In Europa bestimmen Kommunen die Zukunft der Mobilität

Verzahnung verschiedener Angebote schreitet voran

| Autor: dpa

Wohin steuert die Mobilität? Zumindest in den Städten wird es sehr vielfältig, glaubt die Boston Consulting Group.
Wohin steuert die Mobilität? Zumindest in den Städten wird es sehr vielfältig, glaubt die Boston Consulting Group. (Bild: ZF)

Anders als in anderen Weltregionen dürften nach Meinung von Experten in Europa bei der künftigen Mobilität vor allem die Städte die Zügel in der Hand halten. „In Europa gehen wir davon aus, dass die Kommunen eine sehr wichtige Rolle spielen“, sagte Mobilitätsexperte Nikolaus Lang von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Nicht alle Städte sind natürlich Vorreiter“, sagte Lang. Städten wie London und Helsinki zeigten jedoch schon jetzt, wie Kommunen die Verzahnung von öffentlichem Nahverkehr, neuen Mobilitätsangeboten und dem privaten Pkw-Verkehr vorantreiben könnten.

„In den USA wird das Thema Mobilität aus unserer Sicht doch deutlich von großen Branchenplayern geprägt sein, wie zum Beispiel von Uber und Lift oder von Waymo“, sagte Lang weiter. Uber und Lyft sind die beiden dominierenden US-Ridehailing-Dienste, also Fahrtenvermittler, die mit selbstständigen Fahrern zusammenarbeiten. Waymo ist eine Schwesterfirma des Internetriesen Google und will autonom fahrende Autos anbieten. Dabei gelten die Amerikaner technisch als führend. In China rechnet Lang dagegen mit einer staatlichen Dominanz inklusive der Digitalkonzerne Tencent und Alibaba. Ausländische Anbieter hätten hier kaum Chancen auf einen Marktzugang.

Das sogenannte autonome Fahren ist nach Meinung von Lang das nachhaltigste Mobilitätskonzept der Zukunft, noch vor Ridehailing und Carsharing. „Auf die Art und Weise können 90 Prozent der Unfälle und zwei Drittel der Emissionen vermieden sowie 50 Prozent der Parkplätze überflüssig werden“, sagte er. Einen Wermutstropfen sieht der Experte allerdings für die Anbieter: „Geld verdienen werden sie damit sicherlich die nächsten zehn Jahre nicht.“

Wirtschaftlichkeit steht in Frage

Autohersteller und Zulieferer hatten zuletzt schon schnelle Erfolgsaussichten skeptisch gesehen. BMW arbeitet in einigen Bereichen mit Daimler zusammen, in anderen mit Intel und Fiat Chrysler, um die Kosten für die Entwicklung der Technik zu teilen. Volkswagen hat sich mit Ford in dem Start-up Argo zusammengetan.

Die sogenannte Mikromobilität mit Leih- beziehungsweise E-Fahrrädern und E-Scootern werde in den kommenden zwei bis fünf Jahren ebenfalls noch einen deutlichen Schub erhalten, sagte Lang. Damit dürften auch diese Angebote zu einer wesentlichen Komponente des Verkehrs in den Städten heranwachsen.

In einer Studie prognostizieren die BCG-Berater, dass das Geschäft mit Elektro-Tretrollern auf längere Sicht allein in den USA und Europa einen jährlichen Umsatz von 12 bis 15 Milliarden Dollar erreichen könnte, wenn vier bis fünf Millionen E-Scooter auf den Straßen sind. Dabei gehen die BCG-Experten davon aus, dass sich in jeder Region nur drei bis vier große Anbieter durchsetzen werden. Denn bei einem Marktanteil von weniger als 25 Prozent werde es schwer sein, die E-Scooter-Flotten profitabel zu betreiben.

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