Insolvenzstatistik Historischer Tiefststand der Firmenpleiten

Autor: Andreas Grimm

Seit der Finanzkrise 2009 ist die Zahl der Insolvenzen stetig gesunken. Die Kfz-Branche macht da keine Ausnahme. Nun hat sich dieser Trend ausgerechnet im Coronajahr nochmals verstärkt. Aus simplen Gründen. Dass das dicke Ende der Entwicklung nun bald kommt, zeigen erste Frühindikatoren.

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Die Zahl der Pleiten im Kfz-Gewerbe ist im Jahr 2020 auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Die ware Lage spiegelt die Statistik aber nicht wider.
Die Zahl der Pleiten im Kfz-Gewerbe ist im Jahr 2020 auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Die ware Lage spiegelt die Statistik aber nicht wider.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die Insolvenzstatistik des Jahres 2020 zeichnet ein ziemlich schiefes Bild der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Obwohl in zehn von zwölf Monaten die Corona-Pandemie in Deutschland wütete – inklusive Lockdowns und geschlossener Geschäfte und Schauräume – ist die Zahl der Unternehmenspleiten nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) bundesweit und über alle Branchen hinweg um 15,5 Prozent zurückgegangen. Im Kfz-Gewerbe fällt die Diskrepanz noch deutlicher ins Auge: Hier sank die Fallzahl sogar um knapp ein Fünftel.

Nach Angaben der Statistiker haben die Insolvenzen mit 15.841 Fällen den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 erreicht. Einen Anstieg hat es zuletzt im Krisenjahr 2009 gegeben. Doch auch den Statistikern ist klar, dass die Ursache für den Rückgang letztlich in der bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzten Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen zu suchen ist. Ähnlich ist das Bild im Kfz-Gewerbe. Dort hatte es ebenfalls zuletzt im Jahr 2009 mit 1.272 Pleiten einen Höchststand gegeben. Seither ist die Zahl – mit Ausnahme des Jahres 2017 – immer weiter zurückgegangen.

Für die Kfz-Branche weist die Statistik für 2020 noch 478 Insolvenzverfahren aus. Im Jahr 2019 waren es 593 gewesen. Damit sank die Fallzahl im Coronajahr mit ihrem scharfen Rückgang der Pkw-Neuzulassungen (-19,1 %) um 19,4 Prozent. Von den an den Gerichten angezeigten Insolvenzen wurden 323 Verfahren eröffnet und 155 mangels Masse abgewiesen. Betroffen von der Schieflage ihres Arbeitgebers waren 5.113 Mitarbeiter, die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger summierten sich auf 1,42 Milliarden Euro.

Vor allem bei Werkstätten sanken die Insolvenzzahlen spürbar

Der Blick auf die einzelnen Tätigkeitsfelder des Kfz-Gewerbes zeigt trotz allem eine deutlich unterschiedliche Entwicklung der Fallzahlen. Am stärksten sanken die Zahlen im Bereich der Servicebetriebe und Werkstätten. Statt 250 Betrieben mit Liquiditätsproblemen im Jahr 2019 zählten die Statistiker noch 165 Fälle (-34,0 %). Dieser Befund betrifft durch die Bank alle Bereiche: die Werkstätten (122 Fälle /-71 Fälle) ebenso wie die Lackierereien (19 / -13) und die Waschanlagen (24 /-1).

Weniger ausgeprägt ist die Entwicklung im Bereich des Kfz-Handels. In diesem Tätigkeitsbereich sank die Zahl der Insolvenzen nur um ein Zehntel von 247 auf 223 Fälle (-9,7 %). Dabei gab es unter den spezialisierten Nutzfahrzeugbetrieben nur einen Fall weniger (noch 12 Pleiten), klassische Autohändler mussten 211 Mal aufgeben.

Sogar einen Anstieg der Insolvenzen weist die Statistik des Jahres 2020 für den Handel mit Kfz-Teilen und Zubehör aus. In diesem Geschäftsfeld war trotz aller Erleichterungen für 75 Betrieben Schluss, das war einer mehr als im Jahr 2019. Bemerkenswert ist, dass die Fallzahlen im Großhandel von 14 auf 21 deutlich stiegen, während sie bei im Einzelhandel von 60 auf 54 betroffenen Betrieben sanken.

Die Insolvenzwelle baut sich langsam auf

Für die kommenden Monate ist nun eine andere Entwicklung zu erwarten. Bereits im November (+5 %) und Dezember (+18 %) zeigte sich eine steigende Zahl eröffneter Regelinsolvenzverfahren. Im Februar stieg diese Kennzahl nun wieder deutlich um 30 Prozent gegenüber dem Januarwert an. Allerdings waren es noch immer 11 Prozent weniger Fälle als im Februar 2020.

Darin spielt hinein, dass die Insolvenzantragspflicht noch bis Ende April 2021 für jene Unternehmen ausgesetzt ist, die noch auf eine Auszahlung der seit dem 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen warten – und mit den Hilfsgeldern möglicherweise eine Insolvenz abwenden können.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«