Dekra Verkehrssicherheitsreport Der Straßenraum als Arbeitsplatz und Hochrisikobereich

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 3 min Lesedauer

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Mit dem 19. Verkehrssicherheitsreport beleuchtet die Prüforganisation den Straßenverkehr als Arbeitsplatz mit hohem Unfallpotenzial. Auch Mitarbeiter von Kfz-Betrieben, die defekte oder verunfallte Fahrzeuge bergen und transportieren, sind auf diesem Arbeitsplatz tätig.

Der Dekra Verkehrssicherheitsreport 2026 trägt den Titel „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ und beschäftigt sich mit den Risiken im Straßenraum.(Bild:  Dekra)
Der Dekra Verkehrssicherheitsreport 2026 trägt den Titel „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ und beschäftigt sich mit den Risiken im Straßenraum.
(Bild: Dekra)

„Es gilt unbedingt, genauer hinzuschauen, die Ursachen zu analysieren und herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sich Unfälle vermeiden oder zumindest in ihren Folgen mindern lassen“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH, bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsreports 2026. Titel: „Arbeitsplatz Straßenverkehr“.

Berufskraftfahrer, Bauarbeiter, Polizisten, Feuerwehrleute, Mitarbeiter von Rettungsdiensten und des Technischen Hilfswerks, ebenso Autohaus- und Werkstattmitarbeiter, die defekte oder verunfallte Fahrzeuge bergen und transportieren – sie alle stellen sich den Herausforderungen, die mit dem „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ verbunden sind. Und immer wieder erleiden sie bei Verkehrsunfällen schwere oder gar tödliche Verletzungen.

Ursächlich sind Einflüsse, die sich nur schwer kalkulieren lassen. Jann Fehlauer: „Ungünstige Witterungsbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen, technische Störungen oder das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender können jederzeit unvorhersehbare kritische Situationen zur Folge haben.“ Hinzu kämen Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten, monotone Fahrsituationen, fehlende Erholungsphasen und hohe Leistungsanforderungen, die zu Stress und Ermüdung führen.

Als weiteren Risikofaktor im Straßenraum hat die Prüforganisation die hohe Komplexität moderner Verkehrssysteme identifiziert. Digitalisierung und Vernetzung würden die Arbeitsprozesse grundlegend verändern. Navigationssysteme, digitale Auftragssteuerung und automatisierte Fahrfunktionen würden zwar viele Aufgaben erleichtern, jedoch auch zu neuen Anforderungen führen. Beschäftigte müssten gleichzeitig mehrere Informationsquellen verarbeiten und Entscheidungen treffen, während sie ihre Aufmerksamkeit auf den Verkehr richteten. Ablenkung durch technische Geräte würde zu den großen Herausforderungen moderner Verkehrssicherheit gehören, so Dekra.

Die begrenzte Sichtbarkeit des tatsächlichen Risikos sei dabei ein grundlegendes Problem. Nur wenn das tatsächliche Ausmaß der Risiken sichtbar werde, könnte man langfristig wirksame Maßnahmen entwickeln, gab Jann Fehlauer zu bedenken.

Für den nun vorliegenden Verkehrssicherheitsreport 2026 führte die Prüforganisation Fahrversuche und Crashtests durch, um herauszufinden, wie Fahrzeuge, Assistenzsysteme und Sicherungseinrichtungen in Notsituationen tatsächlich reagieren. Beispielsweise ein Crash-Vergleich zur Absicherung von Arbeitsstellen im Straßenverkehr mit und ohne energieabsorbierende Systeme sowie Tests zur Detektions- und Reaktionsfähigkeit moderner Notbremsassistenz-Systeme gegenüber mobilen Absperrtafeln.

Interessante Ergebnisse hätte zudem eine Umfrage unter Berufskraftfahrern zur Parkplatzsituation und zur Sicherheitslage auf Raststätten in Deutschland und anderen europäischen Staaten erbracht. Demnach müssten fast zwei Drittel der Befragten regelmäßig an gefährlichen Orten parken, um die Ruhezeiten einzuhalten. Mehr als die Hälfte würde auf der Suche nach einem Parkplatz regelmäßig mehr als 20 zusätzliche Kilometer zurücklegen.

Fokussierung auf technische Lösungen reicht nicht aus

Der „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ als Hochrisikobereich könne laut Dekra-Geschäftsführer nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr würde es sich um ein Zusammenspiel aus Infrastruktur, Technik, Organisation und persönlichem Verhalten im Straßenverkehr handeln. Wörtlich: „Die reine Fokussierung auf technische Lösungen reicht nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen oder menschliche Faktoren unberücksichtigt bleiben.“ Aus Sicht von Jann Fehlauer ist die umfassende Betrachtung des Straßenverkehrs als Arbeitsplatz nicht nur für den Arbeitsschutz von Bedeutung, sondern insbesondere auch für die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft insgesamt.

Resultierend stellt die Prüforganisation zehn Forderungen für mehr Verkehrssicherheit auf:

  • konsequenter Schutz von Arbeitsstellen im Straßenraum
  • vollständige und differenzierte Erfassung arbeitsbezogener Verkehrsunfälle
  • nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Transportwesen
  • systematische Reduktion der Risiken bei Einsatzfahrten
  • konsequente Überwachung der Vorschriften zur Ladungssicherung
  • Einhaltung und Weiterentwicklung der Gefahrgutvorschriften
  • strenge Kontrolle und Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten
  • Ausbau sicherer, beleuchteter und überwachter Lkw-Parkplätze
  • verbindliche Einführung von Gesundheitsförderprogrammen für Berufskraftfahrer
  • hochautomatisiertes Fahren nur unter klar definierten Sicherheitsbedingungen

Der Dekra Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ steht im Internet unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung.

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