Händlerumfrage: Uneinheitlicher Jahresstart

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„Insgesamt sind wir mit dem Auftragseingang seitens der privaten Kunden zufrieden. Wir liegen zirka acht Prozent über Vorjahr. Allerdings ist das Ergebnis bei den einzelnen Marken sehr unterschiedlich. Weiteres deutliches Wachstum ist mit den Marken Kia und Ford möglich. Die Erträge sind enorm unter Druck, und wir müssen von einem Margenverlust von ein bis zwei Prozent ausgehen“, sagt Stefan N. Quary. „Bei den gewerblichen Kunden verlief der Auftragseingang wie gewohnt mit stabilen Erträgen. Hier sehen wir noch deutliches Wachstumspotenzial“, ergänzt der Geschäftsführer der Braunschweiger Dürkop-Gruppe.

Erschwert hat sich der Zukauf von Gebrauchtwagen. Als Grund gibt Quary insbesondere die Hersteller an, die sich derzeit nicht von Rückläufern trennen wollten. Der Geschäftsführer rechnet ab dem zweiten Quartal jedoch wieder mit einem veränderten Herstellerverhalten. „Dann sehen wir unsere Volumenziele auch wieder als erreichbar an.“ Insgesamt seien die Erträge im Gebrauchtwagengeschäft in den ersten drei Monaten stabil geblieben.

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Weniger Stabilität verspürte das Servicegeschäft der Autohausgruppe. „Wir hatten einen sehr schwachen Start. Dies ist umso bedauerlicher, da die fehlenden Erträge die Gesamtergebnisse belasten“, sagt Quary. Nach dem Geschäftsverlauf des ersten Quartals glaubt der Unternehmenslenker nur noch bedingt an ein gutes Gesamtjahr: „Sollte sich das Aftersales-Geschäft verbessern, könnte dies noch gelingen. Insgesamt liegt aber ein schwieriges Jahr vor uns.“

Günstig ist gefragt

Äußerst unzufrieden mit der derzeitigen Geschäftsentwicklung ist Stefan Zschernitz. „Nicht nur der Vertrieb entwickelt sich rückläufig, auch der Aftersalesbereich ist regressiv“, sagt der Geschäftsführer des Autohauses Zschernitz ins Karlsruhe. „Insgesamt sehe ich einer weiteren Verschlechterung für den Handel entgegen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass das Vorjahr nicht gerade von Erfolg geprägt war.“

Zwar lag der Neuwagen-Auftragseingang (Stück) im Privatkundengeschäft in den ersten drei Monaten auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings verzeichnete der Mehrmarkenhändler einen eindeutigen Rückgang beim Umsatz. „Der Trend geht immer mehr zu günstigen Modellen. Bei uns ging der durchschnittliche Transaktionspreis um vier Prozent zurück. Der Ertrag vom Umsatz lag zirka 1,5 Prozentpunkte unter Vorjahr“, sagt Zschernitz.

Der Auftragseingang im Firmenkundengeschäft habe gar 25 Prozent unter Vorjahr gelegen. Allerdings sei der prozentuale Ertrag vom Umsatz auf Vorjahresniveau geblieben. Die 25 Prozent weniger sind für Zschernitz noch wenig beunruhigend, „da es in diesem Bereich oft zu saisonalen Schwankungen im Bestellablauf der Kunden kommt und wir im Vorjahr zusätzlich positive Sondereffekte im Auftragseingang hatten.“

Gebrauchtwagen- und Servicegeschäft waren zum Jahresstart wenig erfreulich. „Der GW-Absatz ist weiter rückläufig: Wir liegen zehn Prozent unter dem Vorjahresvergleichszeitraum, die Erträge leiden ebenso. Und im Service liegen wir beim Umsatz acht Prozent unter Vorjahr“, bilanziert Zschernitz.

Kritischer Ausblick

Zschernitz sieht die Entwicklung im Handel mit großer Besorgnis. „Wer 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis hinbekommt, kann zufrieden sein. Aber an der momentanen Situation kann man erkennen, dass am derzeitigen Geschäftsmodell etwas nicht stimmt“, sagt der Geschäftsführer. „Bei einer minimalen Abweichung zum Soll kommt das gesamte Ertragssystem des Handels ins Stocken. Alles ist nur noch auf Volumen aufgebaut, auch wenn es notfalls künstlich durch die Hersteller geschaffen wird. Das ist definitiv nicht gesund und muss schleunigst überarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass der Handel die komplette Verantwortung trägt und die Hersteller hohe einstellige Renditen einfahren. Der Handel hat sich hingegen im Schnitt mit einer Null vor dem Komma zu begnügen. Wenn es schöngerechnet wird, darf vielleicht auch noch eine Eins vor dem Komma stehen. Dann gehört man aber schon zu den Überperformern!“

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