Gefahren: Range Rover Evoque – Evolution des Evergreens

Preise starten bei 38.100 Euro

| Autor: Julia Mauritz

Auch der neue Range Rover Evoque hat das Potenzial, wie der Vorgänger ein Bestseller zu werden.
Auch der neue Range Rover Evoque hat das Potenzial, wie der Vorgänger ein Bestseller zu werden. (Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Es gibt ein paar wenige Autos, die nie alt wirken, egal wie viele Jahre sie schon auf dem Buckel haben. Der Range Rover Evoque gehört definitiv zu ihnen. Die erste Generation des Premium-Kompakt-SUVs hatte bei ihrer Einführung im Jahr 2011 für viel Aufsehen gesorgt. Schnell entwickelte sich der Evoque zu Designikone und befeuerte nicht nur das Markenimage des bis dato schwächelnden britischen Herstellers, sondern ein komplettes Fahrzeugsegment.

40.000 Evoque-Einheiten hat Jaguar Land Rover in den letzten acht Jahren allein in Deutschland verkauft – weltweit waren es 800.000 Einheiten. 2018 war das Auto hierzulande mit knapp 4.900 Zulassungen trotz seines betagten Alters immer noch mit Abstand das meistverkaufte Fahrzeug der Geländewagenmarke. Kein Wunder, dass der britische Hersteller bei der zweiten Evoque-Generation, die seit April im Handel steht, auf eine Designevolution statt auf einer Revolution gesetzt hat: Im Wesentlichen wurde die Linienführung etwas reduziert und das Evoque-Gesicht an das seiner größeren Brüder angepasst. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wenngleich der Wow-Effekt durch die dezente Designretusche ausbleibt.

Gleich geblieben ist mit 4,37 Metern die Fahrzeuglänge, und mit 38.100 Euro bewegt sich auch der Einstiegspreis auf dem Niveau des Vorgängers. Gleichzeitig haben die Entwickler daran getüftelt, bei gleicher Länge noch mehr Platz im Innenraum zu gewinnen. So kommt der 22 Millimeter längere Radstand komplett der Beinfreiheit der Fondpassagiere zugute. Mit gut 590 Litern schluckt der Evoque der zweiten Generation zudem 16 Liter mehr Gepäck als sein Vorgänger. Klappt man die Rückbank um, steigt das Ladevolumen auf 1.383 Liter.

Einiges geändert hat sich unter der Motorhaube: Der Evoque läutet bei Land Rover die 48-Volt-Mild-Hybridtechnik ein. Mit Ausnahme des frontgetriebenen 150 PS starken Einstiegsdiesels findet sich diese in allen erhältlichen Vierzylinder-Benzinern und -Selbstzündern. Fährt der Mild-Hybrid-Evoque langsamer als 17 km/h und tritt der Fahrer das Bremspedal, wird der Verbrennungsmotor automatisch abgeschaltet. Beim erneuten Anfahren wird die gespeicherte Energie genutzt, um den Motor beim Beschleunigen zu unterstützen. Der Hersteller stellt durch diese Maßnahme sechs Prozent weniger Kraftstoffverbrauch in Aussicht.

Insgesamt haben die Evoque-Käufer zunächst die Wahl zwischen sechs Vierzylinder-Motoren: Die 2,0-Liter-Triebwerke leisten als Turbodiesel zwischen 110 kW/150 PS und 177 kW/240 PS. Als Turbo- bzw. Twinturbo-Benziner bringen sie 147 kW/200 PS und 221 kW/300 PS auf die Straße. In den kommenden Monaten will die britische Geländewagenmarke ihr Antriebsspektrum dann noch um einen Plug-in-Hybridantrieb und Dreizylinder-Benzinmotoren ergänzen.

