der Vergangenheit gelernt. Wir rücken das Produkt in den Vordergrund, die bereits erwähnten Themen New Energy und Konnektivität nehmen eine zentrale Rolle ein. Für uns ist es entscheidend, dem Kunden ein attraktives Package zu bieten.

Wie wollen Sie die Fahrzeuge in Europa vertreiben?

Für eine konkrete Antwort ist es hier noch zu früh. Wir werden verschiedene Dinge ausprobieren. Für uns ist klar, dass wir weder einen rein traditionellen noch einen völlig disruptiven Vertrieb anstreben.

Das heißt?

Wir werden nicht nur online verkaufen oder ein Door-to-door-Geschäft anstreben.

Arbeiten Sie mit einem Importeur zusammen, oder übernehmen Sie den Europavertrieb selbst?

Wir führen bereits Gespräche mit Importeuren und großen Autohandelsgruppen. Diese setzen wir auf der IAA fort. Aber wir haben es nicht eilig und lassen uns nicht hetzen. Das Thema Vertrieb spielt für uns eine sehr wichtige Rolle.

Wenn Sie auch mit Händlern zusammenarbeiten wollen, können Sie uns bereits einen Ausblick auf Ihr geplantes Netz geben?

Dafür ist es noch zu früh. Es hängt ganz entscheidend von den jeweiligen Märkten ab.

Wollen Sie eher mit größeren Mehrmarkenhändlern oder eher mit kleinen Familienbetrieben zusammenarbeiten?

Wir schließen keine Händler aus, beide haben eine Berechtigung. Für uns sind drei Aspekte entscheidend: Die Händler müssen sich für die Marke begeistern, und sie müssen professionell arbeiten. Zudem ist für uns der Wille zu wachsen entscheidend.

Können Sie dies noch etwas näher erläutern?

In Europa müssen wir zunächst eine Marke aufbauen. Dafür brauchen wir die entsprechenden Ressourcen. Wir wollen nicht als weitere Marke in einen Showroom gestellt werden. Dafür haben wir zu große Pläne. Schauen Sie allein unser Chery-Exceed-Portfolio an, hier kommen noch drei bis vier weitere Modelle.

Der Vertrieb ist die eine Seite, der Service die andere. Gibt es hier bereits Pläne?

Der Service ist natürlich wichtig, er spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass die Kunden der Marke treu bleiben und sich für einen erneuten Kauf entscheiden. Aber wie wir hinsichtlich des Servicenetzes im Einzelnen entscheiden, haben wir noch nicht festgelegt.

In der Regel sind Kunden nicht bereit, weiter als 15 bis 20 Kilometer zum Service zu fahren.

Mit dem Exceed sprechen wir eine moderne und offene Zielgruppe an. Für sie ist die Distanz nicht unbedingt entscheidend, da sie offen sind für alternative Lösungen. So könnten wir beispielsweise einen Hol- und Bring-Service installieren.

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