Ford 12M: 50 Jahre rauer Charme

Autor / Redakteur: sp-x / Thomas Günnel

Oldtimer-Freuden müssen kein Privileg wohlhabender Bürger sein. Der langlebige Ford 12M mit seinen gut 50 Jahren auf dem Buckel eignet sich gut als preiswertes Einstiegsfahrzeug.

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Der langlebige Ford 12M ist mit über 50 Jahren auf dem Buckel ein sympathischer Hingucker.
Der langlebige Ford 12M ist mit über 50 Jahren auf dem Buckel ein sympathischer Hingucker.
(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Das Angebot an bezahlbaren Oldtimern ist groß, viele sind sogar deutlich älter als für das steuerbegünstigte H-Kennzeichen nötig. Ein Beispiel ist der Ford 12M. Ein ehrliches Auto mit sympathischer Patina. Kein auf Hochglanz restauriertes Objekt – muss es aber auch nicht sein. Der Kölner, der ursprünglich einmal als Ford Cardinal in den Vereinigten Staaten hätte verkauft werden sollen, kam im Jahr 1962 auf Deutschlands Straßen und brachte es mit rund 600.000 Einheiten zu einem ansehnlichen Erfolg.

Mit einer Länge von 4,25 Meter gehörte der Wagen damals zu den properen Erscheinungen. Heute wirkt er gefühlt sogar etwas zierlicher, als er eigentlich ist, und der Modellschriftzug „12M“ suggeriert irgendwie Kompaktklasse oder sogar Kleinwagen, weil im Hinterkopf immer noch „20M“ schwirrt, was mehr nach dem mittleren Segment klingt – dabei ist der 12M strenggenommen der legitime Taunus-, Sierra- und eben auch Mondeo-Vorgänger.

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So schlicht und bodenständig der P4 dasteht, so der Name der Baureihe, so ausgefallen geht es unter dem Blech zu – zumindest aus heutiger Sicht. Statt eines profanen Reihenvierzylinders musste ein V-Motor mit hängenden Ventilen sowie Ausgleichswelle herhalten. Entsprechend knurrig werkelt der Benziner, was man ihm nach über einem halben Jahrhundert längst nicht mehr übelnimmt. Ein geschulter Blick unter die Motorhaube verrät dem Kenner die Leistungsstufe: Sind die beiden Ventildeckel grün angestrichen, muss der Fahrer mit 29 kW/40 PS auskommen – damit handelt es sich um die Basisausgabe.

Und weil der Fronttriebler – übrigens ein für die Zeit reichlich exotisches Merkmal – deutlich unter einer Tonne wiegt, geht es nicht ganz so asthmatisch zu, wie man vielleicht denken könnte. Schließlich war ein Volkswagen Polo Anfang der Achtziger auch nicht stärker, wenngleich er etwas weniger Gewicht schleppen musste. Das Spitzenmodell mit 1,5-Liter dagegen leistete 65 Pferdchen und war gut für 140 km/h Spitzentempo. Ein Blick in das Datenblatt der 40 PS-Ausgabe lässt jedoch für einen Moment aufschrecken: Bis Landstraßentempo genehmigt sich der Ford 30 Sekunden laut Werk.

Konturfreie Sitze, keine Gurte

Also rein in die gute Stube und das kleine Kraftwerk anlassen. Dabei fällt auf, dass man recht geräumig unterkommt – von der Beschaffenheit des Mobiliars redet man besser nicht: Für Vorgaben wie Seitenhalt war damals kein Platz im Lastenheft. Diese früher üblichen Sitzbänke ohne jegliche Kontur versprühen heute ganz besonderen Charme. Auch Gurte sucht man in diesem 12M vergeblich. Mitte der Sechziger nahm man das mit der Sicherheit eben noch nicht so genau. Also entfällt das Anschnallen heute, und es kann sofort losgehen – ausnahmsweise mal ohne Reue. Dank kurzem ersten Gang legt der rau agierende Vierzylinder giftig los.

Dass der Kölner wirklich langsam ist, muss man schon der Tachonadel entnehmen; verlässt man sich allein auf die Geräuschkulisse, wirkt alles recht agil und straff. Erst Kehren, die der betagte Mittelklässler mit merklich Seitenneigung nimmt, erinnern an die Fahrwerk-Technik: Abgesehen von den Asphalttrennscheiben namens Reifen gibt es eine blattgefederte Starrachse; die Vorderachse besteht aus an der Motor-Getriebeeinheit befestigten Querlenkern sowie ebenfalls Blattfedern. Die späteren P4-Jahrgänge erfreuen sich immerhin Bremsscheiben an den Vorderrädern, was einen entscheidenden Sicherheitsfaktor darstellt.

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