Drei Konzepte, wie Kunden künftig mit ihren Autos Geld verdienen könnten

Hersteller rechnen mit zum Teil hohen Einnahmen für Kunden

| Autor: Christoph Baeuchle

(Bild: gemeinfrei / CC0)

Beim Kauf eines Autos geht der Blick immer auf den Preis. Hersteller werben mit niedrigen Kosten – beim Kauf und bei der Nutzung. Das könnte sich bald ändern. Zwar wird der Neuwagen nicht gleich zur renditestarken Kapitalanlage – wie so mancher Oldtimer. Doch glaubt man den Visionen mancher Hersteller, so können Kunden mit ihren Fahrzeugen künftig den einen oder anderen Euro verdienen.

So testet derzeit Jaguar Land Rover die „Smart Wallet“-Technologie im irischen Shannon: Die mit zahlreichen Sensoren ausgestatteten Fahrzeuge sammeln Daten über den Verkehr, den Straßenzustand, das Wetter. Gibt der Fahrer die Daten frei, sodass Dienstleister und Verkehrsbehörden sie nutzen können, zahlt sich das aus: als Gutschrift in seinem „Smart Wallet“.

So manchen Kaffee, Maut- oder Parkplatzgebühren kann der Jaguar-Fahrer also künftig mit Kryptowährung bezahlen. Weitere Kosten sollen bei der gemeinsam mit der Iota-Foundation entwickelten Lösung für den Kunden nicht anfallen.

Russell Vickers, Software-Experte bei Jaguar Land Rover, ist schon einen Schritt weiter: „Künftig fahren autonome Fahrzeuge selbst zur Ladestation, laden die Batterie und zahlen.“ Beteilige sich der Besitzer an der Sharing Economy, könne er dabei noch verdienen, in dem er nützliche Daten teile.

Tesla-Kunden sollen Autos für Robotertaxiflotte bereitstellen können

Wie so oft geht Tesla-Chef Elon Musk mit seinen Visionen noch einen Schritt weiter. Medienberichten zufolge schilderte Musk jüngst im Rahmen einer Investorenkonferenz seine Vorstellungen der nahen automobilen Zukunft: Nach seiner Einschätzung ist bereits im nächsten Jahr eine große Robotertaxiflotte von Tesla möglich. Falls die Behörden grünes Licht geben.

Das geht wie folgt: Grundlage ist der seit Anfang April in allen Teslas verbaute Fahrcomputer – bei älteren Modellen mit Erstzulassung vor Oktober 2016 will der E-Autobauer eine Nachrüstung ermöglichen. Stellt der Besitzer seinen Tesla für die geplanter Roboterflotte bereit, lässt sich kräftig verdienen: nicht nur für Tesla, auch für den Besitzer.

Denn laut Musk könne der Besitzer im Schnitt um die 30.000 Dollar im Jahr erwirtschaften. Nach Einschätzung des Visionärs liegt der wirtschaftliche Wert eines Teslas dank der verbesserten Akku-Leistung – Musk spricht von rund 1,6 Millionen Kilometern – bei etwa 300.000 Dollar. Konservativ gerechnet. Glaubt man der Rechnung des Visionärs, ist es ein feines Geschäft. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Tesla für weniger als 40.000 Dollar zu haben ist.

Elektroautobatterie als Energiespeicher

Da dürfte die Rendite etwas geringer ausfallen, wenn man sein Elektroauto ins Stromnetz integriert. Vor allem japanische Hersteller wie Nissan, Toyota, Mitsubishi und Honda sowie wissenschaftliche Einrichtungen und Netzbetreiber testen, wie Batterien von Elektroautos zur Stabilität des Stromnetzes beitragen können. Vehicle-to-Grid, kurz V2G, lautet das Schlagwort. Der Ansatz ist einfach: Die Batterie eines E-Autos dient als Energiespeicher und -quelle, sobald das Fahrzeug an die Ladesäule angeschlossen ist. Überschüssige Energie aus dem Stromnetz nimmt die Batterie auf, bei Bedarf speist sie diese wieder ein. Ziel ist ein stabiles Stromnetz. Das lassen sich die Betreiber etwas kosten.

Nissan gehört zu den Vorreitern des Angebots. Mit dem japanischen Ladestandard Chademo lässt sich ein Leaf bereits bidirektional einsetzen. Den Nutzen testet der Hersteller gemeinsam mit The Mobility House (TMH) und dem Hagener Energieversorger Enervie seit Herbst 2018. „Wir haben mit dem Fahrzeug eine Woche lang acht Kilowatt Leistung angeboten und damit 20 Euro verdient“, resümierte TMH-Geschäftsführer Marcus Fendt. „Bei 50 Wochen wären es 1.000 Euro“, rechnet Fendt vor. Damit dürfte die benötigte Jahresstrommenge, die ein E-Auto verfährt, mehr als gedeckt sein.

Für Nissan-Sprecher Alexander Sellei ist das erst der Anfang. Im Rahmen der Energiewende spielt die dezentrale Energieversorgung eine entscheidende Rolle. Er geht davon aus, dass bidirektionales Laden zu einem Standard wird. Damit lässt sich künftig also Geld im Schlaf verdienen, wenn auch keine Unsummen.

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