Politik E-Fuels: Gut auch für Oldtimer?

Von Steffen Dominsky

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Bei seiner letzten Sitzung hat sich der „Parlamentskreis Automobiles Kulturgut“ intensiv mit alternativen Kraftstoffen auseinandergesetzt. Dabei ist ihre Bedeutung und Verwendung in klassischen Fahrzeugen nicht nur hierzulande ein Thema.

Auch in der Schweiz geht man der Frage nach, ob sich E-Fuels für Oldtimer eignen – hier im Rahmen einer Untersuchung der Material- und Technologieforschungsanstalt Empa in Zusammenarbeit mit der Amag-Gruppe.
Auch in der Schweiz geht man der Frage nach, ob sich E-Fuels für Oldtimer eignen – hier im Rahmen einer Untersuchung der Material- und Technologieforschungsanstalt Empa in Zusammenarbeit mit der Amag-Gruppe.
(Bild: AMAG)

Auch wenn sich die Bundesregierung und zahlreiche Politiker in Sachen E-Fuels und deren mögliche Verwendung in mehr als 48 Millionen Pkw hierzulande taub stellen: Einige unserer Volksvertreter beschäftigen sich intensiv mit dieser Sorte alternativer Kraftstoffe. Beispielsweise die, die dem Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) angehören. In ihrer letzten Sitzung vom 21. Juni widmete sich die Berliner Zusammenkunft diesem überaus aktuellen Thema. Dabei ging es verständlicherweise vorrangig um die Verwendung dieser Kraftstoffe in Oldtimern. Benjamin Cuyt von P1 Fuels stellte dem Parlamentskreis sein Unternehmen vor und ging auf den Unterschied zwischen synthetischen Kraftstoffen und E-Fuels ein.

Denn während Erstere unter anderem aus Pflanzen gewonnen werden – die bzw. deren Flächen damit nicht für die Ernährung, oder als Biosphärenreservat zur Verfügung stehen (Stichwort Regenwald) –, werden Letztere ausschließlich aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt. Im Idealfall ist ihre Gewinnung zu 100 Prozent regenerativ. Benjamin Cuyt betonte, dass sein Unternehmen bereits über die Entwicklungs- und Experimentierphase hinaus sei. In Belgien wird der Kraftstoff bereits zu 100 Prozent CO2-neutral und fossilfrei im kleinindustriellen Rahmen produziert.

Parlamentskreis Automobiles Kulturgut

Hierzulande vertritt die Interessen für die automobile Kultur unter anderem der fraktionsübergreifende Parlamentskreis Automobiles Kulturgut im Deutschen Bundestag (PAK). Unter dem Motto „Agieren statt reagieren“ treffen sich regelmäßig rund 70 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Medien, Verbänden und der Oldtimerszene, um sich gegenseitig auszutauschen, Problematiken im Bereich Oldtimer frühzeitig zu erörtern und Lösungen zu suchen. Maßgebliches Ziel ist es, historische Fahrzeuge als Kulturgut auf unseren Straßen weiterhin erlebbar zu halten.

Das im Herstellungsprozess benötigte CO2 wird aus der Luft gezogen, sodass während der Produktion und des Kraftstoffeinsatzes kein neues CO2 freigesetzt wird. Daher verwendet P1 stets „carbon-neutral Fuels“ für die Bezeichnung seines Kraftstoffs. Der kommt bereits im internationalen Motorsport im Einsatz, z. B. in der FIA World Rallye Championship. Das Ziel von P1 und anderen Anbietern ist es, bis 2035 ein großflächiges Netz an Tankstellen aufzubauen und E-Fuels für den allgemeinen Straßenverkehrsalltag verfügbar zu machen. Auch bei einer der regelmäßigen PAK-Ausfahrten kam der P1-Treibstoff bereits in einigen historischen Fahrzeugen zum Einsatz. Das Ergebnis: Es waren keinerlei technische Anpassungen an den Fahrzeugen erforderlich, und es konnte kein Unterschied zu fossilen Kraftstoffen festgestellt werden.

