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Daimler will am Stammsitz mehr als jede fünfte Stelle streichen

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Dass Daimler ziemlich radikal sparen muss, ist bekannt. Wie viele Stellen insgesamt beim Autobauer auf der Kippe stehen ist aber noch unklar. Nun ist durchgesickert, dass am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim bis 2025 wohl rund 4.000 der insgesamt etwa 19.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

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Im Werk in Stuttgart-Untertürkheim arbeiten nach Daimler-Angaben rund 19.000 Beschäftigte.
Im Werk in Stuttgart-Untertürkheim arbeiten nach Daimler-Angaben rund 19.000 Beschäftigte.
(Bild: Daimler)

Der Autobauer Daimler will im Rahmen seines Sparkurses am Konzernstammsitz in Stuttgart-Untertürkheim nach Betriebsratsangaben bis zum Jahr 2025 rund 4.000 der insgesamt etwa 19.000 Stellen abbauen. Ein Papier mit diesem Inhalt wurde von den örtlichen Arbeitnehmervertretern unter den Beschäftigten verteilt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr. Zuvor hatten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet.

In dem Schreiben vom Standort-Betriebsratschef Michael Häberle heißt es unter anderem, der Konzern argumentiere, dass der Standort viel zu teuer sei, zudem würden hier angesiedelte Kompetenzen im Bereich konventioneller Antriebe angesichts der Transformation in Richtung E-Mobilität zunehmend an Bedeutung verlieren.

Konzernvertreter gingen nicht direkt auf die genannten Zahlen ein. Vorstandsmitglied Markus Schäfer sagte der dpa, dass Daimler generell an seiner Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müsse. „Untertürkheim ist ein Hochlohnstandort.“ Auch in der Übergangsphase von Verbrennungsmotoren hin zu CO2-freundlicheren Technologien müsse man die Rentabilität des Unternehmens sichern.

Die Corona-Krise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines sowieso geplanten Sparkurses. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. Weil weltweit Fabriken stillstanden, Autohäuser schließen mussten und auch viele andere Unternehmen nicht arbeiten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein.

Stellenabbau: Immer größere Zahlen machen die Runde

Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt betont, dass sein im Vorjahr vorgelegter Sparplan angesichts der Corona-Krise verschärft werden müsse. Dazu gehört auch ein signifikanter Stellenabbau. Eine konkrete Zahl hat Daimler bisher nicht genannt.

Kolportiert worden waren zunächst Größenordnungen von 10.000 bis 15.000 der weltweit rund 300.000 Stellen, die abgebaut werden sollten. Zuletzt hatten Berichte über 20.000 bis hin zu 30.000 Stellen die Runde gemacht.

Untertürkheim hat auch symbolischen Charakter

Das Werk in Untertürkheim hat aus Daimler-Sicht auch einen symbolischen Charakter. Historisch gewachsen steht hier das Leitwerk für Antriebstechnik – diesen Status behält der Standort nach den Bekundungen des Unternehmens auch künftig. „Untertürkheim soll in jedem Fall Leitwerk für Antriebstechnologie bei Mercedes-Benz bleiben“, sagte Vorstandsmitglied Schäfer.

Erst Ende vergangenen Jahres hatte Daimler nach einem langen Hin und Her bekanntgegeben, die Antriebe für seine Elektroautos künftig nicht mehr bei Zulieferern einzukaufen, sondern selbst bauen zu wollen – in Untertürkheim. Zugleich sollten auch Verbrennungsmotoren noch auf Jahre ihren Platz dort haben. Die Corona-Krise beschleunigt nun die Wandlung erheblich.

Eine wichtige Frage dabei ist, wie viel Geld der unter Druck geratene Konzern jetzt überhaupt noch in herkömmliche Antriebe stecken will. „Es soll keine weiteren Investitionen in konventionelle Antriebe mehr geben“, schrieb Standort-Betriebsratschef Häberle in seinem Rundbrief unter Verweis auf Pläne des Unternehmens für Untertürkheim. Schäfer dagegen sagte: „Es wird auch in Untertürkheim weiter Investitionen in konventionelle Antriebe geben.“ Allerdings werde der Anteil der Investitionen in CO2-neutrale Technologien „massiv steigen“. Die ganz große Transformation finde nun mal im Antriebsbereich statt – „das ist die Herkulesaufgabe, die wir zu stemmen haben“.

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