Ersatzteile: Der Preis ist oft das kleinste Problem

Autor: Steffen Dominsky

Immer wieder liest und hört man von „überteuerten“ Ersatzteilpreisen. Doch das bekannte Motto „Früher war alles besser“ greift nicht wirklich, allein schon wegen des Internets. Schlimmer sind Hersteller, die sich um die Teileversorgung älterer Modelle schlicht nicht kümmern.

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Youngtimer verschrotten, weil Ersatzteile zu teuer sind? So groß ist die Verzweiflung selten. Oft wäre sie auch unnötig.
Youngtimer verschrotten, weil Ersatzteile zu teuer sind? So groß ist die Verzweiflung selten. Oft wäre sie auch unnötig.
(Bild: „Auto Bild“)

„Reparaturstau nervt Oldtimerfans“ titelte unlängst die große deutsche Medienmarke „Spiegel“. Worum es in dem Online-Beitrag ging? Unter anderem um einen Youngtimer-Fan. Der Brandenburger beklagte die Unterhaltskosten seines Audi V8: „Das sind teils schon brutale Preise“. Und auch „Auto Bild“ monierte in einer „Youngtimerkaufberatung“ kürzlich im Fall Porsche 911 die hohen Ersatzteil- sowie Werkstattstundenpreise.

Die Kritik an den Preisen ist allerdings überzogen. Warum sollte ein klassisches Premiumfahrzeug leichter zu unterhalten sein als ein Neufahrzeug aus der Teuer-Liga? Dass für Ersatzteile dieser Modelle und Marken generell andere Preise aufgerufen werden als für Autos von VW oder Renault, ist alles andere als überraschend. Und gerade weil das so ist, glänzt das Gros solcher Typen nach 20 oder 30 Jahren auch mit einem mehr oder minder großen Reparaturstau.

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Ein altes bzw. historisches Auto zu fahren, hat mit Überzeugung zu tun – nicht mit Geld sparen. Und wer dennoch einen klassischen Wagen sein Eigen nennen will: Selbst bei Audi gibt es Modelle, für die ein Satz Bremsscheiben und -beläge keine 1.500 Euro kostet. Aber so etwas in der heutigen Zeit mit ihren mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten, allen voran dem Internet, im Vorhinein in Erfahrung zu bringen: Kann man das?

Früher war alles schlechter

Die Klassikausgabe bereits genannter Automobilzeitschrift titelte im vergangenen Jahr zudem „Diese Youngtimer sind kaum zu reparieren“. Auch hier ergoss sich ein Schwall an Vorwürfen über sämtliche Hersteller. Zwar nicht primär über deren Kaufleute, die Ersatzteile für Young- und Oldtimer exorbitant teuer gestalten, wohl aber über die Entwickler und Techniker, die bei modernen Fahrzeugen eben auch moderne Produktionstechniken und Werkstoffe einsetzen bzw. eingesetzt haben. Da wird über defekt gehende Elektronik und fortschrittliche Bleche bzw. deren Fügeverfahren schwadroniert. Es ereilt einen der Verdacht: „Gejammert wird irgendwie immer!“

Was haben vor allem die Eigner von Autos aus den Siebzigern einst oder immer noch zu leiden? Rost soweit das Auge reicht – egal bei welcher Marke. Von der sonstigen Produktqualität mal ganz schweigen. Wie es um diese vor Jahrzehnten bestellt war, zeigt ein „kurzer“ Mängelauszug aus einem Langzeittest von „Auto Motor Sport“ im Fall eines BMW. Was hier nach wenigen Tausend Kilometer bereits alles im Eimer war! Liebe Leute, lasst Euch gesagt sein: Früher war die Technik unserer Autos klar einfacher in der Handhabung, aber auch um vieles schlechter als heute, selbst bei Premiummarken. Das offenbarte auch ein sehr schöner Beitrag kürzlich in „Oldtimermarkt“. Was da im Rahmen der „goldenen Zitrone“ des ADAC alles so zum Vorschein kam, schlägt gerade nach heutigen Maßstäben jedem Ölfass den Boden aus.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group