Auch Weltverband befasst sich mit E-Fuels

Johann König, Sébastian Berthebaud und Bert Pronk arbeiten in der Arbeitsgruppe „E-Fuel“ der „Legislation Commission“ des Oldtimerweltverbands FIVA zusammen. Sie präsentierten dem Parlamentskreis die deutschen, französischen und niederländischen Einsatzperspektiven von E-Fuels in historischen Fahrzeugen. Sie berichteten unter anderem, dass im Zuge der FIVA-Oldtimerstudie 2020/2021 das Thema „alternative Kraftstoffe“ bereits zu 24 Prozent als eines der zentralen künftigen Themenfelder erkannt wurde. In Frankreich, so berichtete Sébastian Berthebaud, plant man gerade, E-Fuels an vier historischen Fahrzeugen einzusetzen. Damit wolle man erfolgreich die problemlose Verwendung moderner synthetischer Kraftstoffe in Oldtimern belegen. Der Test erfolgt mit dem E-Fuel von Aramco, die größte Erdölfördergesellschaft in Saudi Arabien. Auch der Bosch Classic Service unterstützt das Projekt. Bert Pronk berichtete hingegen von umfassenden Erfahrungen eines niederländischen Praxistests mit „Ecomaxx“-Kraftstoff auf Rallyes und im Oldtimeralltag. Dabei legten Fahrzeuge mehr als 10.000 Kilometer ohne jedes Problem zurück.

E-Fuels: gleichwertig bzw. besser als fossile Kraftstoffe

Auch was die Haltbarkeit betrifft, stehen synthetische Kraftstoffe ihren fossilen Pendants in nichts nach – im Gegenteil. Sie liege tendenziell eher über der bekannter Kraftstoffe, wie Carsten Müller, MdB und Vorsitzender des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut, auf Nachfrage erfuhr. Momentan sind E-Fuels noch deutlich teurer als konventionelles Benzin bzw. Diesel – beispielsweise kann Ecomaxx aktuell lediglich in 20-Liter-Kanistern zu einem Preis von drei bis vier Euro pro Liter bezogen werden. Ein Verkaufspreis in etwa der Höhe gegenwärtiger Treibstoffe wäre aber möglich, so Benjamin Cuyt, wenn der Staat synthetische Kraftstoffe nicht genauso hoch besteuern würde wie fossile Kraftstoffe.

Deutsche für E-Fuels

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat kürzlich die Einstellung der Bevölkerung in Deutschland auch zu synthetischen Kraftstoffen abgefragt. Laut den repräsentativen Ergebnissen halten 58 Prozent das geplante EU-Neuzulassungsverbot für Benziner und Diesel ab 2035 für falsch. Zudem zeigen sich die Deutschen mehrheitlich technologieoffen und positiv gegenüber E-Fuels bzw. CO2-neutralen Kraftstoffen. 89 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Bundesregierung im Straßenverkehr alle technischen Lösungen beim Erreichen der Klimaziele in gleicher Weise unterstützen und nicht ausschließlich die Elektromobilität fördern sollte.

Ein weiterer Vorteil von E-Fuels ist zudem, dass sie bestimmte Inhaltsstoffe konventioneller Kraftstoffe gar nicht enthalten, bzw. die Möglichkeit besteht diese wegzulassen, oder sehr deutlich zu reduzieren. So wird etwa der Schwefelanteil im Produktionsprozess bei P1 auf einen Wert nahe Null gebracht, was sich positiv auf den Verbrennungsprozess und den Schadstoffausstoß auswirkt. Ob jedoch E-Fuels künftig im großen Stil zum Einsatz kommen können, hängt einzig und allein vom politischen Willen ab, so der Tenor innerhalb der PAK-Sitzung. Aktuelle Entscheidungen wie das „Verbrennerverbot 2035“ unterbinden Innovation und die CO2-Neutralität für fast zwei Milliarden Verbrennermotoren im Bestand weltweit und stehen aktuell leider nicht im Fokus, lautete das ernüchternde Ergebnis dieses Tagesordnungspunkts des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut. Ein Umstand, mit dem auch der deutsche Oldtimerdachverband Deuvet alles andere als zufrieden ist. Er hatte kürzlich einen eigenen Beirat für E-Fuels ins Leben gerufen. 

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