SUV macht auch jenseits der Straße eine gute Figur

Bis auf die im Vergleich zu den größeren Brüdern mit 211 Millimetern niedrigere Bodenfreiheit ist der neue Evoque Land-Rover-typisch voll geländetauglich. So ist auch ein weiterentwickeltes Antriebssystems an Bord des Evoque, das auf Abruf den Allradantrieb bereitstellt. Das aus den anderen Land-Rover-Modellen bekannte Steuerungssystem Terrain Response 2 erkennt, auf welchem Untergrund sich der Evoque befindet, und justiert alle wichtigen Fahrzeugsysteme entsprechend. Der Fahrer kann diese Wahl dem Fahrzeug überlassen, oder er kann sich mittels Drehschalter für die Fahrprogramme „Komfort“, „Sand“, „Gras/Schotter/Schnee“ oder „Schlamm“ entscheiden.

Dank der zahlreichen elektronischen Helferlein meisterte der Evoque den herausfordernden Offroad-Parcours am Hamburger Hafen mit einem Böschungswinkel von rund 30 Grad souverän. Als hilfreich, wenn auch erst einmal gewöhnungsdürftig, entpuppte sich dabei die „Clear Sight Ground View-Kamera“. Indem sie gewissermaßen die Motorhaube durchsichtig macht, ermöglicht die Kamera einen 180-Grad-Blick unter das Fahrzeug. Auch im Stadtdschungel hat diese Technologie ihre Daseinsberechtigung. So erleichtert sie das Einparken in enge Lücken. Ebenfalls praktisch, wenn Passagiere im Fonds den Blick nach hinten behindern: Per Knopfdruck verwandelt sich der Innenrückspiegel in einen Video-Bildschirm mit einem angenehm breiten 50-Grad-Sichtfeld.

Zwei Touchscreens im neuen Evoque

Einen großen Sprung nach vorn hat der Evoque in Sachen Konnektivität und Infotainment gemacht: Denn genau daran hatte man dem Vorgänger sein doch beachtliches Alter angemerkt. Erstmals bei Land Rover lernt der neue Evoque mithilfe künstlicher Intelligenz die Vorlieben der Fahrer und merkt sich beispielsweise Sitz- und Lenkradpositionen oder häufig angesteuerte Ziele. Zudem hat Land Rover dem neuen Evoque das vom Velar bekannte Infotainment-System mit zwei hochauflösenden Glas-Touchscreens spendiert. Die Zahl der Bedienelemente ist so drastisch gesunken. Smartphones und mobile Endgeräte sind im neuen Kompakt-SUV per Apple Car Play oder Android Auto zu koppeln. Eine weitere auffällige Veränderung im Vergleich zum Vorgänger: Die serienmäßige Neungangautomatik lässt sich nicht mehr per Drehschalter bedienen, sondern per Wahlhebel.

Fazit: Auch wenn der neue Evoque kein Wow-Gefühl mehr hervorruft wie sein Vorgänger, so ist der Neue im mittlerweile dicht besiedelten Komakt-SUV-Segment immer noch ein Blickfang. Dank seiner kompakten Abmessungen ist er auch in der Stadt ein angenehmes, souveränes Gefährt mit einem hohen Fahrkomfort und einem geringen Geräuschniveau im Innenraum. In puncto Geländetauglichkeit hebt sich der Evoque in diesem Segment ohnehin ab. Und endlich kann er nun auch in Sachen Konnektivität und Infotainment mithalten, wenngleich sich die Bedienung nicht bei allen Funktionen sofort erschließt. Der getestete 147 kW starke Mild-Hybrid-Benziner überzeugte bei den Testfahrten im Stadtgebiet, auf der Landstraße und Autobahn mit seiner Laufruhe, glänzte jedoch nicht beim Verbrauch: Die zehn Liter pro 100 Kilometer lassen sich nur schwer unterschreiten, was aber angesichts der knapp 1,7 Tonnen, die der Evoque wiegt, auch nicht wirklich überrascht.

Eine schöne Nachhaltigkeitsmaßnahme des britischen Herstellers ist, dass den Käufern des Evoque jetzt auch zwei attraktive Alternativen zur standardmäßigen Lederausstattung zur Verfügung stehen: zum einen einen Mix aus strapazierfähigem Wollmischgewebe und technischem Velours und zum anderen ein neues Eukalyptus-Gewebe aus Naturfasern, das der Hersteller mit einem Hightech-Stoff kombiniert, für den ebenfalls kein Tier zu Schaden kam.

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