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Die Oldtimer-Forensikerin

| Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Christoph Seyerlein

Gundula Tutt päppelt Oldtimer wieder auf, ohne ihre historische Substanz zu übertünchen. Liebhabern von Krimi-Serien wie CSI dürften einige ihrer Methoden bekannt vorkommen.

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Der Oldtimermarkt wächst heutzutage stetig weiter an. Reparatur und Restaurierung historischer Fahrzeuge werden deswegen immer wichtiger.
Der Oldtimermarkt wächst heutzutage stetig weiter an. Reparatur und Restaurierung historischer Fahrzeuge werden deswegen immer wichtiger.
(Foto: Pressinform)

Jedes Fahrzeug ist für Gundula Tutt ein neuer, spannender Fall. Unter den Lackschichten der historischen Karosserien verbergen sich oft interessante Geheimnisse, denen sie auf den Grund gehen will. Kein Wunder also, dass das Büro der Diplom-Restauratorin auch in jedem Forensik-Krimi als Kulisse dienen könnte. Ein Mikroskop steht auf einem schlichten Tisch und die Regale dahinter sind vollgepackt mit Ordnern und jeder Menge Reagenzgläsern.

„Fast 600“, schmunzelt die Oldtimer-Restauratorin. Die Gläser sind die Datenbank, unerlässlich für die Arbeit der Frau mit den wachen Augen hinter den runden Brillengläsern. In den meisten Behältern befinden sich Lackreste alter Autos, aber auch Spuren von Polsterungen oder Reste von Lederbezügen. Dieses Wissen, diese Erfahrung, hilft Gundula Tutt dabei, alte Lacke und Cockpits wiederherzustellen und vor allem Fälschungen zu erkennen.

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Der Job der promovierten Restauratorin ist es, Oldtimer-Lack aufzupäppeln und die wertvollen Automobile für die Zukunft zu konservieren. Wer jetzt ein „wie neu“ lackiertes und blank poliertes Fahrzeug erwartet, wird bitter enttäuscht. Patina ist „in“. Der Zahn der Zeit hat an dem Lack genagt und das sollen die Bewunderer des Oldtimers auch sehen dürfen. Die rollenden Preziosen sollen nicht mehr aussehen wie aus dem Ei gepellt. Es geht um Erhaltung und Konservierung der historischen Farbsubstanz und natürlich auch des Bleches darunter. Wenn der Lack aufplatzt, dann könnte das Metall zu rosten anfangen. Ein Albtraum für jeden, der für seinen Wunschtraum mehrere Hunderttausend Euro hinlegt.

Die feine Arbeit erfordert viel Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Durchhaltevermögen. Das war schon im Studium gefragt, als Tutt stundenlang mit sicherer Hand die Farbschichten von alten Bildern entfernte, um den Gemälde auf den Grund zu gehen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Um diese Arbeit zu machen, ist eine gewisse Demut und Einfühlungsvermögen nötig, man muss Ideen eines anderen, nämlich des ursprünglichen Herstellers und Handwerkers, annehmen und quasi in seine Intentionen eintauchen“, erklärt die Restauratorin.

Handwerkliche Begabung ist vonnöten

Neben dieser empathischen Komponente sind handfeste wissenschaftliche und handwerkliche Fertigkeiten nötig. Mit der Infrarotspektroskopie, einem Teilgebiet der Spektroskopie, das die Wechselwirkung elektromagnetischer Strahlung aus dem infraroten Spektralbereich untersucht, wird der Farbcode des Autos entschlüsselt. Diese Methodik, die auch in der Kunstgeschichte bei der Restauration alter Gemälde angewendet wird, half Tutt auch bei der Analyse von Farbproben eines Egger-Lohner C2 Porsche, Baujahr 1898, der im Porsche-Museum in Stuttgart steht.

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