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Gefahren: Porsche Taycan

| Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Nach vier Jahren Vorarbeit ist der Porsche Taycan endlich da. Der Stromer ist ein Bilderbuch-Sportwagen und verdammt schnell. In manchen Punkten sind die Ingenieure aber über das Ziel hinausgeschossen.

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Der Porsche Taycan kostet mindestens 152.136 Euro.
Der Porsche Taycan kostet mindestens 152.136 Euro.
(Bild: Porsche)

Vier Jahre lang hat Porsche die Ankunft seines ersten Elektro-Autos vorbereitet, vom ersten Auftritt der Studie Mission E im Jahr 2015 auf der IAA bis zur Premiere der Serienversion vor wenigen Wochen ebenda wurden regelmäßig Informationshäppchen preisgegeben, die die Vorfreude schüren sollten. Nun ist der Tesla-Model-S-Jäger Taycan da, und wirkt fast schon wie ein alter Bekannter.

Das Gros der technischen Details war längst bekannt, und in Sachen Design hat sich der Stromer, der Ende des Jahres in den USA, Anfang 2020 in Deutschland an den Start geht, stark an der Studie orientiert: eine verdammt breite, viertürige Mischung aus Panamera und 911, mit tiefer Sitzposition, je einem Kofferraum vorne und hinten und für fast fünf Meter Länge erstaunlich wenig Platz. Große Fahrer müssen sich auch in Reihe eins etwas zusammenfalten, auf der Rückbank wird es selbst für kleinere Passagiere ziemlich kuschelig. Dazu kommen straffe Sitze, die einem schnell deutlich machen, wo man ein wenig zu viel Speck auf den Rippen hat.

Porsche Taycan: Autofahren in reiner Unschuld
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Das alles braucht man dem Taycan freilich nicht anzukreiden, schließlich will er ein Sportwagen par excellence sein und die sind nicht praktisch-bequem. Dafür ist er vor allem eins: sehr schnell. Es reicht ein nervöses Zucken im rechten Zeh, schon riskiert man den Führerschein – und das nicht nur auf streng regulierten, schwedischen Straßen, wo der Taycan zur ersten Ausfahrt antrat. Wer es drauf anlegt, kann den 185.456 Euro teuren Taycan Turbo S – die Motorbezeichnungen hat man aus alter Tradition von den Verbrennern übernommen – dank Launch Control in unwirklichen 2,8 Sekunden auf Tempo 100 bringen und weiter auf bis zu 260 km/h beschleunigen.

Wenn die beiden den Allradantrieb garantierenden Elektro-Motoren an Vorder- und Hinterachse zusammen für zweieinhalb Sekunden ihre maximal 560 kW/762 PS freisetzen und den mindestens 2,3 Tonnen schweren Stromer nach vorne katapultieren, bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, wie sich ein Space-Shuttle-Start anfühlen muss: Ein kräftiger Tritt ins Kreuz, man versinkt tief in den Ritzen der Sitzpolster, in der Magengrube kribbelt es wie in der Achterbahn und sämtliche Falten im Gesicht werden von den Fliehkräften gestrafft. Begleitet wird das Ganze auf Wunsch vom raumschiffartigen Electric-Sport-Sound, der Captain Kirk begeistert hätte.

Die Wiederholbarkeit fasziniert

Die immense Kraftentfaltung kommt in Anbetracht der Leistungswerte freilich nicht überraschend, und ähnlich viele Endorphine hat auch schon vor knapp zehn Jahren der Mercedes SLS Electric Drive freigesetzt; wenngleich der Porsche dank seines bei E-Autos unüblichem Zweigang-Getriebe an der Hinterachse untenrum noch deutlich mehr Druck aufbaut.

Das eigentlich faszinierende beim Taycan aber ist die Wiederholbarkeit: Während andere Stromer auf den Kavalierstart oder anhaltende Vollgasbeschleunigung erst mit Überhitzung und dann einer merklichen Reduzierung der Leistung reagieren, lässt sich das Spektakel im Porsche annähernd beliebig oft, zumindest mehr als 15, 20 Mal in Folge wiederholen. Möglich macht es die 800-Volt-Technik: Die gegenüber anderen E-Autos doppelt so hohe Spannung im Antriebs-Netz erlaubt es, salopp gesagt, mit der halben Stromstärke zu arbeiten, und die ist am Ende für die Wärmeentwicklung verantwortlich.

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