»kfz-betrieb« Auto-Check Hyundai Ioniq 5: Schön, aber (noch) nicht perfekt

Von Edgar Schmidt 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Hyundai Ioniq 5 fällt allein schon durch sein Design auf. Endlich hat sich mal wieder ein Hersteller getraut, aus dem SUV-Einheitslook auszubrechen. Technisch ist der Wagen noch nicht ganz so perfekt – aber er ist auf einem guten Weg.

Der Hyundai Ioniq 5 macht nicht nur auf dem Parkplatz eine gute Figur, sondern eignet sich auch gut als Langstreckenfahrzeug.(Bild:  Schmidt/»kfz-betrieb«)
Der Hyundai Ioniq 5 macht nicht nur auf dem Parkplatz eine gute Figur, sondern eignet sich auch gut als Langstreckenfahrzeug.
(Bild: Schmidt/»kfz-betrieb«)

Wenn man einen Erfahrungsbericht über den Hyundai Ioniq 5 schreibt, kommt man nicht umhin, mit den Design anzufangen. Denn was den Hyundai-Desingern bei dem Modell gelungen ist, ist schon aller Ehren wert. Der Hersteller hatte den Mut, viele Elemente der Konzeptstudie 45 zu übernehmen. Dadurch ist ein komplett eigenständiges Auto entstanden, dass sich wohltuend aus der Masse in dieser Fahrzeugklasse abhebt. Während die Proportionen des Wagens noch an einen Kompaktwagen erinnern, liegen die Maße eher im Bereich von mittelgroßen SUVs: Der Ioniq ist 4,6 Meter lang, 1,9 Meter breit und hat einen Radstand von 3 Metern. Kombiniert mit einer konsequent auf den E-Antrieb ausgelegten Fahrzeugarchitektur bietet der Innenraum daher deutlich mehr Platz als bei vielen SUVs mit gleicher Grundfläche.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Zu dem eigenständigen Auftritt trägt auch die sogenannte Clamshell-Fronthaube bei. Sie zieht sich über die Kotflügel bis zu den Radhäusern und erstreckt sich damit wie eine Muschelschale über die gesamte Fahrzeugbreite. Das ermöglicht geringe Spaltmaße und soll – ähnlich wie die versenkbaren Türgriffe – die Aerodynamik verbessern. Dass die Hyundai-Designer dem Wagen auch eine eigene Lichtsignatur mitgegeben haben, ist da nur konsequent: Die an Pixel – also die kleinsten Einheiten der digitalen Bildgebung – erinnernden Front- und Heckleuchten sollen das moderne Design zusätzlich unterstreichen.

Funktion folgt der Form

Allerdings haben es die Designer an der ein oder anderen Stelle auch übertrieben, indem sie die Funktion der Form untergeordnet haben. So hat das Auto beispielsweise keinen Heckwischer, aber eine Aerodynamik, die bei schlechtem Wetter viel Dreck und Wasser auf die Scheibe schleudert. Ein Wischer würde zwar die schöne Optik etwas stören, wäre aber ungemein praktisch und hilfreich. Auch die Türgriffe lassen sich nur schlecht greifen. Man muss das vordere Ende erst mit dem Daumen hineindrücken, damit der Griff ausfährt. Die elektrisch ausfahrende Variante war im Testwagen nicht verbaut.

Nicht sehr durchdacht ist auch die eine oder andere der zahlreichen Ablagen im Innenraum. Die luftigen Platzverhältnisse sorgen dafür, dass man etwa die Ablage, die vorne mittig unterm Armaturenbrett sitzt, während der Fahrt nicht erreichen kann. Und das Handschuhfach, das als Schublade aus dem Armaturenbrett herausfährt, ist auch nicht wirklich praktisch zu bedienen. Doch mit solchen kleinen Unzulänglichkeiten kann man sich einigermaßen arrangieren, insbesondere wenn man die unpraktischen Ablagen nicht täglich braucht. Schließlich gibt es genügend, die sich problemlos nutzen lassen.

