Erste Tankstellen bieten R33-Diesel an

Diesel aus Pflanzenöl und Speisefett

| Autor: Thomas Günnel

Nach sechs Jahren Entwicklung gibt es ihn zu kaufen: den Diesel „R33“, der zu 33 Prozent aus biologischen Komponenten besteht.
Nach sechs Jahren Entwicklung gibt es ihn zu kaufen: den Diesel „R33“, der zu 33 Prozent aus biologischen Komponenten besteht. (Bild: Volkswagen)

„Der riecht wie eine Frittenbude!“ – Wer schon einmal hinter einem Lkw hergefahren ist, der mit sogenanntem Biodiesel unterwegs war, kennt die Aussage. Die angesprochene Frittenbude kann aber Lieferant eines wichtigen Basisstoffes sein: Speisefett.

Seit wenigen Wochen bieten zwei Tankstellen des Mineralölhändlers Edi in Deutschland den „R33“ genannten Diesel an. Er besteht zu 33 Prozent aus biologischen Komponenten, zum Beispiel gebrauchtem Speisefett, und zu 67 Prozent aus herkömmlichem Diesel. In der Rötelstraße in Neckarsulm und im Industriegebiet Öhringen nahe Heilbronn kann man das Gemisch nun tanken.

Das Drittel aus biologischen Stoffen setzt sich laut der Hochschule Coburg aus 26 Prozent hydriertem Pflanzenöl und sieben Prozent Altspeiseölmethylester zusammen. Das Speisefett wird dazu gefiltert, gereinigt und zu einem Paraffingemisch oder Biodiesel verarbeitet. Die Hochschule forscht bereits seit dem Jahr 2013 im Projekt „Diesel R33“ am gleichnamigen Kraftstoff. Erste Flottenversuche fanden bereits im Jahr 2015 statt, unter anderem mit Stadtbussen.

R33: Teurer, aber umweltschonender

Seit 2018 testete Volkswagen das Gemisch an einer Werkstankstelle in Wolfsburg, Bosch und das Chemieunternehmen Brenntag erprobten den Kraftstoff ebenfalls in ihren Flotten. Der Sprit erfüllt die Dieselnorm EN 590 und ist damit für alle Dieselfahrzeuge zugelassen. Um mindestens 20 Prozent soll er den CO2-Ausstoß laut Shell verringern, verglichen mit herkömmlichem Dieselkraftstoff. Der Umweltschutz hat jedoch auch hier seinen Preis: Mit Stand 4. Dezember kostet der Liter R33 rund 1,56 Euro.

Neben der Straße soll sich der Kraftstoff auch auf der Schiene bewähren: Die Deutsche Bahn testet seit diesem Jahr den Diesel in ihrem „Advanced Train Lab“, einem Versuchszug für neue Technologien. Die ersten Ergebnisse der Versuchsfahrten sollen im Jahr 2020 vorliegen, einsetzen könnte die Bahn den Kraftstoff vor allem auf Regionalstrecken, die häufig nicht elektrifiziert sind.

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