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ICDP-Chef: „Künftig dominieren drei große Teilehändler den Markt“

| Redakteur: Christoph Baeuchle

Ohne den Teilegroßhandel läuft nichts in Kfz-Betrieben. Nun haben die Branchenanalysten von ICDP den Markt analysiert. Deutschlandchef René Herrmann erläutert die Entwicklung und die Auswirkungen auf Kfz-Betriebe.

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ICDP-Deutschlandchef René Herrmann.
ICDP-Deutschlandchef René Herrmann.
(Bild: ICDP/Vennemann)

Was kennzeichnet die aktuelle Situation der Teilegroßhändler in Deutschland?

René Herrmann: Die Konsolidierung auf dem deutschen Teilehändlermarkt ist weit fortgeschritten. Es wird zwar weitere Zusammenschlüsse und Käufe geben, aber nicht mehr in der Geschwindigkeit und Ausmaß wie in den vergangenen Jahren. Wir erwarten einen weiteren, aber moderaten Rückgang.

Was bedeutet das?

In den nächsten 10 bis 15 Jahren rechnen wir mit einem Rückgang der Teilehändler um 25 Prozent. Dann dürfte die Konsolidierung des Marktes weitestgehend abgeschlossen sein. Neben den ganz großen Teilehändler haben auch kleinere Händler weiterhin ihre Marktberechtigung. Sie können durch geografische Nähe und Nischenprodukte bei den Werkstätten punkten.

Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich?

Das hängt vom jeweiligen Land ab. In Frankreich und Großbritannien ist der Teilhändlermarkt quasi in der gleichen Situation. In Spanien und Italien rechnen wir mit einer beschleunigten Konsolidierung in den nächsten Jahren. Hier ist der Teilehändlermarkt noch deutlich fragmentierter als in Deutschland.

Wie wirkt sich die deutsche Marktsituation auf freie Werkstätten aus?

Je weniger Teilehändler, desto geringer die Auswahl. Aber das macht sich im Tagesgeschäft nicht unbedingt bemerkbar, da es weiterhin genügend Teilehändler gibt. Dennoch werden die großen „Super Distributoren“ ihre Dominanz ausspielen und versuchen, Werkstätten an sich zu binden. Dabei wollen sie mit ihren Werkstattkonzepten, individuellen Preisverhandlungen, Werkstattsoftware sowie verschiedenen Dienstleistungen für immer komplexere Reparaturen punkten.

Gilt dies auch für Markenbetriebe?

Hier gibt es keine Unterschiede zwischen freien und markengebundenen Werkstätten. Denn Vertragswerkstätten haben auch immer mehr Fremdfabrikate in ihren Betrieben und benötigen dabei Unterstützung.

Mit welcher weiteren Entwicklung des deutschen Teilehändlermarktes rechnen Sie?

Künftig dominieren drei große Teilehändler den deutschen Markt. Sie werden einen Marktanteil von rund 75 Prozent haben. Bei der Zusammenarbeit zwischen Teilehändler und Werkstätten werden Daten künftig eine noch größere Rolle spielen. Durch den verbesserten Datenaustausch von Diagnose- und Ersatzteilinformationen können sie die Kooperation optimieren. Zudem werden Teilehändler Telematikdaten für Werkstatt-Kunden organisieren. Eine verbesserte Datenintegration ermöglicht eine effizientere Logistik und führt zu weniger Lagerhaltung- und Lieferkosten.

Ist dies für Kfz-Betriebe positiv oder negativ?

Bei den bevorstehenden Herausforderungen hinsichtlich komplexer Reparaturen, Diagnose und künftiger Telematik-Dienstleistungen profitieren freie Werkstätten von einem starken Partner. Dadurch können sie sich stärker auf ihre Kompetenz, die Reparatur von Fahrzeugen, konzentrieren.

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