»kfz-betrieb« Auto-Check: Lada Vesta Cross SW

Kompakter Kombi als Raumwunder und Blickfang

| Autor: Andreas Grimm

Mit dem Vesta Cross hat Lada auf den SUV-Trend reagiert und das Basismodell mit einigen Applikationen aufgewertet.
Mit dem Vesta Cross hat Lada auf den SUV-Trend reagiert und das Basismodell mit einigen Applikationen aufgewertet. (Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Autofaher mit einem Hang zur Nostalgie sind in einem Lada gut aufgehoben – wohl erst recht, nachdem der offizielle Lieferstopp nach Westeuropa verkündet wurde. Im Allradler Niva, der jetzt Urban heißt, ist bekanntlich der Komfort gering, das Motorengeräusch laut und das Ansehen des Fahrers nur in Liebhaberkreisen hoch. Kurz: Vor dem Einstieg in den Lada Vesta Cross SW ist die Erwartung an das Fahrerlebnis gedämpft – umso mehr überraschen die folgenden Tage.

Schon beim Anblick des orange lackierten Kombi wird man mit dem Auto warm, endlich einmal nicht die eintönigen weiß-grau-schwarzen Farben. Aber klar, den Lada nimmt kein Flottenmanager in seinen Fuhrpark auf, sprich die Frage des Wiederverkaufs und des Restwerts stellt sich für den Lada-Käufer mutmaßlich eher selten. Zumindest Niva-Käufer verkaufen ihre Autos selten bis nie. Entsprechend hat Lada auch kein Gebrauchtwagenkonzept. Bei 2.500 Neuwagen im Jahr ist der Markt sowieso übersichtlich.

Doch die Farbe ist nicht alles. Seit Lada das Design der Fahrzeuge modernisiert hat („X-Design“), entsprechen die Modelle westeuropäischen Ansprüchen. Die Vesta-Familie – die einzige neu konzipierte Modelllinie, die hierzulande erhältlich ist – kann sich neben Volvo, Peugeot oder Opel sehen lassen. Ein mächtiger Kühler mit dominantem Logo, nach hinten gezogene Scheinwerfer, Chrom hier, SUV-Beplankung da, dazu „muskulöse Linienführungen“ – die Merkmale, auf die Marketing-Spezialisten der Hersteller gerne hinweisen, sind am Lada Vesta Cross Kombi ebenfalls zu finden.

Drinnen im Auto folgt gleich die nächste Erkenntnis. Der Lada hält im Innenraum, was er bereits außen versprochen hat: Er bietet viel Platz. Auf den beiden Vordersitzen sowieso, aber auch die Passagiere auf der Rücksitzbank haben alle Freiheiten. Und da der Test noch zu kalten Temperaturen stattfand: Auch die Rücksitze haben eine Sitzheizung. Das mag der russischen Herkunft geschuldet sein, aber praktisch ist es dennoch. So kommt auch im Fond kein Neid auf.

Beim Wochenendeinkauf für die Großfamilie fällt in Sachen Raumkonzept der Stauraum ebenfalls positiv auf. Fünf Wasserkästen und eine Kiste Bier schluckt der Kofferraum ziemlich exakt, die restlichen Einkäufe passen aber noch locker oben drauf. Für diese Anlässe muss der Vesta-Fahrer nicht den Van vom Nachbarn ausleihen. Selbstverständlich ist das nicht, schließlich tritt der Vesta in der Kompaktklasse an.

Vesta Cross wird zum Gesprächsanlass

Überhaupt verlief der Einkauf bemerkenswert. Wann haben Sie das letzte Mal mit einem Wagen Eindruck gemacht? Mit einem Oldtimer funktioniert das immer. Aber mit einem Neuwagen? Mit dem Vesta Cross haben Sie gute Chancen. Dass ein Russlanddeutscher nachfragt, ob es sich wirklich um einen Lada handelt, geschenkt. Aber dass normale Passanten dem Auto neugierigen Blicke zuwerfen, fällt doch auf. Exoten locken natürlich, gut aussehende erst recht.

Letztlich muss ein Auto aber vor allem fahren. Und das tut der Vesta Cross Kombi ziemlich gut. „Konzipiert für südrussische Straßen“, hieß es im vergangenen Jahr bei der ersten Präsentation. Gemeint waren wohl Schlaglochpisten. Und tatsächlich federt das Auto Unebenheiten problemlos weg, es liegt gut auf der Straße und entwickelt aus dem 1,6-Liter-Motor ordentlich Vortrieb. Der Antritt könnte zwar etwas spritziger sein, aber dass man problemlos mit 170 km/h über die Autobahn rauscht, war beim Einsteigen nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die maximale Geschwindigkeit gibt Lada mit 180 km/h an.

Das Motorenangebot ist Lada-typisch ziemlich eingeschränkt. Es gibt exakt eine Option, den oben genannten 1,6-Liter Benziner. Der ist wahlweise mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe oder einem gewöhnungsbedürftigen automatisierten Schaltgetriebe zu koppeln. Vorteil des Motors ist seine Robustheit, denn Lada setzt seit Jahren auf den Antrieb. Er ist quasi ausentwickelt. Der Nachteil ist sein Verbrauch. Mit offiziell 7,1 Litern Durchschnittsdurst bleibt der Motor weit hinter den heutigen Erfordernissen zurück, im Testbetrieb waren es 8,2 Liter. Der CO2-Ausstoß liegt offiziell bei 162 g/km für den Handschalter, ist also meilenweit von den CO2-Zielen für 2021 entfernt.

17.990 Euro kostet der Vesta Cross SW mit Handschaltung in der Ausstattung „Luxus“. Da ist dann aber quasi alles an Bord, was Lada liefern kann: Rückfahrkamera, Navigationssystem (mit einigen kleinen Problemen), Frontscheibenheizung, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, getönte Scheiben, Multimedia-System und eben die erwähnte Sitzheizung hinten.

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