»kfz-betrieb«-Auto-Check: VW Golf Cabriolet TSI

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die offene Version des Wolfsburger Bestsellers basiert noch auf der eben abgelösten, sechsten Generation. Das merkt man dem Modell an, muss den Cabrio-Genuss aber nicht stören.

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Das auffälligste am VW Golf Cabriolet sind die roten Ledersitze.
Das auffälligste am VW Golf Cabriolet sind die roten Ledersitze.
(Foto: Rosenow)

Wie doch die Zeit vergeht: Kaum ist der neue Golf auf dem Markt, wirkt das abgelöste Modell der Generation sechs plötzlich ältlich und verstaubt – obwohl sich die Design-Änderungen markentypisch in engen Grenzen gehalten haben. Dabei hat VW die Cabrioversion des Bestsellers erst im Jahr 2011 auf den Markt gebracht – sie muss also noch einige Jahre in der alten Form durchhalten.

Auf die Funktionserfüllung hat das allerdings wenig Einfluss. Genießerisch veranlagten Frischluftfans dürften technische Neuerungen weniger wichtig sein als ein authentischer Cabrio-Fahreindruck mit genau der richtigen Portion Fahrtwind im Gesicht. Und den hat das Golf Cabrio allemal zu bieten.

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Dank Stoffdach und relativ kompakter Abmaße konnten die Entwickler auf eine weit nach hinten gezogene und extrem flache Frontscheibe verzichten, wie sie bei Cabrios mit Metall-Klappdach unvermeidlich ist. Das erleichtert nicht nur das Einsteigen, sondern sorgt auch in Fahrt für ein freies Gefühl rund um den Kopf. Zwar umtost den Fahrer kein wilder Orkan wie in einem alten englischen Roadster, aber es stellt sich schon das Gefühl ein, in einem wirklich offenen Auto zu sitzen.

Dieses Gefühl hat allerdings noch eine andere Quelle: Trotz zahlreicher Strukturmodifikationen (Unterboden, Seitenteile, Schweller, Rückwand, Türen) ist das Golf Cabrio natürlich nicht so verwindungssteif wie ein geschlossenes Auto. Gröbere Fahrbahnunebenheiten verursachen ein leichtes Zittern des Aufbaus.

Twincharger von der Zeit überholt

Nicht sehr gnädig war die Zeit auch zu dem bei seinem Erscheinen revolutionären Twincharger-Motor mit doppelter Aufladung. Per Kompressor und Turbolader gepäppelt, schwingt sich der 1,4-Liter-Ottomotor zu 118 kW/160 PS und 240 Newtonmetern Drehmoment auf. Das sind keine schlechten Werte, aber der Motor gibt seine Leistung vor allem bei stärkerer Beschleunigung mit einem leichten Ruckeln ab – wohl ein Tribut an die komplexe Steuerung der beiden Aufladeorgane.

Auch der Verbrauch profitiert nicht so stark vom Twincharger-Prinzip, wie sich VW das wohl ursprünglich gedacht hat. Weil im unteren Drehzahlbereich, wo eigentlich besonders günstige Verbrauchswerte möglich sind, der mechanisch angetriebene Kompressor mitläuft, sinkt der Kraftstoffkonsum beim ruhigen Cruisen nicht so stark ab, wie es mit einem reinen Turbomotor möglich wäre. Bei den Testfahrten wollte der Golf bei gemäßigter Fahrweise und hohem Autobahnanteil rund 7,5 Liter auf 100 Kilometern – ein guter, aber kein Spitzenwert. In der neuen Motorenbaureihe EA 211 hat VW das Twincharger-Konzept denn auch aufgegeben und erreicht gleiche Leistungs-, aber bessere Verbrauchswerte allein mit dem Turbolader.

Rote Ledersitze sind der einzige Farbakzent

Das Design des Armaturenträgers unterscheidet sich nicht von den geschlossenen Versionen und ist gewohnt solide und unaufgeregt – um es positiv auszudrücken. Mit den roten Ledersitzen haben die Designer immerhin einen Farbakzent gesetzt, der gut zum schwarzen Lack des Testwagens passte.

Von außen betrachtet ist das Golf Cabrio mit seinem klassischen Stoffdach aber eine erfreuliche Erscheinung in der von unförmigen, breitärschigen Klappdachmonstern dominierten Cabrioklasse. Das gilt sowohl geschlossen als auch offen.

Den starken TSI-Motor mit 160 PS braucht es allerdings nicht, um das Wolfsburger Cabrio zu genießen. Schon der kleinste Antrieb, der 1,2-Liter mit 77 kW/105 PS, verleiht dem Golf genügend Kraft für freudvolle Fahrten – und kostet mit 24.175 Euro Grundpreis gleich 2.600 Euro weniger.

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