Suchen

Elektro-Vorreiter sehen Erfolg der E-Mobilität plötzlich skeptisch

| Autor: Svenja Gelowicz

Günther Schuh steht eigentlich als Vordenker der Elektromobilität, sein Unternehmen E-Go Mobile baut günstige E-Kleinwagen. Nun sagt er: Die Kunden wollen keine Elektroautos. Das habe einige Gründe. Ähnlich äußerte sich ein BMW-Vorstand.

Firma zum Thema

E-Auto-Pionier Günther Schuh glaubt nicht, dass Elektroautos die breite Masse erobern.
E-Auto-Pionier Günther Schuh glaubt nicht, dass Elektroautos die breite Masse erobern.
(Bild: E.Go Mobile)

Günther Schuh, Gründer der E-Auto-Firma E-Go Mobile und Professor an der RWTH Aachen, findet die derzeitige Diskussion um die Elektromobilität nicht wissenschaftlich fundiert genug. Das sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (10. Juli). Beispielsweise sei nicht haltbar, dass die Batterie bald viel billiger sein werde und damit den E-Autos zum Durchbruch verhelfe. „Die ganze Autoindustrie richtet sich darauf aus. Dabei sind wir gerade mal so weit, dass nicht mehr behauptet wird, man könne morgen mit einem Elektroauto zum selben Preis genauso weit und schnell fahren wie mit einem Verbrenner.“ Geht es nach Schuh, wird das nie der Fall sein.

Denn die Leistungsdichte zwischen der Feststoffbatterie und dem Diesel sei rein physikalisch zu unterschiedlich. „Wo ich heute einen 50-Liter-Dieseltank herum karre, müsste ich selbst bei einem besseren Wirkungsgrad immer noch eine mehr als 700 Kilo schwere Batterie in einem Elektroauto haben“, sagte Schuh gegenüber dem Blatt. Und das sei nicht stimmig, weder ökologisch noch ökonomisch.

Laut dem E-Auto-Experten koste es einen Massenhersteller in der Fertigung mindestens das Doppelte, ein Auto mit denselben Mitteln wie bisher zu elektrifizieren. Das drücke die Marge immens. Er sagt: Quersubventionieren funktioniert auch nicht, wenn man bis zur Hälfte aller Fahrzeuge elektrisch antreiben möchte. „Dafür reichen die Margen selbst im Premiumsegment nicht aus.“

Es ist dieser Tage nicht der einzige irritierende Einwand gegen die Elektromobilität, die vonseiten der Vorreiter dieser Technik kommt. Auf dem Next-Gen-Forum in München hatte BMW-Vorstand Klaus Fröhlich jüngst die Zukunftsfähigkeit des E-Antriebs in Frage gestellt. Es mangele einfach an der Nachfrage. „Es gibt keine Kundenanfragen für BEVs. Keine “, hatte der Entwicklungsvorstand laut dem Magazin „Forbes“ geäußert. Wenn überhaupt werde sich in Europa der Hybrid durchsetzen.

Fröhlich zeigte sich überzeugt, dass europäische Kunden nicht bereit seien, das Risiko eines Elektrofahrzeugs einzugehen, weil die Infrastruktur nicht vorhanden ist, und über den Wiederverkaufswert noch Unsicherheiten bestünden.

Dem Kunden ist die E-Mobilität zu teuer, glaubt Schuh

Ähnlich schätzt Schuh die Lage ein: Der Hype um die E-Mobilität spiegele nicht das Käuferverhalten wieder. „Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen der öffentlichen Diskussion über Mobilität und der Entscheidungsfindung derjenigen, die Neuwagen kaufen“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Manager. Der Kunde wolle keine E-Autos: „Die Masse wird nicht einfach mehr für einen gefühlten Weniger-Nutzen bezahlen.“ Gemeinsam müsste man nun der Kundschaft erklären, dass alle etwas zur Mobilitätswende beitragen müssten, und zwar zuallererst denjenigen, die nicht auf den Preis schauen müssen. Außerdem brauche es einen Staat, „der die Einführungskosten ein bisschen glättet“. Auch bei seinem eigenen ersten marktreifen Produkt, ein E-Kleinwagen für 12.000 Euro, sei er nicht sicher, ob 150 Kilometer Reichweite für die Kunden genug sind. Gerade arbeiteten die Aachener 3.000 Vorbestellungen ab und kümmerten sich um den Produktionsanlauf.

galleryid=8289

Der 60 Jahre alte Unternehmer arbeitet mit seiner E-Auto-Firma auch mit VW zusammen. Als erster externer Partner will E-Go Mobile den E-Baukasten von VW nutzen, um Elektroautos auf den Markt zu bringen, die das Volkswagen-Programm ergänzen. „VW lässt uns Sachen ausprobieren“, sagt Schuh, doch das sei eine Einladung, da „steht auf der Rückseite schon wieder die Ausladung drauf“. VW locke ihn, ein Auto für die Wolfsburger zu bauen, doch die Branche achte immer auf Skalierbarkeit und stabile Prozesse – und seien daher „nicht wahnsinnig innovativ“: „Wenn sie genug von uns gelernt haben, schmeißen sie mich wieder raus.“

Schuh: Der Porsche Hybrid ist für Vielfahrer das logischste Auto

Privat fährt Günther Schuh einen Porsche Hybrid. Er findet: Das Auto sei das logischste und sinnvollste Fahrzeug, dass man aktuell als Vielfahrer haben könnte. Die Ökobilanz eines Teslas sei deutlich schlechter, zu 54 Prozent seiner Fahrzeiten sei er rein elektrisch unterwegs. Ob er sein eigenes Produkt jenseits des Stadtverkehrs künftig mal nutzen wird, bleibt wohl abzuwarten.

(ID:46022127)

Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin