FIVA: Elektrifizierte Oldtimer sind keine historischen Fahrzeuge

Nicht nur Optik darf/muss zeitgenössisch sein

| Autor: Steffen Dominsky

Die nachträgliche Elektrifizierung von Klassikern sieht der Oldtimerweltverband kritisch.
Die nachträgliche Elektrifizierung von Klassikern sieht der Oldtimerweltverband kritisch. (Bild: classic-ecars.)

Langsam aber sicher kommt die E-Mobilität ins Rollen. Und das bezieht sich keineswegs nur auf aktuell produzierte Modelle. Auch Oldtimer werden von spezialisierten Firmen immer öfter elektrifiziert. Mit der Frage, ob das aus fahrzeughistorischer Sicht zulässig ist beziehungsweise was ein solches Fahrzeug nach einem solchen Umbau ist, hat sich jetzt die Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA = Internationaler Verband historischer Fahrzeuge) auseinander gesetzt.

Einiges spreche durchaus für solch einen Umbau, so die FIVA. So ist es auf diese Weise möglich, das klassische Erscheinungsbild eines Fahrzeugs beizubehalten und gleichzeitig moderne Umweltstandards zu erfüllen. Darüber hinaus ist es sogar möglich, die die Fahrleistung zu erhöhen. Einige Umbaufirmen haben sogar von den jeweiligen Typgenehmigungs-/Zertifizierungsbehörden die Erlaubnis erhalten, die ursprüngliche Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN/FIN) des Fahrzeugs beizubehalten.

Verstößt gegen FIVA-Statuten

Doch auch wenn der Weltverband die Motivation einiger Eigentümer, ihre Fahrzeuge zu elektrifizieren, anerkennt, könne er jedoch weder Besitzern noch Aufsichtsbehörden die Verwendung moderner EV-Komponenten (Motoren und Batterien) als Ersatz des bisherigen Antriebsstrangs an einem Oldtimer empfehlen. So entspreche die Umrüstung von den ursprünglichen Verbrennungsmotoren auf elektrische Antriebe nicht der FIVA-Definition eines historischen Fahrzeugs. Dieser Schritt unterstütze auch nicht das Ziel, historische Fahrzeuge und die damit verbundene Kultur zu bewahren. Nach Ansicht der FIVA sind derart umgerüstete Fahrzeuge keine historischen mehr, es sei denn, es handelt sich um einen zeitlich begrenzten Umbau.

Laut FIVA-Statuten handelt es sich bei einem historischen Fahrzeug um ein mechanisch angetriebenes Straßenfahrzeug, das:

  • mindestens 30 Jahre alt ist,
  • gut erhalten und in einem historisch korrekten Zustand bewahrt,
  • nicht als Transportmittel für den täglichen Gebrauch verwendet wird,
  • Teil unseres technischen und kulturellen Erbes ist.

„Unserer Meinung nach ist es nicht die Form oder der Karosseriestil eines Fahrzeugs, die beziehungsweise der es historisch macht. Vielmehr sind es Art und Weise, wie das gesamte Fahrzeug im Original konstruiert und hergestellt wurde“, erklärt Tiddo Bresters, Vizepräsident der FIVA. „Wenn sich jemand für eine E-Umrüstung eines historischen Fahrzeugs entscheidet, empfiehlt die FIVA nachdrücklich, dass alle Änderungen rückgängig gemacht werden können und sämtliche Originalkomponenten gekennzeichnet und sicher aufbewahrt werden sollen. Auf diese Weise kann das Fahrzeug – falls dies in Zukunft gewünscht wird – in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden und erneut zu einem historischen Fahrzeug werden“.

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