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Die eigentliche Domäne der Giulia sind Kurven – je enger, desto besser. Spätestens am Ortsausgangsschild wird der ambitionierte Fahrer den Fahrdynamikmodus von N oder A auf D stellen. Das quittieren Lenkung und Motor mit messerscharfer Reaktion auf die Wünsche des Fahrers. Zwischen den beiden Tubentachos liegt das kleinere der beiden Infodisplays. Es zeigt im Sportmodus ein g-Meter. Ein simpler Leuchtpunkt und einige Zahlen in einer Kreisfläche zeigen dem Fahrer (wenn er denn den Mut hat, den Blick von der Straße zu nehmen) die Längs- und Querbeschleunigung in Bruchteilen der Erdbeschleunigung an. Die Skala ist laut Hersteller nicht begrenzt; ab 0,8 g ist der Alfa in seinem Element.
Nach der fröhlichen Kurvenhatz kann sich die Giulia auf langen Geraden nicht gleichermaßen in Szene setzen. Hier fehlt auch der stärkeren Dieselvariante das eine oder andere Pferdchen im Vergleich mit der Konkurrenz. Wer auch auf der linken Spur erfolgreich mitspielen will, sollte dann doch zum großen Bruder Quadrifoglio Verde greifen.
Beim Thema Bremsen gibt sich die Giulia keine Blöße: Gut dosierbar und ohne jede seitliche Richtungsänderung beißen die im optionalen Sportpaket in Schwarz, Rot oder Gelb erhältlichen Bremssättel in ihre Scheiben.
Mit innerstädtischem Stop-and-Go-Verkehr kommt der 2,2 Liter große Diesel bestens zurecht, auch im Eco-Fahrmodus hängt der Motor verzögerungsfrei am Gas. Hier kann sich der Sparfuchs je nach Fahrweise an einer zunehmend strahlenden Erde im Display erfreuen. Leider sind laut ADAC die Abgase in der Realität nicht ganz so sauber, wie es die Abgasnorm verspricht. Allerdings produziert die Giulia absolut gesehen recht wenig Schadgase, auch wenn der kombinierte NEFZ-Verbrauch von 4,0 Litern mit 6 bis 7 Litern in der Realität in weiter Ferne liegt. Doch wer kauft sich schon einen Alfa um Spritsparrekorde aufzustellen?
Unnötige Detailmängel
Die Verarbeitungsqualität ist „italienisch lässig“ – für knapp 48.000 Euro sollte beispielsweise ein Heckdeckel nicht einseitig hochstehen. Die Rückbank ist starr, nicht mal einen Skisack gibt es ohne zusätzlichen Aufpreis. Der Fahrersitz bietet zwar auch ohne hohe Seitenwülste, die beim Einsteigen hinderlich sind, festen Seitenhalt – aber die fehlende Lordosenstütze sorgt auf langen Strecken für Verdruss bei den Lendenwirbeln. Den Aufpreis von 800 bis 1.300 Euro für besseres Gestühl sollte der Käufer auf jeden Fall investieren. Und schließlich flattert (zumindest an unserem Testwagen) die Motorhaube jenseits der 180 km/h – zugegeben, das sehen nur sehr groß gewachsene Fahrer.
Alfa sollte hier schleunigst nachbessern und das knauserige Großserieninterieur dem mondänen Äußeren angleichen. Denn trotz all seiner Mängelchen ist die Giulia eine wunderbare Fahrmaschine, die obendrein noch unverschämt gut aussieht.
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