Händlerumfrage: Uneinheitlicher Jahresstart

Seite: 3/4

Anbieter zum Thema

Heftige Preiskämpfe

„Der Auftragseingang durch Privatkunden hat in den ersten drei Monaten diesen Jahres leicht zugenommen, die Erträge sind stabil“, bilanziert Franco Barletta das erste Quartal im Neuwagengeschäft. „Der Auftragseingang bei den gewerblichen Kunden hingegen ist unbefriedigend und liegt unter Vorjahresniveau“, sagt der Geschäftsführer des Autohauses Jürgens in Hagen. Insbesondere im Flottengeschäft tobe ein heftiger Preiskampf mit BMW und Audi, der sich entsprechend auf den Auftragseingang und die Ertragssituation auswirke.

Sehr zufrieden äußert sich der Mercedes-Benz-Händler über das Gebrauchtwagengeschäft. „Sowohl der Absatz als auch der Ertrag haben sich gegenüber dem Vorjahr verbessert.“ Als Grund nennt der »kfz-betrieb«-Internet-Sales-Award-Gewinner Barletta den jüngeren und attraktiveren Fahrzeugbestand als noch im vierten Quartal 2012. Auch der Fahrzeugzukauf funktioniere derzeit gut. Rund 80 durchschnittliche Standtage verbuche das Autohaus derzeit und das, obwohl sich der Verkauf von Oberklasse-Limousinen deutlich schwieriger gestalte. Selbst die SUV-Vermarktung werde zunehmend schwieriger, die Nachfrage schwäche sich leicht ab.

Die Entwicklung im Service ist im Hagener Autohaus zweigeteilt. „Wir registrieren mehr Werkstattdurchläufe, jedoch bei reduzierten Umsätzen pro Auftrag“, sagt Barletta. Als Gründe führt er deutlich kostensensiblere Kunden an, die nicht mehr alle Reparaturen sofort durchführen ließen, sowie die geringeren Wartungsumfänge der Fahrzeuge. Auch sei das Unfallgeschäft rückläufig.

Preissensible Kunden

Den weiteren Verlauf des Jahres auf Basis des ersten Quartals einzuschätzen, fällt dem Autohaus-Geschäftsführer schwer, „da uns die vergangenen zwölf Monate die Volatilität unseres Geschäftes einmal mehr verdeutlicht haben. Weil wir durch die enorm breite Produktpalette vom Smart bis zum 40-Tonner-Lkw oder Omnibus die gesamte automobile Bandbreite abbilden, haben wir unterschiedliche Einflussfaktoren, die sich rasch aufhellen oder verdunkeln können. Insgesamt ist aber festzustellen: Das Jahr 2013 wird ein sehr anspruchsvolles Jahr, in dem sich Automobilhandelsunternehmen vielen Herausforderungen stellen müssen.“

Als ein Beispiel nennt Barletta die sich veränderte Haltung zum Automobil. Schuld daran seien die weiter steigenden Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Die Aufwendungen für Versicherung und Kraftstoff führten zu Einsparungen der Kunden beim Service. Diese Entwicklung wird die Branche noch viel stärker unter Druck setzen, ist der Autohauschef überzeugt. Eine kleine Ouvertüre hierfür gebe der DAT-Report 2013.

Nfz-Geschäft schwierig

In Hagen verlief auch das Nutzfahrzeuggeschäft im ersten Quartal angespannt. Viele kleinere Speditionen hielten sich bei der Bestellung neuer Fahrzeuge weiterhin zurück. „Das ist unter anderem auf die wirtschaftlich angespannte Situation der Unternehmen zurückzuführen. Kapazitäten werden derzeit eher abgebaut – jedenfalls in unserer Region, in der zahlreiche namhafte Zulieferer-Unternehmen beheimatet sind, die die Automobilkrise in Europa deutlich spüren“, sagt Barletta. Ein weiterer Aspekt für die Kaufzurückhaltung sei die ausstehende und überfällige Maut-Gebühr-Entscheidung für Euro-6-Fahrzeuge.

Leider habe auch das bisher sehr stabile Transporter-Geschäft im ersten Quartal einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Teilweise sei dies auf den Vorzieheffekt des Vorjahres zurückzuführen. Aufgrund hoher Zins-Subventionen wurden viele Fahrzeugkäufe zum Jahresende 2012 getätigt. Barletta rechnet aber im Laufe des Jahres in Sachen Transporter mit einem normalen Geschäftsverlauf.

A-Klasse läuft

Mercedes-Händlerkollege Jürgen Henninger ist sehr zufrieden mit dem Verkauf der neuen A-Klasse. „Das Modell bringt uns neue junge Kunden ins Haus“, freut sich der Geschäftsführer des Autohauses Schmolck in Emmendingen. Über alle Modelle hinweg lag der Neuwagenabsatz bei Privatkunden zehn Prozent, der Auftragseingang sogar 15 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der Ertrag lag auf Vorjahresniveau. Und wie sah es bei den gewerblichen Kunden aus? „Bezüglich Auslieferungen sind wir hier mit minus fünf Prozent hinter dem Vorjahr. Der Auftragseingang liegt jedoch auf Vorjahresniveau, ebenso der Ertrag“, sagt Henninger.