Praktische Details

Der Ioniq 5 bietet aber auch viele praktische Details. So lässt sich beispielsweise die Rückbank um bis zu 135 Millimeter verschieben und damit der eh schon üppige Gepäckraum noch etwas vergrößern. Hyundai hat es auch geschafft, unter der Fronthaube noch einen kleine Ablage zu integrieren. Der Frunk hat laut Herstellerangaben ein Volumen von 57 Litern und eignet sich damit zum Beispiel als Ablage des Ladekabels.

Über hervorragende Platzverhältnisse können sich auch die Passagiere in der zweiten Reihe freuen. Sie profitieren vom langen Radstand und der Konstruktion der Vordersitze. Deren Rückenlehnen sind so ausgeformt, dass sie für eine gute Beinfreiheit sorgen. Außerdem vermittelt der durchgehend flache Fahrzeugboden einen sehr luftigen Eindruck im Innenraum.

Praktisch ist auch die optionale bidirektionale Ladefähigkeit (Vehicle-to-Load, V2L). Dadurch lassen sich während der Fahrt oder im Stand elektrische Geräte wie Notebooks oder E-Bikes mit bis zu 230-Volt-Wechselstrom speisen. Die V2L-Funktion liefert eine Leistung von bis zu 3,6 Kilowatt. Abzapfen kann man den Strom über zwei V2L-Anschlüsse: Einer befindet sich unter den Sitzen der zweiten Reihe, ein weiterer am Ladeanschluss an der Fahrzeugaußenseite, der mithilfe eines Adapters für 230-Volt-Endgeräte genutzt werden kann.

Schnelles Laden

Apropos Laden: Dank der bisher noch eher selten in E-Autos anzutreffenden 800-Volt-Technik ist der Ioniq 5 gut vorbereitet für schnelle Batterieladungen. Das macht ihn langstreckentauglich. Unser Testwagen war noch mit der 72,6 kWh (netto) großen Antriebsbatterie des 2022 Modelljahres und dem Heckantrieb ausgestattet. In dieser Variante müssen Kunden auf eine aktive Vorkonditionierung der Batterie vor dem Schnellladen verzichten.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Hat die Batterie jedoch die richtige Ladetemperatur, bescheinigen Ladesäulenanbieter wie Fastned dem Wagen eine Ladeleistung von bis zu 220 kW, die bis zu einem SOC von rund 55 Prozent aufrechterhalten bleibt. Danach sinkt sie zwar, bleibt aber bis etwa 80 Prozent bei Werten von mehr als 150 kW. Laut Fastned lässt sich an entsprechend leistungsfähigen Ladesäulen Strom für 100 Kilometer in etwa fünf Minuten nachladen. An 50 kW-Säulen dauert das rund 30 Minuten. Eine Batterieladung von 10 auf 80 Prozent soll laut Hyundai unter optimalen Bedingungen in 18 Minuten möglich sein.

Verlässliche Reichweitenanzeige

Bei unseren Testfahrten, die bei Temperaturen von 0 °C bis 10 °C stattfanden, wurde bei voller Batterie eine Reichweite zwischen 440 und 370 Kilometer angezeigt. Das liegt zwar deutlich unter den 481 WLTP-Kilometern, mit denen Hyundai wirbt. Doch mit der angezeigten Reichweite konnte man durchaus kalkulieren. Bei gleichbleibender Fahrweise war auf die Anzeige Verlass.

Allerdings setzt das voraus, dass man die möglichen 185 km/h Höchstgeschwindigkeit nur selten nutzt. Denn ab 130 km/h steigt der Verbrauch auf der Autobahn spürbar an. Auch das ist leider ein Resultat des Karosseriedesigns, das zwar schön, aber nicht sehr windschlüpfrig ist. Wer das Fahrpedal jedoch eher zurückhaltend bedient, kann auch auf der Autobahn und bei den oben angegebenen Temperaturen mit einem Verbrauch von unter 22 kWh pro 100 Kilometer auskommen. Das zwar komfortable, aber auch etwas schwammige Fahrwerksverhalten des Wagens lädt sowieso eher zum entspannten Gleiten als zu einer schnellen Kurvenhatz ein.

