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Das bedeuten die neuen CO2-Grenzwerte

| Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Es ist soweit: 2020 gelten EU-weit neue CO2-Grenzwerte für Pkw. Sie dürften einen massiven Einfluss auf Angebot und Nachfrage nehmen. Eine Übersicht zur 95-Gramm-Regelung.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Wo liegt der Grenzwert?

Bislang durfte der Durchschnittsneuwagen in der EU 130 Gramm pro Kilometer ausstoßen. Ab sofort sind es nur noch 95 Gramm. Das entspricht 4,1 Litern Benzin oder 3,6 Litern Diesel. Streng genommen sind die 95 Gramm kein „Grenzwert“, sondern ein „Zielwert“. Auch im kommenden Jahr dürfen Autos mit höherem CO2-Ausstoß verkauft werden, die Hersteller müssen diesen dann aber durch Fahrzeuge mit niedrigeren Werten ausgleichen.

Gilt für alle Hersteller der gleiche Wert?

Nein. Für jeden Hersteller gibt es einen individuellen Zielwert, der sich vor allem am durchschnittlichen Gewicht der von ihm verkauften Fahrzeuge orientiert. Wer schwere Autos baut wie die meisten deutschen Marken, darf im Schnitt mehr als 95 Gramm ausstoßen. Wer kleine und leichte Autos baut, muss möglicherweise sogar noch niedrigere Werte erreichen. Grundlage für die Errechnung aller Emissionswerte ist übrigens der von den Herstellern angegebene Normverbrauch.

Wie genau berechnet sich der individuelle Herstellerwert?

Grundlage ist das durchschnittliche Gewicht der in einem Jahr verkauften Neuwagen eines Herstellers. Von diesem wird das Durchschnittsgewicht aller Neuwagen aus einem bestimmten Bezugszeitraum (zunächst sind das die Jahre 2016 bis 2018) abgezogen; aktuell liegt dieser Wert bei 1.379,88 Kilogramm. Das Ergebnis dieser Subtraktion wird mit einem Reduktionsfaktor multipliziert (derzeit 0,033) und dann zum Grammwert 95 addiert. Oder eben subtrahiert. Dann nämlich, wenn ein Hersteller 2020 besonders leichte Autos verkauft hat, so dass das Ergebnis der Subtraktion der Fahrzeuggewichte negativ ausfällt.

Die Berechnung wird über die Jahre angepasst, so gelten ab 2022 beispielsweise das Durchschnittsgewicht der Pkw-Neuzulassungen zwischen 2017 und 2019. Auch der Reduktionsfaktor kann an den technischen Fortschritt angepasst werden.

Gibt es Übergangsregeln?

Bei den vergangenen Grenzwert-Verschärfungen gab es häufig recht großzügige Schonfristen. Diesmal ist das etwas anders: Der Zielwert gilt 2020 zunächst für 95 Prozent aller Neuwagen, bereits 2021 werden jedoch 100 Prozent berücksichtigt. Beim 130-Gramm-Zielwert Anfang der 10er-Jahre gab es noch ein vierjähriges „Phasing-in“ in den Stufen 65, 75, 80 und 100 Prozent.

Wie hoch fallen die Strafen aus?

Hersteller, die die Zielwerte nicht erreichen, müssen Strafen zahlen. Einzelne Autofahrer werden nicht zur Kasse gebeten, könnten jedoch mittelfristig unter einer Umlegung der Kosten leiden. Die Höhe der Strafe beträgt 95 Euro pro Auto und Gramm Überschreitung. Die von der 130-Gramm-Grenze bekannte gestaffelte Höhe gibt es diesmal nicht. Das führt relativ schnell zu relativ hohen Strafen, die bei vielen Herstellern Milliardenhöhen erreichen könnten – jedes Jahr.

Mit welchen Mitteln können die Hersteller Strafen verhindern?

Ja. Die Hersteller können beispielsweise für den Einbau bestimmter Technologien bei der EU weitere Emissionskredite beantrage. Damit soll die verbrauchsmindernde Wirkung bestimmter Extras gewürdigt werden, die keinen Einfluss auf die Prüfstandswerte haben, etwa von LED-Licht. Die Gutschrift darf maximal 7 Gramm betragen, die Wirksamkeit der Technik ist nachzuweisen und wird unabhängig überprüft. Darüber hinaus können sich einzelne Hersteller untereinander zusammenschließen und sogenannte „Emissions-Gemeinschaften“ bilden. Der Zielwert gilt dann für die Flotte aller beteiligten Unternehmen. Wer beispielsweise einen Pool mit einem E-Auto-Hersteller bildet, kann die Emissionsanforderungen an seine eigenen Fahrzeuge somit massiv senken. Nicht zuletzt gibt es Sonderregelungen für Kleinhersteller mit 10.000 bis 300.000 Neuwagen pro Jahr – sie dürfen einen eigenen Zielwert beantragen.

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