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„Das E-Mobil ist das iPhone der Autoindustrie“

| Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Ein Systemwechsel in der Mobilität scheint immer wahrscheinlicher. Doch in welcher Ausprägung und zu welchen Kosten? Marktforscher, Verbände und Hochschulen wagen in ihren Analysen einen Ausblick.

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Das Elektroauto wird einen Systemwechsel in der Mobilität herbeiführen. Glaubt man den Analysten von Bain & Company, werden die Autofahrer dafür sogar liebgewonnene Produktattribute – wie etwa 800 Kilometer Reichweite pro Tankfüllung – als plötzlich nicht mehr so wichtig wahrnehmen. Insbesondere Besserverdiener würden sich ein Elektroauto nicht zuletzt deshalb zulegen, weil es schick ist. Außerdem prophezeien die Analysten, dass eine große Anzahl von Ladestationen fürs E-Mobil gar nicht so wichtg sei, weil die meisten Kunden zu Hause oder am Arbeitsplatz laden könnten.

»kfz-betrieb ONLINE« hat die Studien der Strategieberater von Bain & Company, der Marktforscher von TNS Infratest und Roland Berger sowie des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) sowie des Center für Automobilmanagement (CAMA) der Universität Duisburg Essen unter die Lupe genommen.

Die Bildergalerie zeigt zudem, welche Elektroautos man heute schon kaufen kann und welche in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 39 Bildern

Sieben Thesen zum E-Auto

Am zuversichtlichsten sind die Strategieberater von Bain & Company. Sie haben die künftige Entwicklung des Elektroantriebs in sieben Thesen zusammengefasst:

1. Spätestens in zehn Jahren ist das E-Auto ein Massenprodukt

2. Das E-Auto startet jetzt und heute als neues Lifestyle-Produkt

3. Das Elektroauto ist keine Produktvariante – es ist ein Systemwechsel

4. Das Elektroauto benötigt keine kostspielige Infrastruktur zum Erfolg

5. Die vorhandene E-Auto-Technologie ist bereits „gut genug“

6. Die Batteriekosten sind 2015 auf einem massentauglichen Niveau

7. Die Elektrifizierung der Autos ist zwingend und alternativlos

Vier Faktoren führen laut Bain zu einem Wachstumspotenzial für die Elektrifizierung des Antriebsstrangs noch in diesem Jahrzehnt:

1. Fallende Batteriekosten bei mittelfristig weiter steigenden Kraftstoffpreisen machen das E-Auto kostengünstiger als herkömmliche Fahrzeuge

2. Ballungszentren rund um den Globus wollen ihre lokalen Emissionen verringern

3. Die nationalen Regierungen versuchen ihre Klimaschutzziele zu erreichen und dabei gleichzeitig die heimische Industrie zu fördern

4. Die Automobilhersteller müssen den CO2-Ausstoß ihrer Flotten dramatisch senken und ihr Fahrzeugdesign früher oder später auf Elektroantriebe umstellen

Systemwechsel bei der Mobilität

Dabei habe das E-Mobil einen großen Vorteil: Für die Bain-Strategen wird das Elektroauto das iPhone der Automobilindustrie werden. Denn das iPhone sei ja auch nicht nur ein „neues“ Mobiltelefon gewesen, sondern ein gänzlich neues Produkt. Es habe seinen Kunden bis dato kaum vorstellbare Möglichkeiten mobiler Anwendungen eröffnet und damit einige Paradigmen der Telekommunikationsindustrie auf den Kopf gestellt. Ein solches Potenzial habe auch das Elektroauto.

Auf Seite 2 lesen Sie, warum die Reichweite für E-Autos nicht das entscheidende Kriterium sein soll.

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