»kfz-betrieb« Auto-Check: Mitsubishi ASX 1.6 Clear-Tec 2WD Top

Autor: Ottmar Holz

Die meisten Fahrzeughersteller werten in die Jahre gekommene Modelle mit Modellpflegen oder Facelifts optisch und technisch auf. So auch Mitsubishi beim 2018er ASX. Leider hat der Hersteller den Rotstift ebenfalls kräftig angesetzt.

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Der neu gestaltete Stoßfänger betont den dynamischen Charakter des ASX.
Der neu gestaltete Stoßfänger betont den dynamischen Charakter des ASX.
(Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Auch berufsbedingt stets neugierige Redakteure greifen manchmal gerne zu Bewährtem. So auch ich neulich vor einer mehrtägigen Dienstreiseserie über gut 1.500 Kilometer. Im Testwagenpool der Redaktion hatte ich die Wahl zwischen einem Skoda Karoq, einem Porsche Panamera E-Hybrid – und dem Mitsubishi ASX. Ein ASX? Gebongt, den hatte ich doch vor einem Jahr schon mal, saubequem, knackige Soundanlage und fährt ohne viele Tankstops geradeaus wie ein Slotracer, also genau das richtige Auto für meine Dienstreise.

Doch wir schreiben das Jahr 2018, und der ASX ist durch die Modellpflege mitten im Mainstream der aktuellen SUV-Generation angekommen – leider. Neben einem neuen Heckstoßfänger und weiteren kleinen Retuschen versucht das Modell bei den Käufern vor allem mit verbesserter Infotainmentausstattung und bisher kaum vermissten, aber löblichen Fahrerassistenzsystemen wie einem Auffahrwarnsystem mit Fußgängererkennung und Notbremsassistent oder einem Spurhalteassistent zu punkten.

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Doch Mitsubishi war nicht nur spendabel. 84 Jahre nach Erscheinen des PX33 – der nach Firmenangaben ersten dieselgetriebenen Allradlimousine – strich der Hersteller Allradantrieb und Dieselmotor aus der Ausstattungsliste des ASX. Auch ein Automatikgetriebe sucht der Kaufinteressent seither vergeblich. Den Verzicht auf das europäische Phänomen Diesel kann man aus internationaler Sicht noch nachvollziehen. Immerhin haben einige führende deutsche Hersteller, allen voran VW, das Image dieser Antriebsart gründlicher versenkt als weiland der Eisberg die Titanic. Doch der Verzicht auf Allradantrieb und Automatik bleibt unverständlich.

Bereits nach wenigen Kilometern auf der Autobahn wird dem Fahrer klar, dass die von Mitsubishi damals stolz verkündete permanente Durchleitung von sieben Prozent der Antriebsleistung bei ausgeschaltetem Allradmodus die Spurstabilität wirklich deutlich verbessert. Der 2018er ASX fährt auf gleichem Niveau wie der Wettbewerb geradeaus, doch das „Fahren wie auf Schienen“-Gefühl ist Geschichte. Ein 1.6-Liter-Saugbenziner soll es jetzt zusammen mit einem Fünfganggetriebe und Frontantrieb richten.

Doch irgendetwas fehlt. Entweder ein Turbolader, der dem stets angestrengt klingenden Sauger zu mehr Souveränität im Umgang mit der knapp 1,4 Tonnen schweren Karosse verhilft. Oder ein sechster Gang in einem insgesamt kürzer abgestuften Getriebe, damit der Fahrer nicht schon an leichten Steigungen ein- oder öfters auch mal zwei Gänge zurückschalten muss. Zum Glück fasst sich der vielbeschäftigte Schalthebel ebenso gut an wie der Rest der haptisch einwandfreien Schalter.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich ein Automobil eben weitaus mehr über die Mobilität, also das pure Fahren definiert, als über die hochgehypte Konnektivität oder einige die fahrerischen Defizite des Lenkers kaschierende Nothelferlein.

Alte Tugenden

Am Ende meiner Testfahrt stellte ich den ASX mit gemischten Gefühlen ab. An den inneren Werten des Modells hat sich glücklicherweise nichts verändert. Geblieben ist das luftige, helle Raumempfinden durch das große Panoramaglasdach. Der Blick in den Himmel kostet immer noch viel Kopffreiheit: Auf dem ganz abgesenkten Fahrersitz entgehen großgewachsene Lenker nur knapp dem Kontakt mit dem sparsam gepolsterten Dachrahmen. Die Hinterbänkler sollten jedoch besser kleiner als 1,65 Meter sein. Das ist richtig schade, denn im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern kann der ASX die schiere äußere Größe auch in entsprechende Beinfreiheit für die Rückbänkler ummünzen. Die Audioanlage von Rockford Fosgate überzeugt auch audiophile Ohren, und im Gegensatz zum Wettbewerb kann der Fahrer seine individuellen Hörgewohnheiten mit den vorprogrammierten Equalizereinstellungen verwirklichen.

Auch der Motor zeigt sich erstaunlich genügsam, der Verbrauch geht für die gebotenen Fahrleistungen absolut in Ordnung. Vielleicht begegnet Mitsubishi den bröckelnden Verkaufszahlen (im Vergleich zum Vorgänger) doch noch mit einem Turbolader oder einem zusätzlichen Gang.

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Redakteur Service und Technik