Glinicke: „Wir sind vorbereitet“

Autor / Redakteur: Ingo Jagels / Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Die Autohausgruppe Glinicke ist mit 23 Betrieben in Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen tätig.

Was ist die wichtigste Grundlage für ein florierendes Autohaus? Es muss von möglichst vielen Menschen – und damit potenziellen Kunden – wahrgenommen werden. Die Lage ist der vielleicht wichtigste Erfolgsfaktor. Das hat wohl kaum jemand so verinnerlicht wie Peter Glinicke. Der Seniorchef der Glinicke Gruppe mit Hauptsitz in Kassel überlässt deshalb bei der Standortwahl für ein neues Autohaus nichts dem Zufall.

Für ihn liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Verknüpfung von Auto- und Einzelhandel. „Wo immer es möglich ist, kombinieren wir unsere Bauaktivitäten mit anderen Frequenzbringern“, erklärt der Unternehmer. Große Baumärkte oder Supermärkte wie Aldi oder Lidl würden für sich genommen schon viele Kunden anlocken. Davon könne ein Autohaus, das auf demselben Areal ansässig ist, nur profitieren. „Der Vorteil liegt darin, dass man ständig Traffic hat“, ist er überzeugt.

Am konsequentesten umgesetzt hat Glinicke dieses Konzept in dem Thüringer Einkaufscenter (TEC), das die Autohausgruppe 1996 in Erfurt eingeweiht hat. Dahinter verbirgt sich eine Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften mit einer Netto-Verkaufsfläche von 24 000 m². Auf demselben, über elf Hektar großen Grundstück betreibt Glinicke mehrere Auto-häuser. Das Engagement in der thüringischen Landeshauptstadt war ein wichtiger Meilenstein der Unternehmensgeschichte, die 1930 mit einer kleinen Automobilfirma ihren Anfang nahm. Erfahrungen im Mehrmarkenhandel gehörten früh dazu: In den ersten Jahren repräsentierte die junge Firma mit Hanomag, Adler, Magirus, Vomag, Framo und DKW Motorräder sehr unterschiedliche Fabrikate.

Früher Mehrmarkenhandel

Nach dem Zweiten Weltkrieg bewarb sich Hans Glinicke um die begehrten Vertriebsrechte für Volkswagen. Und er hatte Glück: 1948 erhielt er den Großhandels- und Einzelhandelsvertrag der Volkswagen GmbH Wolfsburg für den Raum Kassel und Nordhessen. Zwei Jahre später kam Porsche-Sportwagen hinzu. Nachdem Unternehmensgründer Hans Glinicke im Jahr 1968 verstarb, übernahm sein Sohn Peter die alleinige Geschäftsführung.

Wie bei vielen anderen großen Autohandelsgruppen auch waren die sechziger, siebziger und achtziger Jahre von einem steten Wachstum geprägt, dessen Dynamik sich aber in Grenzen hielt. Das änderte sich mit der deutschen Wiedervereinigung. Bereits im August 1990 gründete Peter Glinicke seine erste Niederlassung in Erfurt. Kurze Zeit später wurde ein weiteres Autohaus in Bad Langensalza eröffnet. In den ehemaligen Räumen der VEB errichtete Glinicke zudem ein kleines Nahversorgungszentrum – sein erster Versuch, Automobil- und Einzelhandel sinnvoll zu verknüpfen.

In den folgenden Jahren ging es in verschärftem Tempo weiter voran. Nach diversen Geschäftsübernahmen und Neugründungen hat sich das Unternehmen bis heute zu einer Autohausgruppe entwickelt, die acht Marken an 23 Standorten in Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen vertreibt. War man lange Jahre nur mit Volkswagen, Audi und Porsche am Markt aktiv, bedeutete die Eröffnung eines Skoda-Autohauses im Jahr 2002 den Einstieg in eine weitere Diversifikation der Marken. Allein 2005 kamen drei Fabrikate hinzu. Zu Beginn des Jahres übernahm Glinicke in Kassel die Vertriebsrechte für Hyundai. Im Sommer kamen Jaguar und Land Rover hinzu.

Anfang 2006 startete die Autohausgruppe darüber hinaus mit dem Verkauf und Service von Hyundai in Erfurt und übernahm anschließend auch die Peugeot-Niederlassung in Kassel-Lohfelden. Seit Anfang Oktober 2008 ist Glinicke auch Vertragshändler für Seat in Kassel.

