»kfz-betrieb« Auto-Check: Jaguar XF 25t AWD – souverän durchs Schneechaos

Autor: Wolfgang Michel

Sestriere (I), Albertville (F), Genf (CH), Würzburg (D): Auf einer extrem winterlichen Reise durch vier Nationen lässt sich der allradangetriebene XF nicht aus der Ruhe bringen – der Fahrer schon.

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Der Allradantrieb dieser Jaguar-XF-Limousine durfte sich über den Jahreswechsel mit ausgesprochen viel Schnee auseinandersetzen.
Der Allradantrieb dieser Jaguar-XF-Limousine durfte sich über den Jahreswechsel mit ausgesprochen viel Schnee auseinandersetzen.
(Bild: Michel / »kfz-betrieb«)

Über den Jahreswechsel stellte uns Jaguar eine Allradvariante seiner XF-Limousine für Testfahrten zu Verfügung. Niemand konnte erahnen, dass der XF 25t AWD in den nachfolgenden Tagen Schwerstarbeit zu verrichten haben sollte. Schließlich hören wir seit Jahren, dass es in Zentraleuropa keine wirklichen Winter und schon gar keinen Schnee mehr geben soll.

Für den Jahreswechsel 2017/2018 trifft diese Aussage in bestimmen Regionen Europas jedoch nicht zu. Die Menschen in Norditalien und in den französischen Alpen erinnern sich bestimmt noch lange an diese Wintersaison – die Touristen auch.

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Doch zurück zum XF: Im Vergleich zur ersten Generation hat sich die Baureihe optisch und technisch an vielen Stellen weiterentwickelt. Der Designfeinschliff rund um die lange Motorhaube und die coupéhafte Silhouette verleihen dem Auto jetzt eine noch individuellere Note.

Wer auch ansonsten nicht den erstbesten Anzug von der Stange nimmt, sondern das Besondere schätzt, den wird der XF ansprechen. Denn auch in Sachen Komfort, Technik und Sicherheit braucht sich dieser Jaguar nicht zu verstecken. Selbiges gilt für das Individualisierungsspektrum bezüglich Exterieur und Interieur. Der Online-Konfigurator hält mit den Wettberbern namens Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volvo locker mit.

Nerviges Digitalradio, verrückte Mautgebühren

Unser Testwagen der Ausstattungslinie Portfolio war mit einem 2.0-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor (184 kW/250 PS) bestückt. Achtstufenautomatik und Allradantrieb sind beim XF 25t AWD serienmäßig an Bord. So ausgestattet ging es mit 540 Litern Gepäck im Kofferraum und Weihnachtsgeschenken auf den Rücksitzen ins piemontesische Sestriere (Italien).

Spätestens nach dieser knapp 900 Kilometer langen Anreise wissen Fahrer und Beifahrer, was ein XF kann und was nicht. Eine Vielzahl an Assistenzsystemen, die fein zu justierende Klimaautomatik, ein äußerst korrekt arbeitendes Navigationssystem mit brillanter Kartendarstellung, die Geschwindigkeitsregelung Adaptive Cruise Control (ACC) sowie bequeme Ledersitze mit Sitzkissenverlängerung und Lordosenstütze gekoppelt mit einem tadellosen Antriebsstrang und Fahrwerk lassen einen die Streckenlänge beinahe vergessen.

Die knapp fünf Meter (4.954 Millimeter) lange Limousine brachte ihre Passagiere (fast) völlig unaufgeregt nach Italien. Nervig war nur eine Sache, für die das Auto aber wahrscheinlich nichts kann: Das Digitalradio bot zwar eine Unmenge Sender an; jedoch kam nach der Auswahl mehrheitlich die Textnachricht „kein Empfang“. Hatte man doch mal einen Sender gefunden, verschwand dieser regelmäßig teilweise für Minuten. So macht digitales Radio keine Freude. Aber zum Glück gibt es heutzutage die Musikdateien auf dem Smartphone, das sich perfekt mit dem Infotainment-System des Autos verbinden lässt. Die Ohren der Passagiere wurden mithilfe des digitalen Meridian-Surround-Systems also doch noch verwöhnt.

Neben dem etwas nervigen Radioempfang gab es noch ein nachdenklich machendes Maut-Erlebnis: Die Schweiz-Vignette kostet 35 Euro, von Genf bis zum Fréjus-Tunnel und zurück zahlt man in Frankreich nochmals rund 50 Euro Autobahngebühr. Für den 12,8 Kilometer Tunnel selbst werden weitere 53 Euro fällig. Das macht für rund 1.000 Kilometer Wegstrecke 138 Euro Mautgebühr. Und weil das noch nicht genug ist, wurde man auf der Rückfahrt zum Abschied aus Frankreich an der Grenze noch mit einem Blitzlicht beglückt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Franzosen und nicht die Schweizer geblitzt haben. Letztere hätten den XF wahrscheinlich sofort konfisziert.

Gäbe es in Deutschland auch schon eine Pkw-Maut, wären für die 800 Kilometer in diesem Land (Hin- und Rückfahrt) weitere Gebühren fällig. Aber zumindest bleibt uns die Maut in Deutschland noch so lange erspart, wie die Politiker in Brüssel und Berlin darüber streiten.

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Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«