Giti Tire: Herausforderer auf dem Reifenmarkt

Autor Jan Rosenow

Der Reifenkonzern Giti Tire aus Singapur startet auf dem europäischen Markt. Die drei neuen Sommerreifen Giti Sport, Premium und Synergy wurden komplett in Europa entwickelt. Die Markteinführung begann mit einem Fahrevent in Abu Dhabi.

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Wichtiger Hinweis auf der Reifenflanke bei Giti Tire: Do it with German Engineering!
Wichtiger Hinweis auf der Reifenflanke bei Giti Tire: Do it with German Engineering!
(Bild: Rosenow / »kfz-betrieb«)

Wo Nico Rosberg im November 2016 seinen WM-Titel in der Formel 1 mit einem ausgelassenen „Donut“ feierte, kreisten Anfang März eine Reihe Volkswagen Passat und Renault Laguna deutlich behäbiger um den Kurs. Auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi stellte der Reifenhersteller Giti Tire den Reifenhändlern und der Presse seine neu entwickelte Produktlinie für den europäischen Markt vor.

Giti Tire? Wer den Namen noch nicht gehört hat, muss sich noch nicht für unwissend halten. Der Konzern mit Hauptsitz in Singapur ist der größte Reifenproduzent in China und mit seiner Marke GT Radial auch in Europa vertreten – bislang allerdings nur auf dem Ersatzmarkt. Mit dem Namen Giti will das Unternehmen nun etwas höher einsteigen und nicht nur die Erstausrüstung erobern, sondern auch marken- und qualitätsbewusste Autofahrer ansprechen. Ersteres hat man mit einem Auftrag von Volkswagen bereits geschafft; 2017 soll die Belieferung starten.

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Der Hersteller sieht seine drei neuen Produkte Giti Sport S1, Giti Premium H1 und Giti Synergy E1 mit ihrer Leistungsfähigkeit an der Schnittstelle zwischen dem Quality- und dem Premium-Segment. Die Reifen wurden von einem europäischen Team unter Leitung der beiden Ex-Continental-Männer Stefan Fischer und Matthias Hartwig in Hannover entwickelt. Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf rund 30 Millionen Euro.

Haben sich diese Ausgaben gelohnt? In Abu Dhabi konnten zwar nur die Handling- und Bremseigenschaften des Synergy E1 und des Sport S1 ausprobiert werden, aber die Testfahrten zeigten, dass die Reifen selbst bei hohen Asphalttemperaturen Stabilität und exaktes Fahrverhalten gewährleisteten.

TÜV Süd bescheinigt konkurrenzfähige Leistung

Mehr Aufschluss geben die Tests, die der TÜV Süd im Auftrag von Giti Tire durchgeführt hat. Ziel war es, die sogenannte TÜV Mark zu erreichen. Das Qualitätssiegel bedeutet, dass ein Reifen bei jeder Testaufgabe ein Ergebnis von mindestens 95 Prozent des Durchschnitts von fünf Wettbewerbern geschafft hat und im Gesamtdurchschnitt sogar 100 Prozent. Und hier musste sich der Neuling durchaus namhaften Konkurrenten stellen, die von Kumho und Hankook über die Zweitmarken großer Konzerne wie Semperit und Firestone bis hin zu Pirelli und Michelin reichen.

Alle drei Produkte übersprangen diese Hürde souverän. Erwähnenswert ist der geringe Rollwiderstand beim Sport S1 (neun Prozent besser als der Durchschnitt) und die hervorragenden Nassbremswerte beim Premium H1 (acht Prozent besser als der Durchschnitt). Für die Sommerreifentests der Magazine und Autoclubs kamen die Produkte in diesem Jahr allerdings zu spät.

Neue Wege bei der Preisbildung

Ein kurzer Produktüberblick: Der Sport S1 ist zum Marktstart in 18 Varianten von 17 bis 20 Zoll und Reifenbreiten von 225 bis 275 zu haben. Alle Reifen sind mit dem Geschwindigkeitsindex Y ausgestattet und tragen das EU-Label A bei Nasshaftung. Eine spätere Erweiterung bis hin zu 23 Zoll ist eingeplant.

Der Premum H1 soll ein ausgewogener Reifen mit gutem Fahrkomfort und hoher Sicherheit sein. Es gibt 18 Versionen von 16 bis 18 Zoll. Beide Reifen sind auch in zahlreichen SUV-Größen verfügbar. An Fahrer von Kompaktautos richtet sich die dritte Giti-Neuheit, der Synergy S1. Zum Marktstart gibt es 17 Spezifikationen von 14 bis 17 Zoll. Zur kommenden Wintersaison sollen noch ein Winter- und ein Ganzjahresprofil vorgestellt werden.

Optisch und technisch sehen die Giti-Produkte aus wie alle anderen Reifen in ihren Segmenten – bei der Vermarktung hingegen will Giti Tire Deutschland neue Wege gehen. Anders als alle anderen Reifenhersteller gibt man Preisempfehlungen für seine Produkte und will deren Einhaltung im Handel kontrollieren. Damit soll ein Preiskampf vermieden und den Händlern sollen auskömmliche Margen garantiert werden.

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