Gekündigte Kreditlinien: Zwei Tübinger VW-Autohäuser insolvent

Externe Probleme als Gründe angeführt

| Autor: Christoph Seyerlein

(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Die Tübinger Autohäuser Wetzel und Auto-Maier haben Anträge auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Beide Betriebe sind Teil der AMW-Unternehmensgruppe, die in und um Tübingen mehrere Autohäuser der Marken VW, Audi und Skoda betreibt. Wie die Gruppe mitteilte, gab das mit dem Fall befasste Amtsgericht dem Gesuch statt. Der Geschäftsbetrieb läuft an beiden Standorten ohne Unterbrechung weiter.

Als Insolvenzverwalter werden den Betrieben Thomas Kaiser und Uwe Rottler von der Freiburger Kanzlei Kaiser & Sozien zur Seite gestellt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Dirk Poff von der Kanzlei Walter-Riegger & Partner aus Tübingen berufen. Laut der Mitteilung haben bereits Gespräche mit möglichen Investoren stattgefunden. Diese sollen nun fortgesetzt werden. Die Löhne der Mitarbeiter sind bis Mai über das Insolvenzgeld gesichert.

Aus der Mitteilung der AMW geht hervor, dass mehrere Probleme zur Schieflage der Autohäuser geführt haben. Die Gruppe spricht von „nicht verschuldeten, externen Faktoren“. So habe die Dieselkrise und die Umstellung auf den neuen Abgasprüfzyklus mit allen damit verbundenen Schwierigkeiten für den VW-Konzern die Geschäfte schwer belastet. Man habe eine Kaufzurückhaltung nicht nur bei Dieselfahrzeugen hinnehmen müssen und dadurch hohe Verluste bezeichnet.

Die schlechte Lieferfähigkeit durch WLTP hat die Lage offenbar weiter verschlimmert. „Trotz größter Anstrengungen und verschiedenster Restrukturierungsbemühungen ist es der Unternehmensgruppe leider nicht gelungen, entgegen dieser Marktkräfte wieder auf die Erfolgsspur einzuscheren“, schreibt AMW.

AMW erhielt LOI von VW

Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Herstellerbank, indem sie den Betrieben wichtige Kreditlinien kündigte. Und das, obwohl die AMW-Gruppe nach eigenen Angaben zu jenen Handelsunternehmen gehört, die von VW und Audi einen Letter of Intent (LOI) erhalten haben, der der Gruppe bescheinigt, auch nach Inkrafttreten der neuen Verträge zum 1. April 2020 ein unbefristetes Geschäftsverhältnis mit den Herstellern fortführen zu können.

Das Autohaus Wetzel beschäftigt derzeit 72 Mitarbeiter, im Jahr 2018 lag der Umsatz bei rund 30 Millionen Euro. Für AMW Auto-Maier arbeiten 20 Beschäftigte, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 6 Millionen Euro erwirtschafteten. Nicht von der Insolvenz betroffen sind die weiteren AMW-Betriebe Auto-Maier in Mössingen und Ofterdingen sowie die Wetzel Besitz GmbH.

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