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Källenius gibt Daimler strikten Sparkurs vor

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. Und sparen, wo es geht. Daimler-Chef Källenius hat seine Zukunftsstrategie vorgelegt – und darin intensiv den Rotstift angesetzt.

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Daimler-Chef Ola Källenius muss an den Kosten schrauben.
Daimler-Chef Ola Källenius muss an den Kosten schrauben.
(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Sechs Monate nach seinem Antritt bei Daimler ruft der neue Vorstandschef Ola Källenius einen rigiden Sparkurs bei dem Autobauer aus. Kosten runter, Investitionen kappen, Modellpalette straffen: Die Strategie, die der seit Mai amtierende Schwede am Donnerstag in London präsentierte, lässt nichts aus. Vor allem die strenger werdenden Vorgaben der EU für den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) der Neufahrzeuge setzen Daimler in den kommenden Jahren finanziell unter Druck – bei Pkw, Vans sowie Lastwagen und Bussen.

Das mache eine Steigerung der Effizienz in allen Bereichen des Unternehmens erforderlich, sagte Källenius. „Dazu gehören auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen.“ Allein beim Personal will der Autobauer in den kommenden drei Jahren konzernweit rund 1,4 Milliarden Euro einsparen und dazu unter anderem jede zehnte Stelle auf den Führungsebenen streichen. Auch in der Verwaltung sollen Arbeitsplätze wegfallen. Zudem will Källenius die Materialkosten senken, die allein im Pkw- und Van-Bereich rund 45 Milliarden Euro im Jahr ausmachen.

Der Betriebsrat reagierte alarmiert. „In der Automobilindustrie stehen wir vor schwierigen Zeiten“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. „Wir müssen uns dieser Realität stellen, dürfen aber nicht an der Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens sparen.“

Um die CO2-Vorgaben zu erreichen und Strafen zu vermeiden, muss Daimler den Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen an seiner Neuwagenflotte deutlich erhöhen. Etwa 2 Prozent sind es bisher, kommendes Jahr sollen es 9 sein, ein Jahr später dann bereits 15 Prozent. Das kostet viel Geld für Entwicklung und Produktion, bringt auf absehbare Zeit aber deutlich weniger ein. Hinzu kommen hohe Investitionen in Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren oder milliardenschwere Altlasten wie die Diesel-Rückrufe.

Gut 100 Gramm CO2 pro Kilometer darf die Mercedes-Neuwagenflotte 2020 im Schnitt noch ausstoßen, 138 Gramm sind es nach dem älteren Messverfahren NEFZ derzeit. „Auch wenn es wie eine Herkulesaufgabe aussieht: Wir können das Ziel erreichen“, sagte Källenius. Man müsse dazu aber im kommenden Jahr bereits die Sonderregeln wie die sogenannten Supercredits nutzen, die der Gesetzgeber zugesteht, um den Übergang zu erleichtern. Die Technologie habe man, sagte Källenius. Was man nur bedingt beeinflussen könne, sei das Kaufverhalten der Kunden.

Wählerischer bei Investitionen

Was die Investitionen angeht, will Källenius künftig „wählerischer“ sein, sprich: Strikter überprüfen, wofür der Konzern Geld ausgibt und wofür nicht – auch bei Forschung und Entwicklung. Das aktuelle Niveau von 16 Milliarden Euro bleibt noch 2020, danach soll es wieder sinken. „Wir haben alles von allem“, sagte der Schwede mit Blick auf die Motorvarianten, die Mercedes in seinen Fahrzeugen anbietet. Das werde es so auf lange Sicht nicht mehr geben.

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