Neuzulassungen Der Gewerbemarkt steht vor dem Kipppunkt

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Die gewerblichen Neuzulassungen boomen ungebrochen, auf dem Privatmarkt sieht es dagegen düster aus. Wie sich die Kundenströme im Neuwagenmarkt entwickeln und was künftig zu erwarten ist, zeigt eine Analyse der Marktforschung Dataforce.

Der Neuwagenmarkt ist im Januar zwar gewachsen, der Privatmarkt kann allerdings mit der Entwicklung nicht Schritt halten.(Bild:  Schreiner – VCG)
Der Neuwagenmarkt ist im Januar zwar gewachsen, der Privatmarkt kann allerdings mit der Entwicklung nicht Schritt halten.
(Bild: Schreiner – VCG)

Der Neuwagenmarkt hat im neuen Jahr gleich einen weiteren Rekordstand erreicht – allerdings nur bei den gewerblichen Zulassungen. Wie die Marktforschung Dataforce analysiert, haben die Firmen- und Flottenkunden im Januar so viele Fahrzeuge auf die Straßen gebracht wie noch nie zum Jahresstart. Konkret wurden über diesen Kanal 73.754 Neuwagen zugelassen – das waren 21 Prozent mehr als im Januar des Vorjahres. Damit zehrt dieser Absatzkanal weiterhin vom noch immer nicht ganz abgearbeiteten Auftragspolster. Aus Sicht von Dataforce dürfte das Polster allerdings bald aufgebraucht sein.

Das sind keine guten Aussichten für das Neuwagengeschäft, da der Privatmarkt weiter zurückfällt. Zwar kletterten im Januar auch in diesem Absatzkanal die Zulassungszahlen um 10 Prozent auf 62.400 Einheiten. Doch damit bleibt das Zulassungsvolumen deutlich hinter dem Gewerbekundenmarkt zurück – und das Absatzplus ist deutlich schwächer als im Gesamtmarkt (+19,1 %). Unter dem Strich entfielen nur noch 29 Prozent aller Neuzulassungen im vergangenen Monat auf private Käufer.

Die übliche Folge eines schwachen Privatgeschäfts zeigt sich inzwischen deutlich in der Zulassungsanalyse: Die taktischen Zulassungen des Handels und der Hersteller steigen. Diese beiden „Vertriebskanäle“ verzeichneten im Januar folglich ein rasantes Wachstum von rund 40 Prozent. Die Hersteller brachten 16.800 Einheiten in den Markt, der Handel knapp 39.400 Einheiten. Damit ist eine Normalisierung des Marktes zumindest in einem Punkt erreicht: Die Eigenzulassungen sind wieder Teil des Vertriebsspiels. Sie machen zusammengenommen 26 Prozent der Neuzulassungen aus. „Damit nähert sich der Markt den Bedingungen bis 2019 an, als 28 Prozent der Neuwagen als Tageszulassungen oder Mitarbeitenden-Fahrzeuge der Hersteller in den Markt kamen“, heißt es in der Dataforce-Analyse.

Keine besonderen Impulse kamen zum Jahresstart von den Autovermietern. Sixt, Avis, Hertz und Co brachten im Januar mit 21.200 Einheiten quasi exakt so viele Neuwagen auf die Straßen wie im Vorjahresmonat.

Unter dem Strich kommt der deutsche Neuwagenmarkt damit auf 213.500 Einheiten – eigentlich ein guter Wert, der die vergangenen drei Jahre toppt. Mit diesem Volumen liegt der Markt auf dem Niveau der Jahre 2015 und 2016, als im Gesamtjahr 3,15 Millionen Einheiten erreicht wurden. Allerdings gibt der seit vielen Monaten anhaltend schwache Auftragseingang wenig Grund zur Hoffnung, dass diese Werte im Jahresverlauf tatsächlich erreicht werden.

Transportermarkt im Seitwärtsgang

Verhaltener war die Entwicklung zuletzt im Transportermarkt. In dieser Sonderauswertung betrachtet Dataforce die Zulassungszahlen der leichten Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities. Für sie reichte es im Januar nur zu einem minimalen Wachstum von 2 Prozent. Immerhin kletterten die Neuzulassungen im Flottenmarkt um 8 Prozent und auch der Privatmarkt erreichte nach dem 6-prozentigen Rückgang im letzten Jahr nun wieder ein minimales Plus (+1 %).

Prozentual sehr große Rückgänge (jeweils 23 %) verzeichneten die Zulassungen von Herstellern und Vermietern. Dagegen blieben die Eigenzulassungen des Handels bei 5.440 Einheiten fast stabil (-1 %). Absolut sind die Rückgänge aber deutlich kleiner als der Zuwachs im Flottenmarkt. Weiterhin schleppend läuft die Elektrifizierung der Transporter. Zwar stieg die Zahl der erstzugelassenen E-Modelle um 57 Prozent. Mit knapp 1.800 Einheiten sind aber gerade einmal 5 Prozent der Neuzulassungen elektrifiziert. Anders als bei den Pkw gibt es keine breit angelegten Rabattprogramme für die Stromer. Ohne staatliche Förderung wird es noch lange dauern, bis zweistellige Anteile erreicht werden.

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