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Ganzjahresreifen auf der Tire Cologne: Alle Wetter!

| Autor: Jan Rosenow

Der Kinergy 4S 2 ist der neueste in der langen Reihe der Hankook-Allwetterreifen; Bridgestone, Giti und Yokohama steigen neu in das Segment ein. Doch eines haben (fast) alle Produkte gemeinsam.

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Chefingenieur Andreas Puerschel erklärte »kfz-betrieb« den neuen Hankook-Ganzjahresreifen.
Chefingenieur Andreas Puerschel erklärte »kfz-betrieb« den neuen Hankook-Ganzjahresreifen.
(Bild: Jan Rosenow)

Den plötzlichen Hype um Ganzjahresreifen kann man bei Hankook – einem der Pioniere des Segments – nicht ganz verstehen: „Es gibt zwar immer mehr Anfragen aus der Erstausrüstung, aber einen generellen Trend in diese Richtung sehe ich nicht“, erklärt Andreas Puerschel, Chefingenieur im europäischen Entwicklungszentrum von Hankook, gegenüber „kfz-betrieb“. „Schließlich lassen sich die Homologationswerte, beispielsweise bezüglich Kraftstoffverbrauch und Fahrgeräusch, mit Sommerreifen einfacher erfüllen.“ Doch das steile Wachstum dieses Segments – 70 Prozent in den letzten Jahren europaweit – und den Einstieg vieler Konkurrenten haben natürlich auch die Koreaner zur Kenntnis genommen.

Die schwierigste Aufgabe für Reifenentwickler

Auf der Fachmesse The Tire Cologne ist nun Hankooks Antwort zu sehen: Kinergy 4S 2. Puerschel und seine Kollegen haben ihn mit einer neuen Laufstreifenmischung versehen, die gleichzeitig mehr Nassgrip und mehr Laufleistung gewährleisten soll. Wie das funktioniert? „Durch eine bessere Vernetzung der Silica-Partikel mit dem Elastomer. Hierfür braucht man nicht nur moderne Materialien, sondern auch eine Top-Fertigungstechnik, die eine ideal gleichmäßige Verteilung der Inhaltsstoffe sicherstellt.“ Der scheinbar pragmatische Alles-ein-bisschen-Könner unter den Pneus ist für den Techniker sogar die Königsdisziplin in der Reifenentwicklung. „Elastizität bei niedrigen und Stabilität bei hohen Temperaturen zu verwirklichen, das ist eine schwierige Aufgabe.“

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Von der Alchemie der Mischungstechniker sieht der Kunde von außen bekanntlich nichts – hier steht die Arbeit der Profildesigner im Mittelpunkt. Auf den ersten Blick folgt der Kinergy 4S 2 dem Vorbild des Michelin Crossclimate mit seinem geradlinigen V-Profil ohne Lamellen; doch wer genau hinschaut, der sieht, dass Hankook für gute Schneeeigenschaften nicht auf die Greifkanten verzichten wollte. Sie sind in der Profilmitte angeordnet.

Warum trotzdem fast alle modernen Ganzjahresreifen gleich aussehen, erklärt Andreas Puerschel so: „Wenn man die Profiltiefe reduziert, um zum Beispiel den Rollwiderstand zu senken, dann ist das V-Profil im Hinblick auf die Wasserableitung sehr gut geeignet.“

Bridgestone denkt an die Werkstätten

Deshalb ist es wenig überraschend, dass auch die zweite Neuheit auf der Tire Cologne wie eine Blaupause des erfolgreichen Michelin daherkommt: der Bridgestone Wheather Control A005. Rechteckige Profilblöcke in V-förmiger Anordnung und sparsamer Lamellierung bilden sein Profil, das laut Unternehmensangaben zu hohen Leistungen fähig sein soll: Alle Größen besitzen die Labelnote A für den Nassgrip, und die Laufleistung soll ebenso hoch sein wie bei einem Sommerreifen. Der Wheather Control A005 kommt in zwei Versionen auf den Markt: Als Standardreifen sowie als pannensichere Lifeguard-Variante mit verstärkter Seitenwand.

Als einziger Reifenhersteller hat sich Bridgestone übrigens Gedanken gemacht, wie sich die durch den fehlenden Reifenwechsel ausfallenden Kundenkontakte in den Werkstätten ausgleichen lassen. Die Japaner geben beim Kauf eine „Tire Control Card“ mit. Lässt der Kunde seine Pneus zweimal im Jahr kontrollieren, bekommt er einen Servicegutschein in Höhe von 25 Euro sowie ein Give-Away. Eine gute Idee.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group