CO2: Herstellern drohen Milliarden-Strafen

Autoexperte Thomas Göttle (PA Consulting) im Gespräch

| Autor: Christoph Baeuchle

Autoexperte Thomas Göttle, Head of Automotive und Mitglied der Geschäftsleitung bei PA Consulting.
Autoexperte Thomas Göttle, Head of Automotive und Mitglied der Geschäftsleitung bei PA Consulting. (Bild: Tratnik/PA Consulting)

Redaktion: Herr Göttle, während der Dieselabsatz sinkt, steigen die SUV-Verkäufe. Wie wirkt sich dies auf die CO2-Zielerreichung aus?

Thomas Göttle: Die Branche liefert ein geteiltes Bild. Einige Hersteller haben das Thema bislang eher stiefmütterlich behandelt, andere haben sich frühzeitig darauf eingestellt und den Hebel rechtzeitig umgelegt. Dazu gehören zum Beispiel der Autobauer Volvo, der sich schrittweise vom Verbrennungsmotor verabschiedet und seine Fahrzeuge schon ab 2019 mit Hybrid- und Elektromotor ausstatten, und Toyota. Die Japaner verkaufen heute schon mehr als 40 Prozent Hybridfahrzeuge und sind vom Diesel entsprechend unabhängig.

Es gibt aber auch die andere Seite, wie Ihre Studie zu den CO2-Emissionen zeigt. Welche Fabrikate haben Schwierigkeiten, die CO2-Ziele 2021 zu erreichen?

Für die deutschen Hersteller sieht es nicht so gut aus. VW ist in den vergangenen Jahren auf den SUV-Trend aufgesprungen, durch die sinkende Dieselnachfrage stehen die Wolfsburger als Volumenhersteller nun vor großen Problemen.

Und die Premiumhersteller?

BMW ist gut und früh gestartet, hat aber am schlechten Abschneiden des i3 kräftig zu knabbern. Jetzt haben sie sich mit dem i Next für ein weiteres Elektromodell entschieden. Einzig Daimler hat sich gut entwickelt und gerade noch zur rechten Zeit mit Hybridisierung und Elektrifizierung seiner Flotte reagiert. Sie fahren ab 2020 die Ernte ein.

Mit welchen Strafzahlungen rechnen Sie 2021?

Je nach Hersteller: Bei Volkswagen rechnen wir mit 4,5 Millionen verkauften Fahrzeugen und einer Strafe von 1,7 Milliarden Euro. Bei BMW dürften es bei 1,4 Millionen verkauften Autos knapp 600 Millionen Euro werden.

Und für die PSA-Gruppe?

Wir gehen davon aus, dass etwa 700 Millionen Euro fällig werden, wenn sie rund 2,5 Millionen Fahrzeuge verkaufen.

Bekommt die PSA-Gruppe den zweiten Teil der Rechnung für Opel, nachdem sie den Rüsselsheimer Hersteller relativ günstig bekommen hat?

PSA-Chef Carlos Tavares ist als Kostenkiller bekannt. Er wird sich die Motoren der beiden Hersteller genau anschauen und sie auf einer Plattform vereinheitlichen. Ich gehe davon aus, dass Opel künftig auf PSA-Motoren zurückgreift, da sie einen Tick besser sind.

Im vergangenen Jahr sah es für einige Fabrikate noch besser aus. Gehen Sie von weiteren Verschlechterungen aus?

Die Trends gehen weiter: Die Verschiebung vom Benziner zum Diesel wird auch in den kommenden Jahren stattfinden, und die Käufer entscheiden sich oft lieber für ein SUV. Dagegen hat sich die Elektromobilität bisher als Euphoriewelle erwiesen und konnte noch nicht Fuß fassen.

Was erwarten Sie also in den nächsten Jahren?

Mit dem großen Sprung rechne ich nicht vor 2020. Allerdings sehen wir in der Dekade von 2020 bis 2030 eine deutliche Verschiebung weg vom Verbrennungsmotor hin zu den alternativen Antrieben.

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