Dello übernimmt Opel-Hansa in Lübeck
Überraschend kauft Dello doch noch die vier letzten Hansa-Betriebe im Osten Schleswig-Holsteins, die Ende Juli Insolvenz anmelden mussten. So können die Hamburger endlich in Lübeck loslegen.

Die Hamburger Autohandelsgruppe Dello hat Anfang der Woche überraschend das insolvente Autohaus Hansa (Opel, Fiat Service) mit vier Standorten in und um Lübeck gekauft. „Eine Übernahme fast ohne Vorbereitung“, kommentierte Dello-Geschäftsführer Michael Babick am Freitag den offenbar sehr kurzfristig zustande gekommenen Deal im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«. Damit sichert die Handelsgruppe den Fortbestand der vier Betriebe in Lübeck, Bad Schwartau, Bad Oldesloe und Eutin buchstäblich in letzter Minute. Ende Juli hatte das Autohaus Hansa Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.
Eigentlich plant Dello seit Jahren, mit einem eigenen Neubau in Lübeck Fuß zu fassen. Das 10.000 Quadratmeter große Grundstück ist gekauft. Allerdings gestaltet sich das Erteilen der Baugenehmigung langwieriger als ursprünglich erwartet. Nun hat Dello die Gelegenheit, den Markteintritt in die Region mit den übernommenen Hansa-Betrieben vorzuziehen. „Wir können schon jetzt etwas tun“, äußerte sich Babick erfreut. Jetzt gelte es, nach der jahrelangen Unsicherheit um die ehemals zur Kittner-Gruppe gehörenden Betriebe bei den Kunden wieder Vertrauen zu schaffen und die alte Hansa-Bestandskundschaft zu mobilisieren.
Die vier Standorte werden nun komplett in die Hamburger Autohandelsgruppe integriert und firmieren auch ab sofort unter dem Namen „Dello“. Niederlassungsleiter für den Lübecker Raum wird Michael Matuschek. Ihm stellt Michael Babick noch einen Teamleiter zur Seite.
Zur künftigen Standort- und Markenstrategie in und um Lübeck kann Michael Babick noch nicht allzu viel sagen. „Vieles ist denkbar“. So zum Beispiel könnten die vier neuen Filialen weitere Marken aus dem Dello-Portfolio wie Ford, Honda oder Toyota vertreten, während der noch zu bauende Standort Opel und Chevrolet repräsentiert. Starten sollen die neu hinzugekommenen Betriebe jedenfalls vorerst mit den beiden GM-Fabrikaten – dafür will Dello Dreiviertel der 96 Beschäftigten übernehmen. Zudem soll das Gebrauchtwagengeschäft durch den Anschluss an die Dello-GW-Marke „Automega“ reaktiviert werden. Gerade auf diesem Feld hatte es den Hansa-Betrieben zuletzt dringend an Bestand gemangelt.
Opel-Hansa war eine der letzten Autohausgruppen der Handelsgruppe Kittner. Die Banken, die seit Ende 2009 bei Kittner das Sagen haben, versuchten mehrere Jahre lang, die Autohausgruppe Stück für Stück zu sanieren und zu verkaufen. 2011 zählte die Gruppe noch 20 Betriebe mit rund 760 Mitarbeitern. Vier Jahre zuvor hatte Kittner an 42 Standorten noch über 1.200 Beschäftigte gehabt. 2004 hatte Kittner dem Possehl-Konzern die Auto Hansa GmbH mit 15 Standorten abgekauft und damit sein Volkswagen/Porsche-Portfolio um die Marken Opel, BMW, Mini, MG, Rover, Jaguar und Land Rover erweitert.
Die Hamburger Autohandelsgruppe Dello betreibt eigenen Angaben zufolge mit derzeit fast 900 Mitarbeitern 35 Standorte im norddeutschen Raum für die Marken Opel, Chevrolet, Toyota, Ford, Citroën und Honda. Das Unternehmen verkaufte im vergangenen Jahr rund 26.000 Neu- und Gebrauchtwagen und erzielte dabei einen Gesamtumsatz von rund 400 Millionen Euro.
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