Verbesserte Technik

Im Modelljahr 2023 hat Hyundai hier inzwischen einige Verbesserungen nachgeschoben. Das Fahrwerk soll laut Werksangaben nun weniger schwammig sein, und bei der größeren der beiden lieferbaren Batterien ist die Kapazität von 72,6 auf 77,4 kWh gewachsen. Sie lässt sich inzwischen auch vor einem Ladevorgang vorkonditionieren. Diese Verbesserungen machen aus der schon guten Langstreckentauglichkeit eine hervorragende – wenn die Technik funktioniert.

Updates zum falschen Zeitpunkt

Fehler zeigte im Testwagen die Over-the-Air-Updatefunktion. Das Infotainmentsystem ging nämlich während der Fahrt ohne Vorwarnung in den Update-Modus und stellte dabei alle Funktionen ein. Dass man während der rund fünf Minuten Update-Zeit ohne Radio auskommen musste, war noch zu verschmerzen. Doch auch das Navi war in dieser Zeit ohne Funktion. Nun fiel das Update glücklicherweise in eine Phase, in der kein Fahrtrichtungswechsel notwendig war. In einer unbekannten Stadt oder auf einem unübersichtlichen Autobahnkreuz wäre eine solche Unterbrechung allerdings sehr ärgerlich. Auch die Anzeige während des Updates war sehr irritierend. Denn dort stand, dass das Fahrzeug abgeschaltet werden müsse, um die Aktualisierung abzuschließen. Zum Glück funktionierte das dann aber doch während der Fahrt.

Ansonsten gibt es an der Fahrzeugelektronik nichts auszusetzen. Die Assistenzsysteme funktionierten tadellos und ohne weitere Überraschungen. Die Bedienung des Wagens ist einigermaßen schlüssig. Allerdings sind manche Funktionen, wie zum Beispiel die Sitzheizung, tief im Menü des Touchdisplays verborgen.

Guter Gesamteindruck

Der dennoch gute Gesamteindruck des Ioniq 5 resultiert auch aus den hochwertig wirkenden Materialien im Innenraum. Wie es für ein E-Fahrzeug passend ist, verwendet Hyundai hier nach eigener Aussage weitgehend umweltfreundliche und nachhaltig gewonnene Materialien. So sind die Sitze mit einem Leder verkleidet, das mit Pflanzenölextrakten aus Leinsamen gefärbt und behandelt wurde. Weitere Polsterungen bestehen aus Textilien, die aus nachhaltigen Fasern wie Bio-Zuckerrohr, Wolle und Garnen auf Pflanzenbasis hergestellt werden. Manche Stoffe sind aus Fasern recycelter PET-Plastikflaschen gewebt. Und die Fußmatten bestehen aus einem Material, das laut Werksangaben recycelte Fischernetze und andere Abfälle aus den Weltmeeren beinhaltet.

Zur Serienausstattung des Ioniq 5 gehören Voll-LED-Scheinwerfer, LED-Rückleuchten, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, jeweils ein 12,25-Zoll-Bildschirm für das Cockpit und das Navigationssystem, das Hyundai-Telematiksystem Bluelink, eine Rückfahrkamera, beheizbare Vordersitze, eine verschiebbare Rücksitzbank sowie Fahrerassistenzsysteme wie eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und eine Verkehrszeichenerkennung. Eine Wärmepumpe ist leider nur in den höheren Ausstattungsvarianten Dynamiq, Techniq und Uniq erhältlich. Diese enthalten dann auch weitere Assistenzsysteme wie einen Autobahnassistenten oder eine Einparkfunktion mit Fernbedienung sowie ein Head-up-Display.

Ein weiterer Pluspunkt des Ioniq 5 ist, dass er Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 1.600 Kilogramm ziehen kann.

Und der Preis?

In der Basisvariante mit 58 kWh-Batterie kostet der Ioniq 5 43.900 Euro. Der Aufpreis für die 77,4 kWh Antriebsbatterie beträgt 4.000 Euro, der Aufpreis für die große Batterie plus Allradantrieb beträgt 8.000 Euro.

(ID:49266231)