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Europas letztes Wildpferd

| Autor / Redakteur: sp-x / Jakob Schreiner

Was der Mustang für die USA war, war der Ford Capri für Europa: Ein Sportwagen für alle. 1987 verließ das letzte Fastback-Coupé das Kölner Werk.

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(Bild: Ford)

Er war der europäische Mustang. Vor drei Jahrzehnten endete der Verkauf des furiosen Fastback-Coupés, das mit unendlich langer und unendlich maskuliner Motorhaube die Männerwelt begeisterte. Das letzte Exemplar verließ 1987 die Kölner Werkshallen, wo der Kult-Sportwagen 20 Jahre lang gebaut wurde.

Vielleicht ahnten Fachpresse und Fans damals schon, dass Ford bis heute kein vergleichbares Auto lancieren würde. Schließlich war der Capri Europas erstes bezahlbares Sportgerät, dessen unwiderstehliche Silhouette mit muskulöser Motorhaube und knackig-kurzem Heck fast zwei Millionen Käuferherzen entflammte. Ein familientaugliches, viersitziges Fastback, das sich den Ford Mustang zum Vorbild nahm. Wie bei diesem war die Technik nicht die neueste. Dafür waren die hintere Starrachse mit Blattfedern und der raue V4 billig. So kostete der Capri 1300 im Startjahr 1969 gerade einmal 6.993 Mark – gut ein Drittel weniger als ein Opel GT 1100 und kaum mehr als das winzige Fiat 850 Coupé.

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Gewiss, mit 37 kW/50 PS konnte der nur 133 km/h flotte Ford dem Fiat nicht folgen, aber dieser Knauser-Capri demonstrierte, dass ein Auto nicht wirklich rasant sein muss, damit sich sein Fahrer schnell fühlt. Andererseits ließ sich der Capri zum 2300 GT und später zum RS 2600 mit 150-PS-Einspritz-V6 und 200-km/h-Fahrwerk aufrüsten. Ultimativen Nervenkitzel für die Straße garantierte dagegen die aufgeladene V6-Fahrmaschine des Ingenieurs Michael May, die Ford-Händler wie die Schwabengarage auslieferten. Statt serienmäßiger 125 PS aus 2,6 Liter Hubraum entfachte der 14.000 Mark teure Turbo-Capri 207 Pferdestärken, was der damaligen Leistungsausbeute der deutschen Version des Ford Mustang Mach 1 entsprach.

Kassenschlager Capri

Über eine Million Capri konnte Ford bis 1974 verkaufen – ein Ergebnis, das die optimistischsten Prognosen übertraf und Konkurrenten wie den Opel Manta oder den VW Scirocco nachwachsen ließ. Entsprechend groß war die Herausforderung für den 1974 eingeführten Capri II, die das Ponycar dank praktischer Heckklappe und durch Bewahrung alter Tugenden bravourös löste. So arbeiteten unter der langen Schnauze des Bestsellers nicht nur kräftige 3,0-Liter-V6, sondern als Basis einmal mehr schwachbrüstige 1,3-Liter-Vierzylinder. Ein Trick, der die Preisliste unter die 10.000-Mark-Marke drückte.

Über 70 Prozent Zuwachs bei den Zulassungszahlen konnte Ford im ersten Halbjahr 1975 vermelden, dazu im Mai 1975 beachtliche 17,5 Prozent Marktanteil und damit die Position des zweitgrößten deutschen Herstellers vor Opel. Auch heute sind alle Capri wieder heiß begehrt – haben doch die meisten der coolen Karren den Härtetest vor Dorfdiscos oder englischen Jugendclubs nicht überlebt.

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