Mit 15 Prozent mehr verkaufter Autos bei nur leicht rückläufigen Erträgen verlief auch das Pkw-Gebrauchtwagengeschäft im ersten Quartal in Emmendingen recht erfreulich. Der Verkauf gebrauchter Lkw und Transporter liegt gar 30 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Richtig Freude kam beim »kfz-betrieb«-Service-Award-Gewinner in Sachen Pkw- und Nfz-Service zum Jahresstart auf. „Der Januar war bei Umsatz und Auslastung der beste Januar seit Jahren“, sagt Henniger. „Der Februar war dann wieder um einiges ruhiger, sodass wir mit beiden Monaten wieder auf Vorjahreskurs lagen. Seit Anfang März ist die Werkstattauslastung wieder gut.“

Henninger ist recht optimistisch gestimmt: „Für uns lief es bisher in allen Sparten mindestens auf Vorjahresniveau, teilweise sogar etwas besser, sodass 2013 sicher noch ein befriedigendes bis gutes Jahr werden kann.“

Service lahmt

Mehrmarkenhändler Helmut Peter verbuchte durch den langen Winter insgesamt zirka 20 Prozent weniger Aufträge von privaten Kunden. Über alle Marken hinweg gab es jedoch große Schwankungen. „Bei den gewerblichen Kunden hat der Winter keine merklichen Spuren hinterlassen; der Auftragseingang war wie in den letzten Jahren“, sagt der Geschäftsführer der Autohausgruppe Peter in Nordhausen.

Über das Gebrauchtwagengeschäft der ersten drei Monate des Jahres sagt er: „Es verläuft weiter auf einem sehr hohen Niveau, dabei spielt das Internet eine sehr große Rolle. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss ständig überwacht werden. Die großen Händler in Europa haben ein gewisses Vertrauensnetz aufgebaut und sind meiner Meinung nach krisensicher aufgestellt.“

Schwung ins noch lahmende Servicegeschäft soll nach einem zähen Jahresstart (-20 %) das Sommerreifen-Umrüstgeschäft bringen. „Ich gehe fest davon aus, dass wir mit Start der Sommerreifenaktion Großteile wieder einholen können. Dabei spielen die Monteurkapazitäten eine große Rolle. Wir müssen die Arbeitszeiten nach Auftragseingang gestalten und uns ganz massiv auf die Kundenbedürfnisse und -ströme einstellen“, sagt Peter.

Transporter schwächeln

Mehrmarkenkollege Michael Eidenmüller von Auto-Scholz in Bamberg freut sich unter anderem über eine erfolgreiche A-Klasse: „Besonders bei der Privatklientel verzeichnet die neue A-Klasse eine erfreuliche Entwicklung.“ Insgesamt bewegt sich der Auftragseingang bei Auto-Scholz auf Vorjahresniveau.

Deutlich besser als im Vorjahreszeitraum war auch der Auftragseingang im Lkw-Geschäft. Die Auslieferungen hingegen waren aufgrund des schwachen Auftragsbestandes im vierten Quartal schlechter als im Vorjahr.

Gefragt nach dem Geschäftsverlauf bei den Gebrauchtfahrzeugen, sagt Autohauschef Eidenmüller: „Witterungsbedingt starteten die gebrauchten Pkw im ersten Quartal mit weniger Verkäufen. Die Kunden hielten sich deutlich zurück. Das hatte zur Folge, dass sich die Fahrzeugbestände leicht erhöhten und sich die wenigen Kaufwilligen auf höhere Rabatte freuen konnten. Dementsprechend sind die Erträge eher als bescheiden zu bezeichnen, da auch die Verkäufe der schon länger stehenden Fahrzeuge diesen Trend noch verstärkten.“ Die Nachfrage nach gebrauchten Transportern war ebenfalls sehr verhalten. „Wir hoffen, dass das Transporter-Geschäft im zweiten Quartal deutlich anzieht“, sagt Eidenmüller.

Sehr unterschiedlich verlief das Servicegeschäft. „Das verspätet einsetzende Frühjahrsgeschäft verschlechtert unsere Pkw-Service-Bilanz. Auch das Lack- und Karosseriegeschäft ist weiterhin rückläufig. Wobei wir im Nfz-Service unsere gute Position zumindest in den drei Großbetrieben ausbauen konnten“, bilanziert Eidenmüller.

Mit Blick auf 2013 sagt er: „Wir sind zuversichtlich, unsere Absatzziele zu erreichen. Nicht zuletzt sprechen dafür neben der A-Klasse die Markteinführungen der neuen E-Klasse und des CLA im April 2013. Die positive Absatzentwicklung soll trotz herausforderndem Wettbewerb bei konstanten Erträgen erfolgen.“

(ID:38850510)