Ersatzteile: Der Preis ist oft das kleinste Problem

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Nur wenige Hersteller kümmern sich aktiv um Ersatzteile

Doch von derartigen Problemen bleiben Eigner eines Young- bzw. Oldtimers aus den Achtzigern verschont. Tage-, wochen- oder gar monatelange Schweißorgien kennen sie nur vom Hörensagen. Stattdessen müssen sie sich mit nicht mehr lieferbaren Zierleisten oder abplatzenden Softtouch-Lacken im Innenraum herumärgern – da möchte mancher Eigner eines Fabrikats, das in den Sechzigern bereits in Konkurs ging, nur allzu gerne tauschen.

Klar ist das Thema Ersatzteilverfügbarkeit und -preise ein wichtiges Thema, wenn es um den Erhalt rollenden Kulturguts geht. Und ja, bei den deutschen OEMs kümmern sich gerade mal BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen aktiv um Ersatzteile, verscherbeln nicht nur irgendwelche Reste, sondern legen Teile auch neu auf. Während Opel immerhin einen organisierten Teileausverkauf betreibt, sieht es bei Ford ganz finster aus. Fast genauso ist die Situation bei sämtlichen ausländischen Fabrikaten, mit Ausnahme von Jaguar/Land-Rover: Hier heißt es in aller Regel am Teiletresen: „Ersatzlos entfallen“.

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Gerade dank Internet viel mehr Möglichkeiten als früher

Dennoch ist die Situation heute bzw. auch im Fall jüngerer Oldtimer eine ganz andere, sprich vielfach einfachere, als im Fall „älterer“ Oldtimer bzw. im Vergleich zu früher. Das fängt damit an, dass es inzwischen ein Internet gibt. Wer vor 30 und mehr Jahren Oldtimerteile suchte, konnte dies bestenfalls mithilfe einiger weniger Ersatzteilmärkte bzw. monatlich erscheinender „Special-Interest“-Zeitschriften tun. Vor gut 20 Jahren kamen sogenannte Flohmarktmagazine auf den Markt. Sie erschienen schon mal 14-tägig und boten die Gelegenheit, vor allem regional nach Fahrzeugen bzw. Ersatzteilen Ausschau zu halten.

Seit 15 bis 20 Jahren gibt es das Internet. Plötzlich kann man nicht nur in (s)einem Land nach benötigtem Altauto-Equipment suchen. Nein, die ganze Welt steht einem offen. Wer Ersatzteile für einen Fiat sucht, schaut in Italien, wer welche für einen Volvo benötigt, sieht in Schweden vorbei – elektronisch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Hinzu kamen entsprechende Plattformen wie Ebay. Einfach Suchbegriff eingeben und siehe da: Irgendwo auf der Welt gibt es das gesuchte Teil. Und wer keine Lust auf Suchen hat, der braucht bloß „Google Alarm“ einrichten. Dann bekommt er in Windeseile mitgeteilt, wenn irgendwo im www z. B. der gesuchte Satz Kolben auf einer Plattform angeboten wird. Auch gibt es mittlerweile spezielle Oldimerersatzteil-Plattformen. Auch wenn nicht jedes dieses „Start-ups“ bislang von Erfolg gekrönt war – siehe „Bjooli“: Sie machen die Ersatzteilsuche heute viel leichter. Mit Angeboten wie dem „Teilescout“ unterstützt z. B. Retromotion Kfz-Betriebe bei der Suche bzw. Jagd nach der benötigten Komponente.

Die moderne Technik: ein Segen

Auch das viel beweinte Thema „Elektronik“ stellt in vielen Fällen heute kein Problem dar. Eine erkleckliche Zahl an Spezialisten wie z. B. Glaubitz (ecu.de) setzen heute auch Steuergeräte und anderes von Young- und Oldtimern instand und bauten sogar ganze Steuergeräte nach, wenn diese vom Hersteller bzw. Zulieferer nicht mehr lieferbar sind. Gerade hier begehen viele Zeitgenossen einen Denkfehler: Sie betrachten die Probleme von morgen mit den Lösungsmöglichkeiten von heute. Allein wenn man sich das Thema Diagnose ansieht: Vor 20 Jahren war ein Diagnosetester so groß wie eine Schrankwand und kostete 15.000 oder 20.000 DM. Heute bietet ein Dongle für 15 Euro in Verbindung mit einem Taschen-PC, genannt Smartphone, zu einem Bruchteil des Preises ein Vielfaches an Leistung. Wer will ernsthaft behaupten, dass es in fünf oder zehn Jahren nicht universelle Steuergeräte geben wird. Ob es dann ein ABS- oder Motorsteuergerät sein soll, entscheidet der Kunden mithilfe einer entsprechenden App, die er auf das Universalteil kurzerhand aufspielt.

Ja und dann – Stichwort technischer Fortschritt – gibt es dank 3-D-Druck bzw. den sogenannten „additiven Verfahren“ heutzutage Möglichkeiten, Ersatzteile für Oldtimer nachzufertigen, von denen konnten unsere Väter nur träumen. Selbst komplexe Gebilde und Strukturen lassen sich heute nachdrucken. Und das nicht nur in Plastik, nein auch in fast jedem benötigten Metall. Selbst vermeintlich einfache Dinge wie ein Türscharnier können im 3-D-Verfahren nachgefertigt werden – die zwei Zehntel Luft für den Scharnierbolzen inklusive! Auch thermisch hoch belastete Komponenten wie einen ganzen Zylinderkopf oder Motorblock können Sie als Einzelstück rekonstruieren. Sie können sogar konstruktive Verbesserungen einfließen lassen, die verhindern, dass eine seinerzeit mangelhafte Konstruktion immer wieder in die Brüche geht. Spezialisten wie JP3D-Tec-Vision machen hier vieles möglich, was bis vor Kurzem noch als unmöglich galt.

Es ist also keineswegs nur eine Ansichtssache à la „Glas halb leer oder halb voll“. Das Thema Erhalt eines alten Kraftfahrzeugs und seine Überführung hin zum historisch wertvollen Kulturgut ist heute deutlich leichter als früher. Klar gibt es in der Praxis immer wieder Herausforderungen. Doch mit denen wächst der Mensch ja bekanntlich – oder nicht?

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group