Welche Spuren hat die Dieselkrise im Neu- und Gebrauchtwagengeschäft bereits hinterlassen?
Modelhart: Die Verunsicherung im Markt ist deutlich spürbar: Die Geschäfte verlangsamen sich und die Händler müssen deutlich intensiver mit den Kunden sprechen. Im Neuwagengeschäft ist der Dieselanteil bei SUVs von rund 94 auf 86 Prozent gesunken – damit folgen wir der allgemeinen Segmententwicklung. Glücklicherweise verfügen alle unsere Euro-6-Dieselmotoren über die Abgasreinigung mit Adblue, aber die Situation ist modellabhängig sehr unterschiedlich. Speziell beim Range Rover und Range Rover Sport ist die Dieselnachfrage unverändert hoch, bei anderen Modellen greifen die Kunden stärker zu unseren neu entwickelten Ingenium-Benzinmotoren. Bei den Gebrauchtwagen sind die Auswirkungen der Dieselkrise deutschlandweit betrachtet bislang nicht kritisch – aber ich kann gut verstehen, dass die Händler die aktuelle Situation punktuell sehr viel dramatischer wahrnehmen. Das gilt vor allem für Städte, in denen Fahrverbote drohen. Deutschlandweit gibt es, zumindest bei der Volumenmarke Land Rover, bislang keinen Überbestand und die Standtage sind nur geringfügig um vier Tage gestiegen. Bei den SUVs sind die Restwerte nach wie vor recht stabil; schwieriger ist die Situation bei den Limousinen – aber das hat eher was mit dem Fahrzeugsegment als mit der Dieselthematik zu tun.
Weinert: Der Einzelhandel ist aktuell mit einer ziemlich hohen Prozentzahl seiner Fahrzeuge noch in einer 24-monatigen Verpflichtung, und das setzt ihm zu, weil keiner einschätzen kann, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Es gibt zwar ein Restwertabsicherungsmodell. Das hält allerdings nur leichte Restwertschwankungen aus. Wir sehen die aktuelle Entwicklung daher als riesige Herausforderung an und müssen gemeinsam mit dem Hersteller und der Bank einen gangbaren Weg finden, um auch starke Ausschläge in den Restwerten abfedern zu können.
Der I-Pace, der erste reine Jaguar-Stromer, kommt Ende 2018. Wie wird der Handel auf das Elektrozeitalter vorbereitet?
Modelhart: Wir sind mittendrin, den Handel auf die Elektrifizierung vorzubereiten. Im ersten Schritt geht es vor allem um die elektrische Infrastruktur in den Betrieben. Wir gehen das Thema gemeinsam mit dem Händlerverband an und setzen auf Umfragen und Vor-Ort-Termine, um uns ein Bild zu machen, wie die Betriebe diesbezüglich aufgestellt sind.
Ist die Elektrifizierung mit hohen Investitionen für den Handel verbunden?
Weinert: Bei den Händlern, die sich im Augenblick in der Bauphase befinden, können die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen für die Elektrifizierung ohne große Mehrkosten dargestellt werden. Bei den Wechsel- und Gleichstromstationen haben wir uns mit dem Hersteller für ein Stufenmodell geeinigt: Die unterste Stufe kann der überwiegende Teil der Händler relativ leicht erreichen. Die große Herausforderung bei der Elektrifizierung ist, dass es deutschlandweit rund 900 Energielieferanten gibt – und jeder hat eigene Regeln und Vorgehensweisen. Einige fordern beispielsweise, dass die Händler eigene Trafostationen aufstellen, andere bieten die nötige elektrische Infrastruktur an, fordern aber sechsstellige Eurobeträge. Unser Glück ist, dass wir in Sachen Elektrifizierung früh dran sind; noch gibt es keine großen Restriktionen. Wenn die Masse dazukommen wird, könnte sich die Lage verschärfen.
Welche Standards müssen die Händler neben der Ladeinfrastruktur noch erfüllen?
Modelhart: Es wird vor allem darum gehen, die Mitarbeiter in den Betrieben entsprechend zu schulen. Speziell die Verkäufer werden die Käufer von Elektroautos ganz anders beraten müssen, beispielsweise hinsichtlich der heimischen Ladeinfrastruktur. Nennenswerte neue Standards in den Schauräumen wird es nicht geben.
Durch die Elektrifizierung wird perspektivisch der Wartungsbedarf deutlich sinken. Sehen Sie das als Bedrohung für die Betriebe?
Weinert: In den kommenden Jahren wird sich die Elektromobilität noch nicht nennenswert auf das Servicegeschäft auswirken. Perspektivisch wird die Reduzierung der Baugruppe aber die Werkstattsituation komplett verändern: Unter anderem wird es ein komplett anderes Mechatronikerprofil geben, und die mechanischen Arbeiten selbst werden nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist ganz klar eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.
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