Gefahren: Opel Combo – Raus aus dem Schatten

Hersteller plant Eroberungsquote von 70 Prozent

| Autor: Yvonne Simon

Der neue Opel Combo steht auf der PSA-Plattform EMP2.
Der neue Opel Combo steht auf der PSA-Plattform EMP2. (Bild: Simon / »kfz-betrieb«)

Den Combo hat Opel in den letzten Jahren eher stiefmütterlich behandelt. Gerade einmal 674 Einheiten des Hochdachkombis beziehungsweise Transporters verkauften die Rüsselsheimer 2017 laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum brachte Citroën hierzulande 6.646 Berlingo auf die Straße. „Der Combo hatte nicht die oberste Priorität bei uns“, räumte ein Opel-Sprecher am Rande der Präsentation der fünften Generation ein. Mit der Neuauflage soll sich das nun ändern.

Während der Vorgänger sich die Technik mit dem Fiat Doblò teilte, steht der neue Combo auf der EMP2-Plattform von PSA und wurde von Beginn an als Pkw entwickelt. Opel will den Fokus damit deutlich verschieben: Bislang gingen etwa 90 Prozent der Combo-Verkäufe auf den Transporter zurück. In Zukunft soll der Anteil der nun als Combo Life bezeichneten Pkw-Variante auf 50 Prozent steigen.

Trotzdem erwartet der Hersteller einen Gewerbekundenanteil von insgesamt 75 Prozent – denn auch beim Combo Life rechnet Opel damit, dass jeder zweite Käufer ein Firmenkunde sein wird, hauptsächlich aus dem Bereich Personenbeförderung. Darüber hinaus nennen die Rüsselsheimer Familien, Handwerker und Sportler mit sperrigem Equipment als Kernzielgruppe.

Auf ein konkretes Absatzziel will sich Opel nicht festlegen. Wenig überraschend sollen die Verkäufe im Vergleich zum Vorgänger steigen. Mit mehreren TV-Spots will der Hersteller kräftig die Werbetrommel für den Hochdachkombi rühren. Klar ist, dass der Combo einen Großteil der Käuferschaft neu gewinnen muss: Opel erhofft sich eine Eroberungsquote von rund 70 Prozent. Gegenüber den neuen Schwestermodellen Citroën Berlingo und Peugeot Rifter will Opel den Combo nach eigenen Angaben mit den Markenwerten „aufregend und deutsch“ sowie als „sicherstes und komfortabelstes Fahrzeug seiner Klasse“ positionieren.

Auf Händlerseite wird der Combo optimistisch aufgenommen. Mathias Schinner, Geschäftsführer des Autohauses Schinner in Weimar und Mitglied im Vorstand des Opel-Händlerverbandes VDOH, sieht gutes Eroberungspotential in der neuen Generation. „Ich bin glücklich, dass wir endlich einen verkaufsfähigen Hochdachkombi haben“, sagt Schinner. Die ersten Kundenreaktionen seien positiv.

Viele Assistenzsysteme

Tatsächlich hat Opel in Sachen Komfort aufgerüstet. Im Combo Life erwarten den potentiellen Käufer bis zu 19 verfügbare Assistenzsysteme. In der Basis-Ausstattungslinie „Selection“ gehören etwa ein Frontkollisionswarner, ein Spurhalte-Assistent, ein Berganfahrassistent und eine Müdigkeits- und Verkehrsschilderkennung zum Serienumfang. Gegen Aufpreis kommen unter anderem eine Klimaanlage, eine Sitz- und Lenkradheizung, ein Head-Up-Display, eine 180-Grad-Panorama-Rückfahrkamera mit Vogelperspektive und ein Infotainment-System mit Acht-Zoll-Touchscreen-Display hinzu.

Bei den Motoren hat Opel einen 1,2-Liter-Turbobenziner in Programm, der in Verbindung mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe 81 kW/110 PS leistet. 2019 soll noch eine Variante des Benziners mit 130 PS zusammen mit einer Acht-Stufen-Automatik hinzukommen. Alternativ steht bereits ein 1,5-Liter-Turbo-Diesel in drei verschiedenen Ausbaustufen mit 56 kW/76 PS, 75 kW/102 PS und 96 kW/130 PS zur Auswahl. Den stärksten Selbstzünder gibt es entweder als Sechs-Gang-Schalter oder mit einer Acht-Stufen-Automatik. Die beiden schwächeren Diesel sind an ein Fünf-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt. Alle Antriebe erfüllen laut Opel die Euro-6d-Temp-Norm.

Kurz- und Langversion

Je nach Platzbedarf können Käufer den Combo Life als 4,40 Meter lange Kurzversion oder als XL-Version mit einer Länge von 4,75 Metern bestellen. Beide sind entweder als Fünf- oder als Siebensitzer mit einer oder mit zwei Schiebetüren erhältlich. Das Kofferraumvolumen beträgt im Fünfsitzer zwischen 597 und 2.126 Liter bei kürzerem Radstand und zwischen 850 Liter und 2.693 Liter bei der längeren Variante. Optional verfügt die Heckklappe über ein Fenster, das separat geöffnet werden kann, was das Verstauen von Gegenständen erleichtert. Mit einer Anhängerkupplung kann der Combo Life auf Wunsch zusätzlich eine Last von bis zu 1.500 Kilogramm ziehen.

Bei einer Testfahrt rund um Rüsselsheim mit dem Benziner erwies sich der Combo Life als durchaus angenehmer Begleiter. Ausreichend Vortrieb sowie eine gute Geräuschdämmung und Federung laden logischerweise nicht zu sportlichen Ausfahrten, aber zum gemütlichen Dahinrollen ein. Der Innenraum ist nüchtern gestaltet und wirkt sehr aufgeräumt. Mit bis zu 28 Ablagemöglichkeiten ist der Combo geräumig wie ein Apothekerschrank – Insassen sollten sich besser merken, wo sie ihre Sachen verstaut haben. Besonders praktisch ist ein optionales Fach in der Mittelkonsole, in das eine 1,5-Liter-Flasche hineinpasst. Als Verbrauch zeigte der Bordcomputer 7,6 Liter an – Opel gibt den kombinierten Verbrauch (nach NEFZ) mit 5,5 bis 5,7 Liter an.

In der günstigsten Ausstattungslinie kostet der Combo Life 19.995 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Beim Händler feiert der Hochdachkombi zum „Opel-Tag“ am 29. September Premiere, für gewerbliche Kunden soll es „VIP-Test-Drives“ geben.

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