»kfz-betrieb“-Auto-Check: Seat Toledo 1.2 TSI

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Der in Tschechien produzierte Spanier zeigt, wie stark sich fast baugleiche Fahrzeuge aus dem VW-Konzern im Fahreindruck unterscheiden können.

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Die unauffällige Sportlimousine: der Seat Toledo 1.2 TSI.
Die unauffällige Sportlimousine: der Seat Toledo 1.2 TSI.
(Foto: Rosenow)

Die Marke Seat soll im VW-Konzern die Rolle der lebensfrohen Fahrspaßmarke mit südeuropäischem Einschlag spielen – so eine Art Alfa Romeo, nur eben erfolgreich. Doch leider reicht das Entwicklungsbudget nicht mehr für eigenständige Fahrzeugkonzepte aus, weswegen die meisten heutigen Seats technisch komplett und optisch beinahe identisch mit ihren Skoda- und VW-Brüdern sind.

Besonders deutlich sieht man das am Stufenheckmodell Toledo, das nicht nur aussieht wie der Skoda Rapid, sondern sogar in der gleichen Fabrik in Mlada Boleslav gebaut wird. Interessanterweise haben es die Entwickler trotzdem geschafft, dem Tschechen etwas spanisches Temperament einzuhauchen.

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Der Testwagen besaß den 1.200 Kubikzentimeter großen Ottomotor in der Leistungsstufe 77 kW/105 PS – und was dieses turbogeladene Motörchen mit dem 1,2-Tonner anstellt, das war geeignet, dem Tester ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Seine rasante, in den kleinen Gängen fast stürmische Beschleunigung untermalte er mit einem knurrigen Sound und machte den äußerlich so braven Stufenheckwagen zu einer waschechten Sportlimousine.

Erst bei dreistelligen Tempi ließ die Dynamik spürbar nach, sodass bei Überholvorgängen der Griff zum Schalthebel nötig wurde. Das serienmäßige Sechsganggetriebe liefert aber eine so exakte und knackige Rückmeldung, dass die Bedienung eher Freude als Last bedeutete. Bei engagierter Fahrweise spielt auch das Fahrwerk angemessen mit, das Seat-typisch eher straff ausgelegt ist. Die am Testwagen montierten, aufpreispflichtigen 17-Zoll-Reifen verkrallten sich regelrecht im Asphalt und zogen den für seine Größe leichten Fronttriebler fast ohne Untersteuern um die Kurven. Allzu viel Fahrkomfort sollte man freilich nicht erwarten; immerhin überquerte die steife und solide verarbeitete Karosserie auch üble Schlaglochpisten ohne Klapperkonzert.

Viel Platz für Passagiere und Gepäck

Der Seat Toledo macht also Spaß – doch entwickelt wurde er eigentlich als preiswertes Familienauto. Und auch diese Rolle vermag er kompetent auszufüllen. Trotz Stufenheck gewährt eine große Heckklappe bequemen Zugang zum 550 Liter fassenden Kofferraum. Auch die Platzverhältnisse im Innenraum sind über die Maße großzügig. Allerdings misst der Toledo auch beachtliche 4,48 Meter in der Länge – von den Abmessungen her entspricht er also einem Mittelklasseauto.

Typisch für ein Produkt aus dem VW-Konzern sind die straff gepolsterten, bequem geschnittenen Sitze und das sorgfältig verarbeitete Interieur. Dem Armaturenbrett sieht man das Streben nach einem niedrigen Verkaufspreis allerdings leider sehr deutlich an – es ist nicht nur simpel geformt, sondern auch komplett in abwaschbares Hartplastik gekleidet. Auf Wunsch lässt sich der Toledo natürlich mit Navigations- und Entertainmenttechnik vom feinsten ausrüsten.

Fazit: Mit dem Toledo hat Seat eine geräumige und relativ preisgünstige (ab 13.990 Euro) Familienlimousine im Programm, die sicher einen guten Teil zum Aufschwung der Marke auf dem deutschen Markt beigetragen hat. Was ihr an optischer Ausstrahlung fehlt, machen ihr leistungsstarker Antrieb und das gelungene Fahrwerk in Sachen Fahrfreude mehr als wett.

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