Zunehmender Wettbewerb

„Wir möchten in jedem Fahrzeugsegment vertreten sein“, erklärt Carsten Bachmann, der zusammen mit Seniorchef Peter Glinicke und dessen Sohn Florian die Geschäftsführung der Gruppe bildet, den Hintergrund der Mehrmarkenstrategie. „Das versetzt uns in die Lage, jedem potenziellen Kunden sein Wunschauto anbieten zu können.“

Die Überlegung, das Markenspektrum überhaupt zu erweitern, gehe auch auf den Wettbewerbsdruck im Service zurück. Es sei zunehmend schwieriger, die vorhandenen Kapazitäten auszulasten. „Es war notwendig geworden, sich zusätzliche Werkstattarbeit vom Markt zu holen“, sagt Seniorchef Peter Glinicke. „Als Händler hat man mittlerweile das Problem, dass die Hersteller viele Dienstleistungen an sich gezogen haben“, ergänzt Marketingleiter Bernd Behrens. Die direkte Auslieferung von Neufahrzeugen sei nur ein Beispiel dafür. „Wir verlieren immer mehr den Kontakt zum Kunden, dagegen müssen wir etwas tun“, ist sich Behrens sicher.

Mit zeitgemäßen Kundenbindungsmaßnahmen soll die freundschaftliche Verbindung zwischen Kunden und Glinicke verstärkt werden. Schon mehr als 10.000 Kunden sind Nutzer der Glinicke-Card, die bei jedem Werkstattumsatz Treuepunkte sammeln und noch zusätzliche Vorteile erhalten. Der Glinicke-24h-Service an 365 Tagen im Jahr steht allen Kunden für Unfallsoforthilfe, Pannenhilfe und alle anderen Wünschen europaweit zur Verfügung. Bachmann: „ Wir sind auf die Zeit ab 2010 auch ohne GVO vorbereitet.“

Immer noch Familienbetrieb

Überhaupt hält das Führungsteam ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von den Herstellern für notwendig. „Ganz oben muss für uns die Marke Glinicke stehen. Darunter haben wir die einzelnen Fabrikate angesiedelt“, betont Florian Glinicke. Diesen Leitsatz möchten die drei Geschäftsführer in ihrem Kundenkreis etablieren, sei es im Service, sei es im Verkauf. „Unser Firmenname muss den Kunden in den Regionen, in denen wir tätig sind, absolut geläufig sein“, formuliert Bachmann den eigenen Anspruch.

Dazu gehört auch, trotz der stark gewachsenen Unternehmensgröße, den Bezug zur eigenen Kundschaft nicht zu verlieren. „Wir legen größten Wert darauf, dass wir immer noch ein Familienbetrieb sind“, unterstreicht Peter Glinicke. „Das zeigen wir sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden.“

„Unter dem Strich ist für die Glinicke Gruppe entscheidend, dass die Mehrmarkenstrategie zu mehr Wachstum führt und durch die speziellen neuen Glinicke-Services die freundschaftliche Verbindung zum autofahrenden Kunden gefestigt wird“, erklärt Behrens. Dass dieses Ziel nicht leicht zu erreichen ist, ist allen Beteiligten klar.

Deshalb bezeichnet es Peter Glinicke auch als die wichtigste Aufgabe für die Zukunft, die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu intensivieren. „23 rechtlich selbstständige Betriebe bedeuten letztlich 23 Fürstentümer.“

Er möchte jedoch die Selbstständigkeit und vor allem die Identifikation der Mitarbeiter mit den jeweiligen Marken nicht beschneiden.

Die Zusammenarbeit in der Gruppe, der gegenseitige Gedankenaustausch und der sportliche Ehrgeiz, innerhalb der Gruppe zu den besten Performern zu gehören, wird von der Firmenleitung gefördert. Dabei helfen neue IT-Systeme für das Neu- und Gebrauchtwagengeschäft, die den einzelnen Betrieben mehr Übersicht und bessere Entscheidungsmöglichkeiten verschaffen.

Das Engagement zahlte sich aus: 2007 wurde das Audi-Zentrum Kassel vom Hersteller im Rahmen der Q-Power-Qualifizierungsoffensive ausgezeichnet und zusätzlich zum Top-Service-Partner gewählt. Drei weitere Glinicke-Autohäuser ehrte Volkswagen als Partner des Jahres 2007.

Außerdem schnitt der Glinicke-Betrieb in Weimar im Auto-Motor-und-Sport-Audi-Werkstatttest im November 2008 als Bester von acht getesteten Autohäusern ab.

Florian Glinicke freut sich über diese Anerkennungen, denn sie zeigen deutlich, dass bei Glinicke Service groß geschrieben wird und dass die Glinicke-Mitarbeiter die Zeichen der Zeit erkannt haben und mit Ehrgeiz und Freude in ihren Tätigkeitsbereichen zu den Besten gehören wollen. ?

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