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Europäischer Pkw-Markt weiter deutlich im Minus

| Autor: Andreas Wehner

Der Autoabsatz in Europa war auch im Mai mit minus 52,3 Prozent deutlich rückläufig. Doch die Lockerungen in der Corona-Krise waren bereits spürbar. Das macht Hoffnung auf eine weitere Abschwächung des Rückgangs. Und auch der Blick nach China gibt Zuversicht.

(Bild: Wehner / »kfz-betrieb«)

Der europäische Pkw-Markt war auch im Mai deutlich rückläufig – auch wenn sich die Lockerungen in vielen Ländern in der Corona-Krise bemerkbar machten. In der Europäischen Union wurden nach Angaben des Herstellerverbands Acea im vergangenen Monat 581.161 Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Minus von 52,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im April hatte der Rückgang noch 76,3 Prozent betragen.

Rechnet man die sogenannten Efta-Staaten Island, Norwegen und Schweiz sowie das kürzlich aus der EU ausgetretene Vereinigte Königreich dazu, belief sich der Rückgang im Mai auf 56,8 Prozent. Die stärksten Rückgänge verzeichneten die Länder mit den härtesten Eindämmungsmaßnahmen: In Großbritannien, Irland und Spanien sanken die Neuzulassungen jeweils um 70 Prozent und mehr. In den wichtigen Märkten Deutschland, Frankreich und Italien lag der Rückgang mit jeweils etwa 50 Prozent knapp unter dem Durchschnittswert.

Experte rechnet für das Gesamtjahr mit einem Minus von 25 Prozent

Peter Fuß, Autoexperte bei der Unternehmensberatung EY, erwartet, dass sich diese leicht positive Tendenz fortsetzen wird. „In den meisten Ländern Europas wurden die Beschränkungen im Mai gelockert, das öffentliche Leben kommt nun langsam wieder in Gang. Diese Lockerungen spiegeln sich auch in den Neuzulassungen wider“, sagte Fuß. Für den Juni rechnet er noch mit einem Minus von etwa einem Drittel.

Im bisherigen Jahresverlauf ist der EU-Pkw-Markt bislang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent rückläufig. Sollte es weiterhin gelingen, die Ausbreitung des Virus erfolgreich einzudämmen und die gefürchtete zweite Welle zu verhindern, rechnet Fuß für das Gesamtjahr mit einem Minus von 25 Prozent. Zudem erwartet er längerfristige Auswirkungen der Corona-Krise. „Eine hohe Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und sinkende Unternehmensgewinne werden sich noch lange auf den Neuwagenmarkt auswirken. Die Krise ist also noch lange nicht vorbei.“

Viele Märkte im Minus, aber Lichtblicke aus China

Auch außerhalb Europas gab es im Mai teils massive Absatzverluste, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch mitteilte. So sind in den USA die Light-Vehicle-Verkäufe (Pkw und Light Trucks) im vergangenen Monat um knapp 30 Prozent auf 1,1 Millionen Neufahrzeuge zurückgegangen. Mit 174.400 verkauften Einheiten gab der Pkw-Absatz in Japan im Mai um nahezu die Hälfte (-47 Prozent) nach. Das war die geringste monatliche Absatzzahl seit neun Jahren. In Brasilien wurden im Mai 56.700 Light Vehicles abgesetzt, das sind rund drei Viertel weniger als ein Jahr zuvor.

Dagegen zeigte der chinesische Pkw-Markt erstmals seit langem wieder eine positive Entwicklung. Mit 1,6 Millionen abgesetzten Neufahrzeugen stieg das Marktvolumen dort im vergangenen Monat laut VDA um 6 Prozent. Viele Anti-Corona-Maßnahmen wurden dort wieder aufgehoben. Nationale und lokale Unterstützungsmaßnahmen zur Marktbelebung sorgen derzeit zudem für steigende Kaufbereitschaft.

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Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«