Drei Viertel der Deutschen ist das eigene Auto wichtig

Autor: Christoph Seyerlein

Geht es um die Mobilität der Zukunft, schreibt so mancher Branchenbeobachter die Lust am eigenen Auto bereits ab. Derzeit kann davon aber keine Rede sein. Jüngere Leute sehen im eigenen Fahrzeug nicht zwangsläufig ein Auslaufmodell, wie eine Studie zeigt.

Firmen zum Thema

Auch bei jüngeren Leuten ist das eigene Auto längst noch nicht abgeschrieben.
Auch bei jüngeren Leuten ist das eigene Auto längst noch nicht abgeschrieben.
(Bild: Daimler)

Ist der Besitz eines Autos schon bald ein Auslaufmodell? Mit dieser Frage hat sich das Center of Automotive Management (CAM) im Auftrag der BNP Paribas Cardif Deutschland auseinandergesetzt. 1.002 Menschen hierzulande haben die Forscher befragt. Die Ergebnisse sind vielschichtig.

Klar ist: Aktuell hat das eigene Auto für eine deutliche Mehrheit einen hohen Stellenwert. Mit 73 Prozent gaben fast drei Viertel der Befragten an, dass der private Pkw für ihre derzeitige Mobilitätssituation wichtig oder sehr wichtig ist. Um einen Blick in die Zukunft wagen zu können, führte das CAM eine eigene Kategorie für jüngere Leute unter 25 Jahren ein. Von jenen Befragten gaben deutlich weniger Studienteilnehmer an (55 %), dass ein eigenes Auto für sie von hoher Bedeutung ist. Jüngeren Stadtbewohnern war das Privatfahrzeug sogar nur zu 36 Prozent wichtig oder sehr wichtig. Allerdings lässt sich der Studie nicht entnehmen, wie viele Befragte in jene Kategorie fielen und wer davon tatsächlich ein eigenes Auto besaß.

Das CAM hat zudem festgestellt, dass jüngere Leute immer seltener dazu bereit sind, für ein eigenes Auto auf andere Dinge wie eine Urlaubsreise oder eine größere Wohnung zu verzichten. Immerhin 42 Prozent der unter 25-Jährigen gaben in der aktuellen Umfrage an, einen Verzicht zugunsten eines Autos auszuschließen. Im Jahr 2010 hatte dieser Wert noch bei lediglich 29 Prozent gelegen.

Studienleiter Stefan Bratzel sieht die Branche deshalb vor einem Paradigmenwechsel: „Ein großer Teil der Generation Z hat praktisch keine emotionale Bindung zum Auto mehr. Für sie ist das Auto kein Statusobjekt, sondern allenfalls ein Gebrauchsgut. Die Tendenz einer Ent-Emotionalisierung des Pkw-Besitzes in der jungen Generation hat sich damit in den letzten Jahren signifikant beschleunigt.“

Gleichzeitig hat Bratzel festgestellt, dass jene Werte nicht zwangsläufig als Indiz dafür gewertet werden können, dass alternative Mobilitätsangebote dem eigenen Auto in naher Zukunft den Rang ablaufen werden. Zwar stünden junge Menschen solchen Möglichkeiten „viel aufgeschlossener“ gegenüber als ältere. Mobilitätsdienste müssten sich aber im Vergleich zum Auto an Parametern wie Flexibilität, niedrige Kosten, sicheres Ankommen und Zeitersparnis messen lassen.

Alternativen setzen sich nur durch, wenn die Politik das will

Attraktiv wäre für junge Menschen Bratzel zufolge vor allem eine „umfassende Mobilitäts-Flatrate“, die sowohl den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), Carsharing als auch Robotaxis umfasst. Der Studie zufolge ist rund die Hälfte der unter 25-Jährigen der Ansicht, dass ein solches Angebot ein eigenes Auto ersetzen könnte.

Entscheidend für einen grundlegenden Mobilitätswandel ist dem CAM zufolge neben der Dynamik in Technologiebereichen wie autonomes Fahren, E-Mobilität und Digitalisierung, vor allem aber die politische Steuerung und Regulation. Nur wenn die Politik den Individualverkehr bewusst unattraktiver mache, haben alternative Mobilitätskonzepte aus Sicht der Studie eine echte Chance zum Durchbruch.

(ID:45262289)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility